Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 6 (10.1.1896)
- Date
- 1896-01-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X XXVII. Jahrgang. Ei» Genlrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. B-xründet »vv Or. Lehmann tri Mainz. M o ft t a q . den 2V Januar 5056 (18»6). Leitender Artikel. Schiroy-KedauKen. (Zu nbra ntene.) Von M. Rosenfeld, stud. phil., Berlin. Unter den zahlreichen Liedern und Gesängen der h. Schrift brsinden sich nur drei größere Siegeslieder, das am rothen Meere, das Siegeslied der Deborah und das Lied Davids „am Tage, da ihn der Ewige errettet aus der Hand seiner Feinde und aus der Hand Sauls." Alle diese besingen' die wunderbare Rettung aus äußerster Gefahr, und dennoch wie sehr sind sie von einander verschieden! Während dos Siegeslied der Deborah' ein Rechtes Krieaslied ist und den Jubel des Sieges, die Verherrlichung der Siegesthat, des lorbeerbekränzten Feldherrn und Volkes austönen läßt, während Davids Gesang dem „Fels seines Heils" dankt, daß er ihn „an seinen Feinden gerächt und erhöht" hat, quillt das Lied am rothen Meere voll und ganz aus der Seele^des Gesammtisrael. Israel ist kein Kriegsvolk, sondern ronte' vx i, der Ewige ist der Held des Krieges, daher gilt einzig undallein ihm der Siegesgesang. Und dieser Siegesgesang ist zugleich Gottesdienst, ist Glaubenssache. — Nicht bedeutungslos heißt es in der Einleitung zurrrvff: 'na u'ox’i „das Volk g l aubte an Gott", sondern wie der Midrasch hinzufügt: iidn‘inDraa Dyn jox'i "DNJ» /6’nn Tcxntp njox^ niaia ,htb7 war die Glaubensstärke Israels die Ursache zum Liede am rothen Meere. Nicht die unmittelbare Veranlassung, der Durchgang trocknen Fußes zwischen den Wassermauern, sondern ruDxn rvon nVnn iroxr,», die Glaubenskraft, welche die Israeliten bereits bewiesen, als sie noch schwer unter dem Joche Egyptens seufzten, als sie vom Drucke Pharaos gebeugt, von Aron die Kunde vernahmen, daß Gott ihr Elend gesehen und ihrer gedacht, als an Pharao und Egypten noch keine Wunder und Strafgerichte vollzogen waren, Dyn p»w glaubte das Volk bereits an seinem Retter und durch diesen Verdienst konnten sie später von Gott singen: 'n Gott ist unser Kriegsheld. Wie schön und wie richtig ist diese Erklärung des Midrasch! Der feste Glaube Israels an Gott, den sie selbst in der Nacht egyptischen Götzendienstes so trru bewahrt, führte bet der ersten Nachricht, daß Gott ihrer gedacht, zum unerschütterlichen Vertrauen auf ihn. Nach der Erzählung unserer Weisen sind in Israel am Meere, als der Feind im Rücken ansichtig wurde, Parteien entstanden; die Einen wollten nach Egypten zurück, Andere den Kampf aufnehmen uvv wieder Andere sich ins Meer stürzen, der edle Theil des Volkes aber setzte sein Vertrauen in Gott. Und diese letzteren waren es, welche mit Moses anstimmten: -fio* 'n. der Ewige wird Herr sein für immer und ewig! weil ste sich bewußt waren, daß nnr i h r Glaube und <bre Zuversicht Israel und der Herrschaft Gottes über dasselbe ewige Dauer verleihen. Es dürfte nicht schwer fallen die auffällige Aehnlichkeit zwischen dem Israel am rothen Meere und dem heutigen, dem Israel, das mitten in den brandenden Wogen des Völkermeeres steht, herauszufindeu. Wie damals will auch heute die eine Partei in einen aussichtslosen Kampf — wenn auch ohne Waffen — eine jüdische Nationalität wiederbegründen, die andere in völliger Thatlosigkeit und gefährlichem Jndrfferer.tismus in das egyptische Sklavenhaus der Völker zurü4 kehren. Namentlich stark ausgeprägt sind aber die beiden anderen Parteien. Die Einen zunächst, welche sich ins Meer stürzen wollen, welche aufgehen (oder leider untergehen) wollen im Völkermeere. Ste fühlen sich umweht von einem Gerste, der gleich ihnen im dahtneilenden Augenblick seinen Gott steht, vom sogenannten Zeitgeist. Bei ihm suchen sie ihr Heil, seinen Wogen vertrauen sie sich an und vergessen, daß, wenn sie eine Wellenbewegung auch scheinbar hochgehoben hat, die nächste sie desto rascher und siche.