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Der Israelit · 1896-01-06 · Heft 2 (6.1.1896) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 2 (6.1.1896)
Date
1896-01-06
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX* VII. Jahrgang. Zmeitr Beilage;u M 2 -es „Israelit^. fteitnttq8nadivid)ten mnb Vorrespoudenze» Deutschland. Berlin, 30. Dez. (Zum Religionswechsel.) Der Uebertrilt von Juden zum Christenlhum ist in den letzten Jahren in hohem Maaße erfolgt. Von 1872—79 traten nur ca. 66 Juden jährlich über, 1880 waren es 120, 1888 erreichte die Zahl 348 und in diesem Jahre wird sie 500 übersteigen. Der Hauptar.thei! kommt auf die Retchshauptstadt, und zwar aus den Kreisen der hohen Finanz und der Akademiker. Von letzteren sind es wiederum Juristen und Philologen, die sich, wenn sie auf eine Staatsanstellung reflektiren, bald nach bestandenem Staatsexamen taufen lassen. Einer besonderen Beliebtheit zur Vornahme der Taus-Zeremonie erfreut sich der ehemalige fortschrittliche Reichstags-Abgeordnete Prediger Ncßler von der französischen Gemeinde. Andererseits sind im vergangenen Jahre drei Männer und siebzehn Frauen in Berlin zum Judenthum übertreten. Hier war bas Motiv stets — Heirath. Die Aufnahme in das Judenthum vollzog meistenthetls Prediger Dr. Lewin von der Reform-Gemeinde. Nicht ohne Einfluß auf die Taufen ist der vor zwei Jahren ergangene Erlaß des damaligen Ministers des Innern. Grasen Eulenburg, an die Regierungs- Präsidenten geblieben, nämlich, daß Namensänderungen von Juden nur ganz ausnahmsweise bei besonders triftlgen Gründen gestatret sein sollen. Dies ist auch im vergangenen Jahre nur zweimal der Fall gewesen. (Volksztg.) O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prag, im Dez. (Vortrag.) Ein mit großer Spannung erwarteter Vortrag des Schriftstellers Herrn S. Kohn fand im Verein „Afike Jehuda" statt. Der Saal war lange vor der festgesetzten Zeit bis auf das letzte Plätzchen von einem dfftinguirten Auditorium, worunter sich besonders zahlreiche Damen befanden, gefüllt. Mit lobenswerther Pünktlichkeit betrat Herr Kohn von lautem Beifalle begrüßt um 7 Uhr das Podium um „Bilder aus längstvergangener Zeit" vor die Seele der Hörer zu zaubern. Wie zu vermuthen war, stellten diese Bilder die Scenerie zu den vortrefflichen Ghettogeschtchten Kohns dar und wir warfen Blicke in das Ghetto und sein Leben bet einer Beleuchtung, die plastisch die Gestalten und das Treiben dieser eigenthümlichen mittelalterlichen Welt vom trefflich gemalten Hintergründe sich abheben ließ. Das Frankfurter, das Nikolsbarger, oas Wiener und insbesondere das Prager Ghetto wurden in ihren historisch bedeutsamsten Momenten geschildert. Von ganz vortrefflicher Wirkung war namentlich die Vorführung des politischen, gesellschaftlichen und religiösen Lebens der Juden in dem „fünften" Hauptviertel Prags und verstand es der Vortragende dieser traurigen Erscheinung der Vergangenheit freundliche und gemüryliche Seiten abzugewtnnen. Reicher Be fall belohnte Herrn Kohn, der zu seiner über eine Stunde währender, mit jugendlicher Frische vorgetragenen spannenden Vorlesung warm beglückwünsch: wurde. Unter den Anwesenden bemerkten wir u. A. auch die Prager Rabbiner mit ihren Damen. Ble«nyes. Der hiesige Rabbiner R. Oser Großberg ist nach langem Leiden in ein besseres Jenseits übergegangen. Das Ableben dieses gelehrten und frommen Mannes bedeutet einen schweren Verlust für seine Gemeinde und für das orthod. Judenihum. — Gestern haben wir ihn zar ewigen Ruhe geleitet, den schlichten und doch erhabenen. den zurückgezogenen und doch weit und breit gekannten Mann! Die ganze Gegend strömte heran zur Beerdigung; viele Gemeinden ließen sich durch Deputationen vertreten. Tiefergreisende Trauerreden hielten die Rabbiner aus B.-Ujsalu, Nagyvarao, Budapest und die Söhne und Schwiegersöhne drs Verblichenen. Sämmlliche Redner hoben die große Frömmigkeit, die beispiellose Demurh und die tiefe Gelehrsamkeit des Verewigten hervor. n"3Xjn Oederrbrrrg. Mit besonderer Freude begrüßen wir den wahren nwn mp, der durch eine soeben erschienene, von einigen Oedenburger rechtgläubigen Juden verfaßte Broschüre hervorgernfen wurde. Diese Schrift, "imV ny betitelt, in rein deutscher Sprache gehalten, ein wahres Meisterwerk an Form und Inhalt, bildet eine Entgegnung auf zwei Predigten des dortigen Fortschritts-Rabbiners Dr.. Max Pollak. Dieser Herr Dr, seit einer ganz kurzen Zeit im Amte, fand es für gut im Tempel seiner Gemeinde am Rosch-Haschana zwei Predigten zu halten, für die manche Tribüne der Wiener Vorstädte die dankbare Stätte wäre. Der Herr Dr. schmähte das rechtgläubige Judenthum in rüdester Weise; verspottete und verletzte die Orthodoxie in einen Styl, welchen zuwtedergeben sich die Feder sträubt. Der Herr Prediger begnügte sich aber nicht

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