Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 3 (9.1.1896)
- Date
- 1896-01-09
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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für das Ärthodoxe MuderrthumÄ lRr 1. 9. Jan.. 1896 ] iEI^ ML kendwerk. ©-=>— Nach einer wahren Begebenheit erzählt von Max SLa. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung und Schluß aus Nr. 101 u. 102.) V. In dem mit der Eleganz und dem Comfort des Reichthumes ausgestatteten Speisezimmer saßen Tags darauf Pickert und seine Frau. Das Mittagsmahl war schon eingenommen und der Kaffee sollte servirt werden. In einem reich mit echten Spitzen besetzten Hauskleide lag Fanny auf dem Ruhebett und schaute träumend zum Plafond empor, während Pickert, eine Cigarre dampfend, mit finstern zusammengezogenen Brauen im Modejournal blätterte. „Teufelswerke sind es", murmelte er ärgerlich, vor sich hin „nur bestimmt, das Eheleben zu vergällen!" So leise diese Worte auch gesprochen waren, das scharfe Gehör seiner Frau hatte sie vernommen. „Wen meinst Du damit, Heinrich? Doch nicht die Modejournale? Es ist wahrhaftig nichts Rechtes darin! Doch die Robe, die ich bet B. ausgestellt sah, die muß ich haben. Bedenke heute über acht Tage findet d:e Soiröe beim Commerzienrath statt und ich kann doch nicht in solcher vornehmen Gesellschaft in einem unmodernen und abgetragenen Kleide erscheinen! Das wirst Du ja nicht wollen? Gelt liebes Männchen?" Während sie dieses sprach, erhob sie sich aus ihrer Lage, schlich an ihren Mann heran, legte ihre schneeweiße schmale Hand auf seine Schulter und blickte ihn bittend mit ihren schönen Augen an. „Aber Fanny", rief Pickert ärgerlich aus, „wie vermagst Du nur von abgetragenen Kleidern zu reden, wo Du fast jeden Monat Dir neue Costüme anfertigen läßt. Soll ich Dir die Summen im Hauptbuche zeigen, die Du jährlich für Deine Toilette verbrauchst? Sie sind so enorm, daß ich Dich ernstlich bitten muß, Dich etwas etnzuschränken." „Aber die Robe, die B. ausgestellt hat. muß ich haben, liebes Männchen, sie ist ein Pariser Meisterstück" schmeichelte Fanny weiter. „Du bist wie ein kleines Kind" versetzte Pickert ärgerlich, „Du wirst auf diese Laune verzichten müssen. Die Zahlen in meinem Hauptbuche sind kein Spielzeug!" „Es ist nicht hübsch von Dir, Heinrich", schmollte die junge Frau, „daß Du immer von den Zahlen Deines Hauptbuches redest! Bedenke das Vermögen rührt von mir her und das Hauptbuch verdankst Du auch mir!" „Ja, ja, das Vermögen rührt von Dir her", lachte Pickert bitter auf, „nur wäre es schon bet Deinem Gebrauch längst aufgezehrt gewesen, wenn uns das Geschäft nicht über dem Wasser halten würde und von diesem muß ich noch obendrein Deinen Vater füttern. Im Uebrigen, da fällt mir was ein. Laß Dir das Kleid von Deinem Vater schenken. Ec soll ja noch über Millionen verfügen, behauptet Silberstein. Ha! ha ha! habe ich mich amüsirt." „Etwas Wahres muß daran sein .... Der Teufel weiß nur wie . . . Ihr verzeiht, daß ich unaufgefordert eintrete, aber Ihr habt mein Anklopfen überhört," entschuldigte sich der eintretende