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Der Israelit · 1896-01-06 · Heft 2 (6.1.1896) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 2 (6.1.1896)
Date
1896-01-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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MWMMMMW 30 der Israeliten das ergebenste Gesuch, ein Schulgebetbuch (d. h. ein Gebetbuch, dessen Inhalt vollständig in der Religionsschule zu lehren ist) ausarbeiten zu lasten, welches nach Form und Inhalt den religiösen Anschauungen der Jetztzeit entspricht, und die Einführung desselben als obligatorischen Lehrbuches in allen Schulen des Landes anzuordnen." Angesichts dieser Resolutionen ist mein Mund von so vielen Fragen angefüllt, daß ich nicht weiß, mit welcher ich zuerst beginnen soll. Brauchen wir für unsere Kleinen ein anderes Schulgebetbuch, als unsere Kindertefilla, welche nicht nur Schulsondern auch Synagogengebetbuch ist und, aus welchem je nach der verfügbaren Zeit und nach Umständen eine kleinere oder größere Auswahl von Stücken und das im günstigsten Falle ganz übersetzt werden soll? Ist die religiöse Anschauung der Zeitmode unterworfen, die nach Belieben geändert werden kann? Nein, unsere religiöse Anschauung, der Thora entnommen, ist wie diese dauernd, unvergänglich und ohne Wechsel. Leset Ihr Herren Lehrer, die einschlägige Literatur und Ihr werdet zu der Uederzeugung gelangen, daß nichts aus dem Gebetbuch gestrichen werden darf, daß Alles wohlüberlegt vor gottbegeisterten Männern in das Gebetbuch ausgenommen worden ist und daß diese Gebete seit Jahrtausenden so feststehen, wie sie heute noch sind. Ich zweifle keinen Augenblick, daß die überaus große Mehrzahl der isr., Gemeinden des Landes gegen die oben bezetchnete Resolution resp. deren Ausführung Protest erheben wird. Wenden wir uns freudiger zu dem Ergebnis der Conferenzverhandlungen des Bezirkes Bruchsal. Wohl hat auch hier ein Lehrer den Werth und die Nothwendigkeit des Pentateuch-Uebersetzens in Frage gestellt, (?) und größeres Gewicht aus bibl. Geschichte und systematische Religionslehre gelegt. Für diese sei das Kindesgemüth empfänglicher, als für den schwierigen, ermüdenden und zumeist unfruchtbaren Unterricht im Uebersetzen des Pentateuch. Wem fällt hier nicht Till Eulenspiegel ein, welcher den logischen Schluß faßte: Wenn man schon auf einer Feder nicht gut liegt, um wieviel weniger auf vielen Federn. Dieser Ansicht gegenüber wurde in der Diskussion darauf hingewtesen, daß der Religionsunterricht mehr sei, als die Lehre einer trockenen Moral für die niederen Bolkskretse, daß er unsere Weltanschauung und unseren Glauben, die Geschichte unserer Väter, unsere Pflichten und unsere Bestimmung uns zu lehren habe. Die Urquelle dafür sei der Pentateuch, dessen dem Kinde verständlicher Theil in der Sprache, in der er geschrieben ist und beim Gottesdienste verlesen wird, zu unterrichten und dadurch die Schüler für ihre späteren religiösen Aufgaben vorzubereiten seien. Ebenso wurde nahezu übereinstimmend, in Abrede gestellt, daß der Unterricht im Pentateuch ein besonders schwieriger, ermüdender und zumeist unfruchtbarer sei. Bei einigermaßen aufmerksamer Ertheilung desselben sei ein eifriges, lebendiges Interesse der Kinder unschwer zu erzielen. Wrr rufen der Conferenz ein pdk'. Pin zu! Je in Bühl, Breiten und Mosbach-Merchtngen-Werrheim sind die Conferenzen und ihre in guter Leitung gestandenen Verhandlungen in sachgemäßer Weise ohne Schwierigkeiten verlaufen. Rußland. Petersburg, 24. Dez. (Ein rein jüdisches „Regierungsgymnasium") in Warschau ist die neueste Idee der Israeliten in Rußland. Einer Blättermeldung zufolge haben hervorragende Vertreter der jüdischen Kaufmannschaft ein Gesuch um eine solche Anstalt an das Ministerium für Volksaufklärung gerichtet. Von den Bittstellern sei für das neue Institut deswegen die Hauptstadt Polens auserkoren, weil in diesem Lande die Juden am stärksten vertreten seien. In Anbetracht der Thatsache, welche auch von der Presse hervorgehoben wird, daß in ganz Rußland einstweilen die jüdische Jugend nur in einer geringen, nach der Gesammtzahl der Schüler sich prozentualiter richtenden Zahl in den Lehranstalten ausgenommen werden dürfen, erscheint der Schritt der Petenten leider aussichtslos. Bulgarien. (Z.) Philippopel, im Dez. In Folge der großen Stetigkeiten, die seit einiger Zeit in unserer Gemeinde herrschten und die Parteien ungemein erbitterten, konnten die neuen Vorstandswahlen nicht vorgenommen werden, wodurch unsere religiösen Institutionen ungemein litten. Da ermannte sich endlich unser Oberrabbiner Rabbi Ezra Ben Aroye und richtete in einer Derascha (Predigt) einen warmen Appell an die Gemeindemttglieder, und ermahnte sie, alle Streitigkeiten doch beiseite zulasten, und einen neuenVorflaud zu wählen, damit das religiöse Leben hier seinen ruhigen Fortgang nehme. Die Worte machten hier einen großen Eindruck, und traten auch sogleich unsere Gemeindemitglieder zusammen, und wählten einen neuen Vorstand. Leider fehlt dem Vorstehercollegium das Oberhaupt oder der Präsident, denn der auf diesen Ehrenposten berufene Advocat PressiadoJahir Romano erklärt, daß seine zahlreichen Beschäftigungen ihm nicht gestatten, die oberste Leitung der Gemeinde in seine Hand zu nehmen. Der Vorstand wird daher nächstens zur Wahl eines neuen Vorsitzenden schreiten müssen. Vor einigen Tagen ist die Maritza hier ausgetreten, und hat auch in unserem Judenviertel eine Ueberschwemmung verursacht. Nicht weniger als sechzig Judenhäuser standen plötz-

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