Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 4 (13.1.1896)
- Date
- 1896-01-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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68 „Von allen semitischen Völkern", sagt in diesem; Sinne Dittes in seiner „Geschichte der Erziehung und des Unterrichts", „sind nur die Israeliten, die die Menschenrechte des Kindes anerkannten, das einzige wahrhaft pädagogische Volk. Sie allein stehen noch heute als lebendiger Zweig dieses alten Stammes inmitten der großen Vmkerfamilte; Jahrtausende hindurch, unter ägyptischer, babylonischer, persischer, macedonischer, syrischer und römischer Knechtschaft, unter den Verfolgungen durch Heiden, Christen und Mohammedaner, unter dem Drucke harter Gesetze, unter der Verachtung der Nationen unter der aussaugenden und entwürdigenden Staatskunst der Regenten haben sie ihr Eigenleben bis auf diesen Tag behauptet; ihre Freiheit, ihre Rechte ihre Arbeit, ihre Ex.ftenz standen fast immer und überall in Frage; ihr Vaterland, fast auch ihre Sprache haben sie verloren; aber ihr Blut, ihren Charakter, ihr Selbstgefühl, ihren Nationalstolz, ihren Glauben haben sie bewahrt. Wenn irgend ein Volk auf dem weiten Erdenrunde, so haben die Israeliten bewiesen, welche Macht einer consiquenten Erziehung eigen ist. Denn nur aus der systematischen Fortpflanzung des Judenthums von Geschlecht zu Geschlecht ist die beispiellose Zähigkeit und Dauer desselben begreiflich. Aber nicht die Starrheit des Chlnesenthums. sondern die individuelle Selbstständigktir und Eutwick-ungsfreiheit ist das Lebens- und Erz'ehungsprinzip der Israeliten." Deshalb haben wir Juden doppelte und dreifache Veranlassung an dem Gedächtmßtage Pcftalozze's das wunderbare Walten der Vorsehung zu feiern, welche durch diesen Genius der Menschenliebe und der Menschenbildung ihm selber unbewußt jüd sche Gedanken und Anschauungen in den Schoß der Zeiten streuen ließ und mit heiterer Zuversicht der Zeit entgegen zu sehen, in welcher es einst dieser Saat von Gott gesäet beschieden sein wird, am Tage der Garben zu reifen. Auch wenn es uns nicht vergönnt sein sollte dresen Tag zu erleben, so lehrt uns doch die Huldigung, welche die Welt heute Pestalozzi entgegenbringt, das Glück in seiner ganzen G.öße zu begreifen, wenigstens zu den Säelmten zählen zu dürfen. ZeirrrngSnachrichte« «uv Gorresporrdenze« Deutschland. Berlin, 10. Jan. Der „Reichs-Anzeiger" meldet: Dre Königliche Akademie der Wissenschaften hat die Herren De. William Huggins, F. E S. 2c. in London, und Maurice Loewy in Paris, Membre de Flnstitut, zu korrcspondternden Mitgliedern der physikausch-mathematischen Klasse gewählt. Berlin, 12. Jan. In der letzten Repräsentantensitzung berichtete Herr Leonhard Sachs über eine Zuwendung des Herrn Heinrich Neumann in W esbaden in Höhe von 70,000 Mark an das Reichenheimsche Waisenhaus. Nach der Bestimmung des Geschenkgebers sollen die Zinsen bet seinen Lebzeiten an ihn selbst gezahlt werden; nach seinem Tode sollen die Zinsen zu Gunsten entlassener Zöglinge verwendet werden. Die Versammlung erklärt sich mit der Annahme dieser Schenkung einverstanden. Auch die verstorbene Wittwe Ltffauer hat der Gemeinde 20.000 Mark vermacht zu wohlthätigen Zwecken ohne nähere Bestimmungen. Die Finanzkommtssion, Referent Herr Louis Sachs, schlägt vor, diese Summe der Gemeindeverwaltung als besondere Stiftnng zu überweisen mit der Maßnahme, die Zinsen für die laufende Etatsperiode der Waisenhauskommission zu überweisen, im Übrigen aber bezüglich ihrer Verwendung vor Ablauf jeder Etatsperiode zu beschließen. Der Vorstand hatte vorgeschlagen, das Kapital gänzlich der Waisenkommission zur B rfügung zu stellen, und nur für die ersten drei Jahren die Hälfte der Zinsen dem Siechenhause zu überweisen. — Im Verlauf der Erörterung acccptirt jedoch der Vorstand den Antrag des Finanzausschusfts, welcher einstimmig angenommen wird. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 6. Jan. Die „Deutsche Zeitung" schreibt: „Von der gelammten Wiener Press, wird bei Besprechung d s Falles Hammerstein coniequent verschwiegen, daß Hammerstein jüdscher Herkunft ist. Wir haben schon vor Monaten diesen Umstand heivorgehoben, und die österreichische sowohl, wie die reichsdeutsche Judenpreffe hütete sich wohlweislich, dieser Meldung entgegenzutreten." N emand hat diese Lüge ernst genommen. Das Geschlecht der Hammersteine war nach Brockhaus ursprünglich am Nrederrhein, später in Hannover, Mecklenburg-Schwerin, O sterreich u. s. w. ansässig. Die alten Burggrafen v. Hammerstein residirten auf einem den Rhein beherrschenden F:lsen, gegenüber von Andernach. Ein Graf Otto v. iÖfcYftismfttln tont Vm Xi. Jahrhundert Gaugras d:s Wetter- und Engergaues. Ec lebte mit Irmgard Gräfin v. Jeringen in einer nach damaligen Begrifft» wegen zu naher Verwandtschaft verbotenen Ehe, weßyalb Kaiser Heinrich II. die Trennung der Ehe verlangte, und da der Graf sich nicht fügte, die Burg belagerte und nach langer Gegenwehr auch eroberte. Diesen Stoff hat Wilbrandt in seinem Trauerspiel „Graf von Hammerstein" behandelt. Der emiritirte Chef der „Kreuzzeitung", Wil-