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Der Israelit · 1896-01-02 · Heft 1 (2.1.1896) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
37 (1896)
Issue
Heft 1 (2.1.1896)
Date
1896-01-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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18 Oefteren aufgeführt, und in einer Versammlung dieser Frauen ist auch ein Volksschullehrer aufgetreten, der eine sehr bemerkenswerthe Anregung gegeben hat. Dr. Lueger hatte nämlich ausgeführt, die Frauen seien zur Thcilnahme an der politischen Bewegung berufen, denn sie seien ja an Allem interessirt, unter Anderem auch daran, daß in den Schulen ihre Kinder nicht mit den jüdischen Kindern beisammen sitzen. Da meldete sich nun der Volksschullehrer Brake zum Wort, und wir finden über sein Auftreten in den Berichten der Antisemitenblätter das nachstehende Referat: „Herr Brake drückt als Lehrer seine Freude über die bezüglich der Schule gehörten Worte aus. Er spricht den Wunsch aus, jede Mutter möge ihr Kind vor das Bild Lueger's führen und es daran erinnern, daß Lueger das Volt liebt und ein ehrlicher Volksmann ist, dessen Charakter ein Vorbild für das Kind sein soll." Wir sehen also einen an einer öffentlichen Schule in Wien angestellten Lehrer, der nicht blos für die confessionelle Schule eintrttt, sondern auch seinerseits die vielcitirte „Volksseele" schon durch Einweihung der Kinder in den Charakter des Dr. Lueger, dieser Personification des confessionellen Haffes und der wüthenden Verfolgung Andersgläubiger und Andersdenkender, von Kindesbeinen an heranbilden will. Bndapeft, 28. Dez. Vor Kurzem berichteten die klerikalen Blätter und danach auch liberale, wie z. B. die „N. f. Presse" in Wien und viele andere, der Rabbiner von Trestina (Arver Comitat) habe sich laufen lassen. Vor Rausch Haschonoh kam nach Also Kubin ein russischer „Aurach" und suchte eine Hilfsvorbetestelle für R. Haschonoh und Jaum Kippur. Der Chasan von Also Kubin lud den armen Mann zum Essen ein. Dort gestand dieser, er sei vor vielen Jahren griechisch-katholisch getauft, wolle aber aufrichtig „Tschuvoh thun." Er hoffte, dadurch eher eine Htlfs-Chasanstelle zu bekommen. Als es aber hiermit nichts war, ging er zum römischkatholischen Pfarrer von Also Kubin und bot seine Seele an. Dieser hatte keine Verwendung für eine bereits jüdisch und griechisch-katholisch abgetragene Seele. Derselben Ansicht war der kathol. Pfarrer von Jaszinove. Auch er wollte nichts von der Sache wiffen. Da zog der tapfere Schnorrer nach Treßtina und der Pfarrer nahm ihn mit offenen Armen auf und es wurde auSposaunt, daß ein „Rabbiner" (!) sich habe taufen lassen. Vielleicht thut er nächstes Jahr wieder ll'solmvob um Elul herum. Dieses Jahr hieß er nach seinen Schnorrpapieren Joachim Besser. Wie er nächstes Jahr heißt, kann er selbst jetzt noch nicht wissen. Unbekannte Personen soll man nicht zu Cultusfunctionen zulaffen, denn wer kann sagen, wie oft einer schon getauft ist und Tschuvoh gethan hat. Das ist die Geschichte vom getauften Rabbiner. Ans Mähren. Vor Kurzem meldeten Zeitungen die Ernennung des Doctor Siegfried Weiß zum Dtrcctor der Landesirrenanstalt in Mbs (Nieder- Oesterreich). Diese Ernennung eines Juden in einem Kronlande, dessen Landesvertretung gewiß nicht der Majorität nach philosemitisch zu sein vorgibt, hat in Mähren umso größere Sensation erregt, als in den Kreisen der mährischen Judenschaft die Erregung über die Besetzung der Directorstelle in der Brünner Landesirrenanstalt noch immer eine sehr lebhafte ist. Es muß hervorgehoben werden, daß der niederösterreichische Landesausschuß, obwohl derselbe wiederholt im Landtage wegen Besetzung ärztlicher Stellen mit Juden auf das Heftigste angegriffen wurde, dennoch nach dem Grundsätze der Gerechtigkeit, unbekümmert um etwaiges Gekläffe der Antisemiten, handelte und den rangältesten Primararzt ungeachtet dessen, daß er Jude ist, zum Director beförderte. Vermischtes. Stuttgart, 22. Dez. (Israel. Jünglings-Verein.) Vorletzte Woche, Abends, veranstaltete der Verein im Saale des Europäischen Hofes seine Chanukkafeier, welche unter zahlreicher Betheiligung von Mitgliedern und Freunden des Vereins äußerst gelungen verlief. Nach einer Begrüßungsrede durch den Vorstand Herrn M. Michelbacher ergriff Herr Kirchenrath Dr. Kroner das Wort, um in einem herrlichen Vortrag die Bedeutung des Weihefestes klar zu legen. Mit ungetheilter Aufmerksamkeit folgten alle Anwesenden der belehrenden und zugleich in heiteren Worten zur Sprache gebrachten Rede, d'e nicht verfehlte, einen liefen Eindruck in den Herzen der Zuhörer zu hinterlassen. Herzlichen Dank für die genußreiche Stunde gab sich durch warmen Beifall zu erkennen. Einen weiteren Beitrag zur geselligen Unterhaltung lieferten noch die Damen Bär und die Herrn Cohn, Schwabacher, Heilbronner, Meyer und Lesser durch gesangliche und deklamatorische Vorträge. Der Abend wird allen Theilnehmern eine an.enehme Erinnerung sein. Fez, im Dez. Die Häupter der hiesigen jüdischen Gemeinde haben, unterstützt von dem Hauptlehrer der Alliance Israeli te=@c6 ule wirksame Maßregeln gegen eine Invasion der Cholera ergriffen, die Tanger und Tetuan heimgesucht hat. Unter den Maßregeln, bte nicht direkt sanitären Charakters sind, war auch die Einrichtung einer Volksküche, wo der Arme zu jeder Tageszeit gesundes Essen und gekochtes Waffer erhält. Das Blatt „Tanger Chronicle and Marocco Gazette“ sagt bet einer Besprechung der Handlungsweise der Juden von Fez: Daß Bildung und Wiffen die besten Mittel zur Verbefferung der Lage des Menschen sind, ist eine alte Thatsache, die sich, wie wir htnzufügen können, während der gegenwärtig herrschenden Epidemie von neuem bestätigt hat. DaS Todeskonttgent der Juden war bei dieser Gelegenheit im Verhältnis zu ihrer Seelenzahl außerordentlich gering. Der Grund ist einleuchtend: sie leihen der modernen Wissenschaft ein williges Ohr und haben bewiesen, daß bei ihnen der ausgestreute Same der Erziehung einen fruchtbaren Grund findet. Ungeachtet noch bestehender alter Vorurtheile, haben ihre ärmeren Klaffen gezeigt, daß sie guten Willen besitzen, und daß sie die Wohlthaten der , Civilisation weit besser zn ernten wissen als dieselben Klaffen I der hier lebenden Europäer.

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