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Der Israelit · 1896-01-16 · Heft 5 (16.1.1896) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 5 (16.1.1896)
Date
1896-01-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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". UJl1.!1 "11 iJJ.L'JL . [.IR .' .UHJ1 1 J ...!. >>>>.>.I.'LWI M >1 ■!, 'I I'.J, . H1"1. .!■ J■ pg 100 war, trat an Pardubitzer heran und erinnerte ihn daran/ wie er ihn einst am Friedhofe, in der Nähe der Grabesstütte seines Großvaters, Reb Henoch Pardubitzer in der Kleidung eines Fleischerknechtes in tiefster Traurigkeit versunken angetroffen, wie ihn schon damals sein edles Wesen und seine gebildete Sprachweise überraschte, und sagte ihm, wie sehr er sich freue,' daß sein herzlich gemeinter Wunsch, Gott möge ihn drhören und beglücken in Erfüllung gegangen, und er ihn in so günstig veränderten Verhältnissen von Jedermann nach Verdienst hochgeehrt, wiedersehe. Primator Israel Brandeis hatte an dem Hochzeitstage seiner Tochter die Armen nicht nur mit Geldgeschenken reichlich bedacht, sondern auch in einem Nebengebäude seines Hauses zahlreiche Arme, Männer und Frauen, in splendidester Weise bewirthet. Gleich nach dem Ableben des schwedischen Obersten Tarnowftröm, hatte Graf Conti, der nach dem Abzüge der Schweden die Oberkommandatur der Spitäler übernommen, dem Primator die Mittheilung gemacht, der Oberst habe ihm ein rechtsgiltig verfaßtes Testament übergeben, in welchem er die Mainzer Judenschaft zur Erbin seines Vermögens, das in einem Landgute in Schweden bestand, einsetzte. Graf Conti wußte nicht, was er mit dem in seinen Händen befindlichen Schriftstücke thun sollte. Der Primator rieth ihm das Vernünftigste was sich in dieser Angelegenheit thun ließ: Der Graf sollte das Testament und den Todtenschein des Obersten, durch die schwedische Gesandtschaft in Wien, (die nach der Unterfertigung des Osnabrücker Friedentraktates rasch reactivirt werden mußte, weil sich bei den Ausführungen der einzelnen Bestimmungen auseinander gehende Ansichten ergaben, die auf diplomatischem Wege ausgeglichen werden mußten) behufs Uebermittelung an die zuständigen, schwedischen Gerichte einsenden. Doch ließ der Primator auch eine von den böhmischen Gerichten beglaubigte Testamentsabschrift anfertigen, welche er an die Mainzer Gemeinde sandte, damit diese, wenn möglich, ihre Rechte gehörigen Ortes geltend machen könne; aber alle Bemühungen waren vergeblich. Die schwedischen Gerichte betrachteten die letztwillige Anordnung des Verstorbenen als gar nicht bestehend, eine submisse Anfrage der Mainzer Judenschaft wurde nicht beantwortet, und wie man später auf weiten Umwegen erfuhr, hatte der schwedische Staat die Hinterlassenschaft des ohne gesetzlichen Erben verstorbenen Obersten Tarnowftröm eingezogen. Der Primator Israel Brandeis, der sich schon lange nicht mit dem großen Handlungsgeschäfte, das ihm gemeinschaftlich mit seinem Schwager gehörte, beschäftigt und die Leitung desselben Hillel Utiz überlaffen hatte, trat nun gäuzlich aus demselben und David Pardubitzer trat an seine Stelle. Allein nachdem sich dieser, einer alten Kaufmannsfirma entstammend, dem die Unterlage für das Merkantilwesen angeerbt war, in seinem neuen Berufe rasch eingelebt hatte, zog sich auch Utiz — um ausschließlich nur seinen Ehrenämtern und der Erfüllung religiöser Pflichten und Wohlthätigkeitsakten leben zu können — von dem Geschäfte zurück und Pardubitzer wurde alleiniger Chef des großen Handlungshauses, das auch unter seiner Leitung in höchster Blüthe stand und sich in der kaufmännischen Welt, der höchsten Ehren, des unbeschränktesten Vertrauens erfreute. Das junge Ehepaar wohnte zuerst im Hause des Primators; als aber Miriam ihren Gatten mit mehreren Kindern beschenkte, und auch Malke Brandeis in ihrem vierzigsten Lebensjahre noch einem Knaben das Leben gab, ward Brandeis Haus für beide Familien zu klein und Pardubitzer kaufte das der Klaussynagoge gegenüberliegende Haus, das einst seinem Vater gehörte, in welchem er bis zur Abreise seines Vaters eine glückliche Jugend verlebt und das er einige Jahre zuvor mit äußerstem Widerwillen, nur weil er keine andere Wohnung zu finden vermochte, als unglücklicher, vereinsamter, verzweifelnder Mann betreten hatte und in das er nun als reicher, hochgeachteter Mann, glücklicher Gatte und Vater frohen Herzens von Dankbarkeit gegen Gott erfüllt, einzog. — Er verwendete das ganze Haus für sich, nur jene Zimmer, welche Feisch Katz und seine Frau bewohnten, überließ er diesen — selbstverständlich unentgeltlich — zu lebenslänglicher Benutzung. Was die übrigen Personen unserer Erzählung betrifft, starb der Primator und Rosch-Bes-Din Israel Brandeis im Jahre 1661, tief betrauert, nicht nur von den Seinen, sondern von der ganzen Gemeinde; seine treue Gattin konnte seinen Verlust nicht lange überleben und folgte ihm bald im Tode nach. Reb Hillel Utitz war schon ein Jahr früher aus dem Leben geschieden. Die Familie Brandeis hat sich bis auf die Gegenwart erhalten und hat viele hervorragende Männer aufzuweisen. Ein Urenkel von Israel Brandeis, Rabbi Mosche Brandeis, war Rabbiner in Mainz, deffen Sohn Rabbi Bezalel war Rabbiner in Jungbunzlau in Böhmen und deffen Abkömmlinge nehmen noch heute ehrenvolle Stellungen ein. 1 * * 4) 1) Auch meine Gattin, Regine Kohn, geborene JeittelkS und deren Geschwister sind DeScendenten dieser Musterfamilte. Mein Schwiegervater, Herr Apotheker Benjamin JeitteleS war mutterseitS «in Abkömmling des Jungbunzlauer Rabbiners Bezalel Brandeis, dessen jüdischen Flamen er auch trug. Im Besitze meiner Frau befindet sich noch der silberne Pokal, den der Mainzer Rabbiner, Rabbi Mosche DrandeiS, seinem Sohn Bezalel zu seiner Antritt! rede als Jungbunzlauer Rabbiner am 25. Av 514 der indischen kleinen, 1744 der üblichen Zeitrechnung, schenkte. Der Berfasser. (Fortsetzung folgt.) I

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