Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1896)
- Date
- 1896-01-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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144 Amerika. Baltimore, im Dez. (Chtz a k-Emo onah- Synago ge.) Zu einem höchst imposanten Ereignisse gestaltete sich die Einweihung der neuen Chizak-Emoonah Synagoge an der Ecke der Mc Culloh- und Mosher-Straße, welche gestern Nachmittag unter angemessenen Ceremonien startfand. Lange vor Beginn der Feier hatte sich der schmucke Tempel, auf den die Gemeinde mit Recht stolz sein kann und ist, mit Besuchern gefüllt. So zahlreich waren die Mitglieder und Freunde der Gemeinde aus allen Stadtthlilen herbetgeströmt. daß bereits bei Beginn der Feier kaum noch ein Sitzplatz übrig war. Rabbiner Dr. H. P Mendts von New Jork, welcher speziell für diesen Zweck nach Baltimore kam, hielt die Etnwethungsrede. Er unterwarf in derselben die moderne oder reformirte israelitische Gemeinde einer ziemlich scharfen Kritik. Rabbiner Dr. Schneeberger, der Seelsorger der. Congregation, erwähnte in feiner Ansprache etwa Folgendes: „Treu unserem Glauben anhängcnd, war es eine kleine Zahl ehrenhafter und frommer Männer, welche vor mehr als einem Vierteljahrhundert die Gemeinde organisirte. Ihren unermüdlichen Bemühungen gelang es unter schweren Opfern, an der Lloyd-Straße am 18. August ] 876 eine Synagoge einrichten zu können, und war mir das Glück zuertheilt, jenen Tempel dem Dienste Gottes zu weihen. Getreu den Ueberzeugungen der Gründer unserer Gemeinde haben wir in dem Tempel zugebracht, bis sich die Nothwendigkeit herauSstellie, in einem anderen Stadltheil eine neue Synagoge zu errichten. Diese ist jetzt vollendet und soll heute dem Könige Jsrael's geweiht werden „Wir würden unsere Pflicht vernachlässigen, wenn wir heute nicht eines jener wackern Männer gedenken wollten, welcher für die Gemeinde in treuer Weise gewirkt hat, eines Mannes, desien Namen gleichbedeutend dasteht mit Großmuth, Frömmigkeit und Wohlthätigkeit — Hr. Jonas Friedenwald — und desien Selbstaufopferung nie vergessen werden wird. Seiner Unterstützung und Hilfe verdanken wir zumeist unsere Erfolge und das Andenken unseres Hingeschiedenen Freundes möge uns anspornen, seinem rühmlichen Beispiel in allen Lebenslagen zu folgen „Als Mitglieder der „Chjzak Emoonah-Gemeinde," fuhr Dr. Swneeberger fort, „dürfen wir aber nie vergessen, daß unser Name „im Glauben gestärkt" heißt. Laßt uns daher unseren Glauben kräftigen und ihn auf dem Geiste unserer Vorfahren aufbauen. Als Waffen wollen wir nicht das Schwert und die Feder wählen, sondern unsere Anhänglichkeit an unsere Ueberzeugungen und Toleranz gegen die Ansichten und Ueberzeugungen Anderer." Mrsonal'ie». Kempen, (Prov. Posen), 14. Januar' Die edelste und beste Frau unserer Stadt, ein Biederweib in des Wortes höchster Bedeutung, eine Fürstin in Israel, wurde zu Grabe getragen. Die Gattin unseres hochwürdigen Herrn Rab biners Dr. L. Münz, ro yro ns>6 nia mmn newn "un 13’HD, einer sehr vornehmen Familie entstammend, hat nach kurzem Krankenlager ihre reine Seele ansgrhaucht. In Breslau, wo die edle Frau Heilung von ihrem schweren Leiden suchte, hat sie der Allgütige in das Reich des ewigen Lichtes abberufen. Ein großes Trauergefolge, an dessen Spitze sich die beiden ehrwürdigen Rabbiuen von BreSlau, Herr Dr. Rosenthal und Herr Dr. Gutlmann, befanden, erwies der selig Entschlafenen die letzten Ehren, als die Ueberführung der sterblichen Ueberreste nach Kempen