Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 37 (1896)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1896)
- Date
- 1896-01-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXVII* Jahrgang. M L Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 2. Januar 5656 (1896). In nächster Nummer beginnen wir s. G. w. mit der höchst spannenden Erzählung „Der Letzte seines Stammes" von Max Sta . . . . Der jetzt noch laufende Ronan „David Speyer" wird in aller Kürze in Buchform im Verlag von A. I. Hofmann, Frankfurt a. M., erscheinen und kann von neu eintretenden Abonnenten alsdann durch uns sowie durch genannte Buchhandlung bezogen werden. Leitender Artikel. MiiENck. Mainz, 30. Dezember. Das abgelaufene bürgerliche politischer, sozialer und geschäftlicher Hinsicht reich an aufregenden Krisen, Erfahrungen und Erwartungen, deren Bedeutsamkeit weit m das neu begonnene Jahr und in noch manches seiner Nachfolger ragen wird. Im Vergleich zu der allgemeinen Spannung, die sich an diese Geschehnisse knüpft, ist die Ausbeute dessen, was das htngegangene Jahr der Judenheit und der Verwirklichung des Judenthums bei seinen Bekennern gebracht hat, nur eine mäßige zu nennen. Die judenfeindliche Strömung, die sich seit einer Reihe von Jahren in so gehässiger Weise geltend macht, daß ein ortentirender Blick zuerst auf sie trifft, hat an ihrer Bedeutung sehr wesentlich dadurch verloren, daß ein großer Theil ihrer Führer in kurzen Zwischenräumen der strafenden Gerechtigkeit verfallen ist. Es hat jedermann das Gefühl, daß die noch übrig gebliebenen Säulen über Nacht stürzen können, weßhalb sich die anständigen Elemente der Gesellschaft von diesem gemeingefährlichen Treiben losgesagt haben. Aber die Giftsaat, welche diese Menschen seit Jahren in die Massen gestreut haben, ist leider in den Schichten des Volkes aufgegangen und hat dort viele betrübende Folgen gezeitigt. Wie in Deutschland ein sittlich und moralffch verkommener Mensch lediglich auf seinen Judenhaß hin ins deutsche Parlament gewählt wurde, haben die bethörten Massen der Hauptstadt von Oesterreich die erste Bürgermetstersttlle in die Hände eines Mannes g.legt, dessen Bedeutsamkeit ausschließlich in seinem Judenhaß liegt. Wohl hat der seinen jüdischen Unterthanen allezeit wohlgesinnte Kaiser Lon^Srst^E'Esem Attentat auf die Wohlfahrt und Sicherheit der Residenz die landesherrlrche Genehmigung versagt. Aber es bleibt dieses Vorkommntß doch ein trauriges Zeichen dafür, wie wett es der Gew ssenlostgkeit judenfeindl cher Hetzbolde bereits gelungen ist, die Geister zu trüben und die Gemüther zu verbittern. In Ungarn, wo die Vorlage über Reccption des Jndenthums endlich Gesetzeskraft erlangte, hat der Judenhaß, der noch vor ca. 12 Jahren indem berüchtigten Ttsza Eßlar-Prozeß seine Orgien feierte, den Rücksichten der religiösen und politischen Toleranz weichen müssen. Daß aber unter der Asche auch dort noch die Gluth glimmt, das haben erst kürzlich die aufständigen, judenfetndlichen Bewegungen in Oedenburg zur Genüge bewiesen. In Rußland lauten die Nachrichten über die rechtliche Stellung der nach Millionen zählenden jüdischen Unterthanen sehr widersprechend. Während einzelne der drückendsten gegen die Juden gerichteten Maßregeln seitens der Regierung zurückgenommen wurden, sind wieder andere dagegen erlassen worden, welche die traurige Lage unserer Glaubensgenossen noch trüber gestalteten. Man kann daher aus diesen legislatorischen Maßnahmen keinen Schluß nach der einen oder andern Seite ziehen. Die wirkliche