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Der Israelit · 1896-01-13 · Heft 4 (13.1.1896) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 4 (13.1.1896)
Date
1896-01-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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WWffWMMMLWAM, xxxxn Jahrgang. Der Israelit Ein GenLrat-Hrgan für das orthodore Iudenlhum. B?Früuk?r d»v DZ». LehrNQnrr tti Msrrrz. Montag, den 13- Januar 5636 (1896). Leiteader Artikel. Uestakozzi. Von Bezirksrabbiner Dr. Ehrman« in B a d e n (Schweiz.) II. (Fortsetzung und Schluß.) Die flüchtigen Züge mi§ km Labrn und Wir ken Pestalozzis, dürsten auch für den mit dem großen Lehrer und Erzieher weniger bekannten Leser genügen, um sich das Lebensbild des gefeierten Philantropen zu vergegenwärtigen. Pestalozzi war Lehrer und suchte die Segnungen von Wissen, Erzichunt- und Bildung ins Volk zu tragen. Alle Wissen schaft und Gelehrsamkeit, alle Humanilätsbestrebungen, die sich bis dahin geltend gemacht hatten, waren lediglich den Herren, den Hohen und Bevorzugten zu Gute gekommen. Das Volk selbst ging dabei leer aus. Pestalozzi war aber nicht nur zum Volke hinabgestiegen, sondern er suchte im Volke die Kleinen, Unmündigen, unter diesen die Ver laffensten, die Verwaisten und Hilflosesten auf, um an ihnen die Segnungen einer rationellen, auf die Natur des Kindes gegiündeten Erziehung einer ganzen Welt zu zeigen. — Die Methode, die sein heller Geist und sein liebewarmes Herz dafür erst erfinden mutzte, hat dem Namen Pestalozzis in der Welt der Lehrer und Erzieher die Unsterblichkeit verliehen, für welche die Feier des Tages, an dem derselbe vor 150 Jahren geboren wurde, lautes Zeugnttz ablegt. Wer sich nun in diese Methode Pestalozzischer Erziehungsweisheit vertieft, die heute dem gelammten Volksschulwesen zu Grunde liegt, der macht eine wunderbare Entdeckung. Sowohl in ihren großen Umrissen, als auch fast in jedem einzelnen Zuge, stellt sie sich als die Verkörperung und Wiederbelebung der ArtundWetsedar.nachwelcherseitJahrtausenden bei uns Juden die Kinder unterrichtet, erzogen und gebildet wurden. Es ist dies in so hohem Grade der Fall, daß das Auge des Juden, welches auf den pädagogischen Bestrebungen Pestalozzis prüfend ruht, auf den ersten Blick das Neue, Bedeutsame und Geniale gar nicht zu finden vermag, welches erleuchtete Pädagogen uls Pestalozzis unerschöpfliche Eigenart nicht begeistert genug feiern können. Selbst der unwiderstehliche Reiz, der Persönlichkeit Pestalozzis, mit welcher er allein feine pü-agogischen, von der ganzen Welt angestaunten Wunder vollzog, haben vieles von seiner Eigenart für denjenigen verloren, dem das Leben und Wirken unserer großen Lehrer und Weisen geläufig ist, zu deren Füßen ein ganzes Volk seit Jahrtausenden saß und — sitzt, insofern der Flügelschlag des alten jüdischen Geistes sich noch heute bemerkbar macht. Wie ernst cs Pestalozzi mit seinem Vorsatz war: „Ich will Schulm eister werd en," das hat er wiederholt durch Thaten bewiesen, die allein genügt hätten, um ihm seine Unsterblichkeit zu sichern. Ec hat dieser Idee nicht nur seine Zeit und seine Gesundheit, sondern auch sein ganzes Vermögen geopfert. Aber dieses Opfer, das Pestalozzi zum Märtyrer seiner pädagogischen Mission machte, ist von unseren großen Meistern und Lehrern, an deren Mund wir noch h'.ute hangen, unzählige Male gebracht worden. Zn lernen, zu lehren, das war und ist ja di, Pflicht jedes Inden von dem Augenblick, in welchem das Kmd zu leben anfäugt, bis zur Todesstunde, und diese Pflicht hat ein ganzes Volk mit solch berspieuoscr Hingebung geübt, in der E.füllnng dieser Pflicht gingen ihm besonders seine großen Lehrer mit einem so glorreichen Beispiel voran, daß zu Zeiten, in welchen die geistige Regsamkeit mit Marter und Tod bedroht war, sie den Tod unter Henkershand einem Leben vorzogen, in dem sie nicht länger lehren und lernen konnten. Das Beispiel eines Rabbi Ak-.ba, der sich lieber mit eisernen Kämmen das Fle-.sch vom Leibe reißen ließ, als daß er aufgehört hätte seine Schüler zu unter-

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