ftattfand. Am Dienstag Nachmittag war es, da die theuere Heimgegangene von ihren schmerzerfüllten, tieftrauernden Söhnen aus Breslau nach Kempen heimgebracht wurde. Als der Eisenbahnzug mit seiner sterblichen Hülle dieser reinen, gottgeweihten Seele an diesem düsteren Tage in den Bahnhof z r Kempen cinlief, erhob sich un er der unübersehbaren Versammlung lautes Weinen und Klagen, wie man es an dieser Stelle wohl noch nie gehört hatte. Von hier aus bewegte sich der Trauerzug durch die Straßen der Stadt; immer mehr schwoll das Gefolge an, die gesammte Schuljugend, die Zöglinge des Waisenhauses reihten sich den Leidtragenden an, die Geschäfte waren geschlossen, Handel und Verkehr ruhte in diesen Stunden tiefster Trauer. Endlich traf der unübersehbare lange Zug auf dem alten Friedhof an, woselbst der edlen Entschlafenen ein besonderer Ehrenplatz als Ruhestätte angewiesen worden war. Es läßt sich mit Worten nicht schildern, von welch' tiefer Trauer die Versammlung erfaßt wurde, als der tiefgebeugte Gatte, unser hochverehrter Herr Rabbiner, das Wort ergriff und mit ihränenerstickter Stimme von der entschlafenen Gattin Abschied nahm und ein kurzes Bild von ihrem segensreichen Wirken in Haus und Gemeinde entrollte. Anknüpfend an prägnante und geistvoll gedeutete Bibel- und Midraschstellen, charackterisine der Gatte die edle Entschlafene als eine;ti ntsw, als das Ideal eines echt frommen jüdischen Weibes. So voller Liebe und Hingebung zu ihrem Gatten, die sie mit einer Selbstlosigkeit sondergleichen in seinen geistigen Bestrebuegen förderte, so voller Zärtlichkeit und Aufopferung gegen ihre Kinder, die sie zu tüchtigen, pflichtbewußten, religiösen Menschen erzog, so voller Mckde und Barmherzigkeit gegen die Armen und Bedrückten, so voller gottergebener Frömmigkeit war sie leuchtendes Muster und Vorbild nicht nur in ihrem eigenen Hause, sondern auch für Stadt und Gemeinde und für den großen weiten Kreis derer, die sie kannten und verehrten. Hierauf gaben die beiden ältesten Söhne der Verklärten, Herr Dr. Wilhelm Münz, Rabbiner in Gleiwitz, und Herr Dr. Jsaac Münz, Rabbiner in Berent, ihrer kindlichen Dankbarkeit und Liebe gegen ihre theure Mutter, die ihnen so schnell und jäh entrissen wurde, mächtigen, tiefergreifenden Ausdruck. Kein Auge der dichtgedrängten, tausendköpsigen Menge blieb thränenleer und es erhob sich ein lautes Jammern und Klagen, als die schwergeprüften Söhne der unendlichen Liebe und Treue ihrer edlen Mutier gedachten und den namenlosen Verlust schilderten, den das ganze Haus erlitten. Sodann ergriffen von den anwesenden Rabbinen, Herr Dr. Pleffner aus Ostrowo und Herr Dr. Bamberger aus Schiloberg, das Wort. In eindrucksvollen, von tiefer Empfindung getragenen Ansprachen hoben die ehrwürdigen Redner hervor, daß nicht nur der engere Familienkreis von einem unersetzbaren Verluste betroffen wurde, sondern daß mit der Entschlafenen ein edles Weib zu Grabe getragen wird, um das ganz Israel trauern muffe. Aus den Nachbargemeinden waren Vertreter zu dieser großen Trauer in Kempen herbeigeeilt, ebenso hatte die ferner gelegene Synagogengemeinde Gleiwitz in annerkennenSwerther Weise eine Deputation von zwei hochachtbaren Mitgliedern der Gemeindebehörde hergesandt. Die vielen Beweise der innigen Theilnahme legen ein imposantes Zeugniß ab, welche Liebe und Verehrung die ewig Verklärte weit und breit genoß, "ji im’ rm Möge der Allgütige den tiefgebeugten Gatten, die schwer geprüfte Familie trösten und aufrichten, möge das Andenken