Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1896)
- Date
- 1896-01-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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165 Huld, Rabbi!" rief der alte Mann und führte den Zipfel des Gewandes, das der Oberrabbiner trug, ehrfurchtsvoll an seine Lippen. „Ihr habt mir nicht zu danken, und ich habe Euch keine Huld erwiesen, ich handele nur genau so wie es das rabbinische Gesetz vorschreibt .... Aber Ihr seid krank, Ihr seid todtenbleich, Ihr könnt Euch nicht auf den Füßen erhalten, Ihr müßt in's Spital! . . . . Vielleicht könnt Ihr dort geheilt werden!" „Rabbi, wie endlos groß ist Eure Gnade! Ich bin ihrer nicht würdig! Was liegt an mir, laßt mich aus offener Straße verrecken, ich hab's nicht besser verdient! .... Ich bin der allerletzte der Menschen, ich werde nicht mehr vier uub zwanzig Stunden leben und ich will nicht mehr leben, ich will „Was Ihr wollt, kümmert mich nicht! Ich thu' was nrir die Pflicht vorschreibt — und wenn Ihr auch der Letzte der Menschen seid, so darf ich Euch trotzdem nicht all zu gering achten. Unsere Weisen lehren: Al tehi bosz lechol odom ') — keinen Menschen darfst du gering achten — jeder Mensch ist im Ebenbitde Gottes geschaffen, in jedem, auch in dem Niedrigsten, in dem Verworfensten glimmt — zuweilen unerkennbar — ein Funke Gottähnlichkeit." „In mir, dem Niedrigsten, dem Verworfensten, dem allerletzten aller Menschen, glimmt noch ein Funke Gottähnlichkeit?! Wie glücklich mich Euer schönes Wort macht, wie es mich erhebt!" Der Rabbi berief den Diener durch die Glocke in's Zimmer, winkte ihm ita^o zu sich heran und sprach leise: I) Sprüche der Väter, Abschnitt 4, Michna 3. „Laßt den Fremden da in einer Sänfte nach dem Spital bringen; sollte ihn Gott, wie dies mit Sicherheit anzunehmen ist, von seinen Körper- und Gewissensqualen erlösen, so ist er neben dem Grabe des Koppel Tarnower an der Umfriedigungsmauer zu bestatten." Dann verließ der Rabbi das Zimmer. Der Fremde starb einige Stunden nachdem er in das Spital gebracht worden war. Man faub einen kleinen Geldbetrag bei ihm; der Rabbi befahl, daß ihm für diesen ein Grabstein gesetzt werde. Aus demselben stand hebräisch: Ein Unbekannter — ein bereuender Sünder! Der Mann, dessen 'Name nie bekannt wurde, hatte in der That viel zu sühnen. Er hatte nach seinem eigenen Geständnisse viele und schwere Mifsethaten begangen. Nicht die geringste derselben war es, daß er den Tod des edlen Efraim Pardubitzer verschuldete, dadurch seinem Namen einen unauslöschlichen Makel angeheftet, sein einzig Kind nicht nur frühzeitig zur Waise gemacht, sondern ihn auch des höchsten, edelsten Gefühles, jenes der Liebe und Verehrung zum Vater beraubt, ihn für immer namenlos, unaussprechlich unglücklich gemacht hätte, wenn nicht Gottes gnadenreiche Fügung in wunderbar erscheinender Weise, Koppel Tarnower als schwedischen Obersten nach Prag geführt und dessen Enthüllungen am Sterbebette Efraim Pardubitzers Ehre wieder hergestellt und dadurch auch seines Sohnes, des edlen schwergeprüften David Speier-Pardubitzer, wohlverdientes Lebensglück begründet hätten. nr Mnreigerr. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. 1V2 Wurilgeschäft in einer größeren Stadt Bayerns, gangbarer Posten, gute Losungen, ist Familienhalber zu verkaufen oder gegen Caution zu überlassen. — Reflectanren wollen ihre Offerte brüfl. unter B. 3201 an Rttdolf Moff-, München richten. (42a /Ein größeres Fabrikgefchaft sucht fürs Comptoir per sofort, eventl. später, einen Lehrling mit guter Handschrift u. Schulbildung gegen Vergütung. Offerten u. 417 a. d. Expd. d. Bl. >4.§06SMMnKö l rvDc ut3 Borkenheim-Frarikfrrrt a. M. Sanatorium für tSraelit. Rerveuleideude. — Wasserheilanstalt. — Electrotherapie. — In der Nähe eineS hübschen WaldeS. — Am Fuße des Taunus. — Arzt im Hause. — Bei comfortabler Einrichtung mäßige Pensionspreise. Näheres enthalten die Prospekte. (4288 Dr. med. E. Noseuba«« in Frankfurt a. M Reelles Heiraths-Gesnch. Für ein fein gebildetes Mädchen, im Besitze von 20,000 M., wird ein Rabbiner in guter Stellung oder Kaufmann gesucht. Offerten unter B. A. 432 beförd. d. Exprd. d. Bl. Frankfurt a. M. Tüchtige, streng relig. Person, die Küche und alle Hausarbeiten selbstständig zu besorgen hat, da .die Frau de» HaufeS im Geschäfte thätig ist, gegen hohen Lohn und gute Behandlung gesucht. Offerten unter Nr. 441 bef. d. Exp. dsS. Bl.