Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 5 (16.1.1896)
- Date
- 1896-01-16
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXVII. Jahrgang. Dritte Beilage M M 5 des «Israelit". Leitender Artikel. -e Worte -san der Bahre von Selig Got-schmidt, gesprochen von Direktor Dr. Mendel Hirsch. In wenigen Wochen werden es acht Jahre, daß wir die Hülle einer edlen Frau hier hinaus geleiteten, deren Charakterbild und Lebensinhalt ich damals in die zwei Worte zusammenfaßte: un0 als ich geendet, dankte mir ihr Mann mit langem, stummem Händedruck und sagte mir später, wahrer und treuer hätte ich das Bild seiner Frau nicht zeichnen können, als mit diesen beiden Worten. Und nun stehen wir an s e i n e r Bahre und in einigen Augenblicken folgen wir seiner Hülle hinüber zu der Stätte, die er sich Vorbehalten, neben seinerGattin der treuen Stütze seines Lebens, und neben dem großen Manne, der seines Lebens Leitstern mar bis ans Ziel. Und in den Worten: TOin W ist auch seines großen reichen Lebens Inhalt gegeben, „ich war glücklich in dem Glücke, das ich andern bereitete." — Im Namen seiner Anstalt, die das Fundament unsrer Gemeinde ist, die in dem Geiste ihres großen Gründers nach dem Grundsätze geleitet wird: pix -j-n uv min rs' daß wir auch die allgemeine Bildung zu pflegen haben, nicht obgleich, sondern weil wir orthodoxe Juden sind, und weil unsere Kinder in unserer Zeit und in unserem Lande nur dann als gesetzestreue Juden und Jüdinnen ihre jüdische Aufgabe voll und ganz erfüllen können, wenn sie auf der Culturhöhe ihrer Zeit stehen, jener Schule, die der Volksmund instinctiv richtig als die „H irsch isch e Schule" bezeichnet, also im Namen der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft lege ich den Tribut der Huldigung und des Dankes an der Bahre des verehrten Mannes weder, der dieser Anstalt so reiche Förderung und Unterstützung sein Leben lang zugewandt hat, der mit hellem Blicke ihre Wichtigkeit erkannte und dem von ihr gepflegten Geiste aufs innigste zugethan war. Sodann im Namen seines jüngsten theuersten Kindes, jener Schöpfung, der er mit jeder Fiber seines Wesens anhing, und die er förderte mit aller jener Energie, die ihn kennzächnete, der er eine so herrliche Heimstätte erbaut hat, für die er unablässig sorgte und wirkte: im Namen der Israelitischen Volksschule habe ich an seiner Bahre den Gefühlen innigsten Dankes und tiefster Trauer Ausdruck zu geben. Unter den zahllosen Herzen, die in weiten, weilen Kreisen trauernd mit uns im gemeinsamen Schmerze sich vereinigen, all den Kreisen, denen er in schweren Zeiten Stütze gewesen, die bei jeder Noth u. Sorge Beruhigung empfanden bei dem Gedanken an ihn, unter allen, denen vor dieser Stunde gebangt und für seine Erhaltung gebetet haben, unter all denen, die von heißem Dankgefühl für die Bergan g e n h e i t und voll Sorge in die Zukunft blicken, die in ihm den Annehmer und Förderer und Freund und Vater verloren, steht keine Anstalt von tieferer Trauer, von heißerem Schmerze ergriffen und zugleich von innigerem Danke und tieferer Verehrung erfüllt an seiner Bahre, als die Israelitische Volksschule. Ihm, seinem rastlosen Wirken, verdankt sie alles. In dem trefflichen Schulhause, daß er für sie errichtet hat, hat er sich und seiner Gattin die herrlichste nuso gesetzt. Wie freute er sich mit den Kindern, jedes Einzelne stand ihm nahe. Wie glücklich war er in ihren munteren Kreisen, bei den schönen Festen, die er im Sommer im Waldesgrün und im Winter am Cha- Selig Gotdschmidt. Geb. 1827, gest. 1896,