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Der Israelit · 1896-01-13 · Heft 4 (13.1.1896) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 4 (13.1.1896)
Date
1896-01-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 AhlwardL'S in Newyork nur 200 Personen eingefunden; der Eintrittspreis betrug 50 Cents, die Saalmiethe aber 250 Dollars. Ahlwardt hatte also ein ganz gehöriges Defizit. In Brooklyn ging es ihm, der Magdeburger Zeitung zufolge noch schlechter, da er überhaupt keinen Saal bekommen konnte. In Jersey City erhielt er zwar einen Saal, aber, obgleich er den Eintrittspreis auf 25 Cents herabsetzte, fanden sich im Ganzen nur 125 Personen ein. Ahlwardt hatte eine große Rundreise nach dem Westen angekündigt, aber aus ihr kann nichts werden, da er kein Reisegeld besitzt. Jetzt hat der Rektor a. D. mittheilen lassen, daß er vorläufig in New-Aork bleiben und erst nach Gründung der antisemitischen Organisation nach dem Westen abreisen werde. Damit hat es aber gute Wege. Palästina. (v) Jerusalem, 26. Dez. Die -uropäischen Blätter sind jetzt voll mit Allarm- und Schreckensnachrichten aus dem türkischen Reiche, das in allen seinen Fugen zu krachen scheint und ein Tummelplatz rauflustiger Menschen geworden ist. Diese Zuckungen des osmanischen Reiches werden auch hier in der heiligen Stadt verspürt, denn Einer mißtraut dem Andern und am Abend fragen wir ängstlich, was wird uns der nächste Morgen bringen. Einstweilen haben wir Israeliten hier uns weder über unsere mohamedanischen noch über unsere christlichen Mitbürger zu beklagen, und verdanken wir dies den Vorsichtsmaßregeln, welche unser Vali (Gouverneur) getroffen hat. Derselbe wurde nämlich vom Sultan daraus aufmerksam gemacht, day er strenge Rechenschaft von ihm fordern werde, falls hier oder sonst im heiligen Lande eine Unordnung vorfallen oder ein Tropfen Blut vergossen werden sollte. In Folge dessen verdoppelte der Vali die Wachen hier, und forderte er zugleich die Chefs sämmtlicher religiöser Gemeinden hier auf, auf ihre Glaubensgenossen im friedlichen Sinne einzuwirken und ste eindrtngltchst zu ermahnen, den religiösen Frieden hier nicht zu stören. Auch die hier refidirenden fremden Consuln richteten ähnliche Ermahnungen an ihre Schutzbefohlenen. Armenier und Türken ballen zwar ihre Fäuste, wenn sie sich begegnen, aber dieselben zum Dreinhanen zu benützen, das wagen sie doch nicht. Obwohl die Pforte einen großen Theil der hiesigen Garnison nach Armenien beordert hat, so werden doch täglich die Wachen an den den Moslims und den Christen heiligen Stätten gehörig bezogen. Auch die Zaptiehs (Polizeiwachmänner)In; den verschiedenen Vierteln wurden bedeutend ^verstärkt. ^Zugleich hat der Vali das Röthige verfügt, damit die Lebensmittelzufuhr aus^dem transjordanischen Gebiete (Moab, Amon und Gilead) keine Unterbrechung erleide und so keinen Anlaß zu Ruhestörungen gebe. Schließlich trägt der Vali, wie allgemein versichert wird, in seiner Rocktasche einen kaiserlichen Ferman herum, der ihn ermächtigt, jeden Augenblick, sobald sich nur ein beunruhigendes Symptom zeigt, den Belagerungszustand über die heil. Stadt oder jeden andern Bezirk des heil. Landes zu verhängen. Literarische Notiz. Vor einigen Wochen wurde im „Israelit" die Frage nach dem Ursprünge der Worte mano nya» ntPD bv unj “pno aufgeworfen. Dieser genaue Wortlaut konnte bisher in einer älteren Quelle nicht nachgewiesen werden. Dagegen verweist H. König shöfer, Frankfurt a. M. auf 'a nun© ->"tsv wo es heißt: i'D *pn^ nan w mio 'di und auf apjp zu St., wo dann in Erklärung der Mtdraschstelle die Worte 'd maio rrrarn gebraucht werden vermischtes. Usch, im Januar. Die hiesige Synagogengemeinde ist beim Besuch des Gottesdienstes angenehm überrascht worden. Der Sohn des hiesigen Kaufmanns Wilhelm Meier, welcher in Stuttgart die Baukunst erlernt und das Examen als Bauführer bestanden, hat seiner Vaterstadt zwei Gedenktafeln verehrt. In der Mitte derselben befindet sich auf schwarzem Grunde mit großen Buchstaben das Gebet für das Kaiserliche Haus, umgeben von beiden Gesetztafeln mit dem Adler, im oberen Felde die Worte: „Gott schütze unfern Kaiser und se n Reich", im untern Felde die Inschrift: „Mit Gott für König und Vaterland", gewidmet von Max Meier mit den Jahreszahlen 1870 und 1895. Die ganze Zeichnung von dem jungen Künstler ist eine wohlgelungene. Zur Erinnernng an das 25jährige Kriegsjubiläum hat nun der Vater, Herr Kaufmann Wilhelm Meier, langjähriger Synagogenvorstand die beiden Tafeln mit einem prachtvollen Goldrahmen verzieren lasten nnd sie der Synagoge zum Eigenthum übergeben. Dieselben machen einen wohlthuenden Eindruck, sind eine Zierde des Gotteshauses und geben Zeugniß von der Vaterlandsliebe und Geschicklichkeit des genialen Künstlers, dem noch eine große Zukunft bevorsteht. N eder-LVeisel, 7. Januar. Um den Tag der vor einem Jahre erfolgten Gründung der hiesigen Chevra-Achawa festlich zu begehen, beschloß man vor einiger Zeit in betheiligten Kreisen die Veranstaltung eines Festessens und fand solches am ersten Tage Chanukka, dem Gründungstage obenbenannten Vereines, statt. Die Feier begann Abends mit einer schwungvollen Begrüßungsrede des Vorstandes Herrn Löwenstein, hieran reihte sich ein mit großem Beifall aufgenommener Vortrag unseres verehrten Lehrers Herrn Heinemann, bezugnehmend auf die Feier des Tages. Toaste in Poesie und Prosa, wechselten während des Festmahles ab und die Stimmung war eine sehr animirte. Zum Schlüsse wurde die Ehre des Vortrags des Tischgebets verkauft, wobei der Betrag von Mk. 25 erzielt wurde, Mk. 15 für einen hiefigen wohlthätigen Zweck und Mk. l0 wurden dem .Israelit' zur Weiterbeförderung an unsere armen Glaubensbrüder nach Palästina übersandt. Isidor Krämer.

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