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Der Israelit · 1895-06-27 · Heft 51 (27.6.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 51 (27.6.1895)
Date
1895-06-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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925 und den Staat, als irgend einer von uns. Würden die Soldaten nicht pünktlich ihren Sold erhalten, sie würden schaarenweise desertiren oder in offener Rebellion zum Feinde übergehen, wir ständen dem verstärkten Gegner machtlos gegenüber und Böhmens Hauptstadt und das ganze Land wären verloren." Dadurch, daß ich dem Oberfeldherr unentbehrlich bin, wird mirs möglich meine Glaubensgenossen zu beschützen. Er würde es nicht dulden, daß der Pöbel die Juden hier mißhandelte; er würde mit Waffengewalt und tuit aller Strenge einschreiten. Glaub' mirs, Malke, gäb' es nicht reiche, edle Juden, die mit den schwersten Opfern ihre Glaubensbrüder vor der Willkühr der Fürsten und der Raublust des zuchtlosen grausamen Pöbels schützten, die Nachkommen Israels wären längst verschwunden von der Erde." Der Primator hielt, aus seiner ursprünglichen Gedankenbahn gerissen, einen Moment inne, dann fuhr er, sich plötzlich erinnernd um was es sich eigentlich handle, fort. „Ich möchte meinem Kinde das Glück, das Gott mir geschenkt, erhalten utld vermehren, ich will, es soll die (pattin eines reichen angesehenen Mannes werden, daß mein Eidam der Sohn eines in allen Kreisen hochgeachteten Vaters sei; geachtet ist der Jude in unserer Zeit in weiten Kreisen aber nur dann, wenn er reich, sehr reich ist. Freilich wärs auch ntir erwünscht, wenn wir unser Kind bei uns behalten könnten und, wenn Wolf Epstein seinen Wohnsitz in Wien nehnlen wollte, müßten wirs versuchen für Miriam einen Gatten zit suchen, der ilns dieses ersparte. In Prag gäbs freilich Niemanden, der ntir als Eidam recht wäre, aber in Wien, Frankfurt, Amsterdam oder in Fürth, da dürfte es noch Manche geben, die unseres Kindes tvürdig wären und sich entschließen hierher zu ziehen, in mein Geschäft zu treten. Allein ich will nreinem Kinde keinen Gatten aufdrängen. Neigung ist die erste Bedingung zu einer glücklichen Ehe und da körrnte es doch geschehen, daß ich, gegen meine ursprüngliche Absicht, bei meinem zukünftigen Schwiegersohn auf Reicht hum verzichten müßte, allein in diesem Falle müßte er in irgend einer andern Weise allgemeine Anerkennung und Ehre errungen haben." „Hochgeehrter Herr Primator, hochgeehrte Frau Primatorin", ergriff nun Micha mit vergnügtem, doch schüchternen Lachen das Wort, „auch Reb Jakow Epstein füllt es nicht ein, sich dauernd von seinem Erstgeborenen zu trennen. Vorläufig muß dieser allerdings in der Ferne weilen, er hat in Wien und Ungarn noch vieles Wichtige zu verrichten, aber zu Schabbos nachmu2), kehrt er, so Gott es beliebt, beim. Bald darauf feiert Herr Jakob Epstein seinen fünfzigsten Geburtstag, an diesem will er gleichzeitig die Verlobung seines Sohnes und möglichst bald 2) Gott Dank. darauf auch deffen Vermählung feiern. Reb Jakob hat sich im Leben viel ftrapazirt. Trotzdem er noch nicht alt und Gott Dank kräftig und rüstig ist, sehnt er sich doch nach Ruhe und will des riesigen Geschäftes große Last auf seines Erstgeborenen starke Schultern überwälzen. Er will jenes diesem, die Leitung des Wiener Zweiggeschäftes aber seinem zweiten Sohne Veit übergeben xiitb sich ganz dem Studium der Gotteslehre, der Ausübung guter Werke, dem Dienste der Gesammtbeit widmen." „Das ist sehr löblich und eines Mannes wie Jakob Epstein würdig", meinte Frau Malke; Brandeis aber runzelte die Stirne und sprach: „Ich mag Euch, oder Ihr möcht Reb Jakob Epstein nicht richtig verstanden haben. Erft zu Schabbos Nachmu kehrt sein Sohn Wolf heim? Wenn er so lange ausbleibt, welcher Zweck soll mit dieser Besprechung erreicht werden? Die jungen Leute, meine Tochter und er, kennen einander höchstens durch eine flüchtige Begegnung auf der Straße. Ich zweifle nicht daran, daß sie aneinander Gefallen finden werden, es sind zwei herrliche Menschen und verwunderlich wärs, Wenns anders wäre — aber sehen, sprechen, kennen lernen, müssen sie sich ja doch zuvor! Möglich ist ja auch das Unwahrscheinlichste, es könnte ja sein, daß Wolf Epstein unser Kind dock nicht schön und herrlich genug fände. — Kurz gesagt, wenn Wolf Epstein nicht in Bälde hier ankommt, erscheint jedes Wort, das über diese Angelegenheit gesprochen wird, verfrüht und zwecklos. — Ihr seit ja ein kluger Mann, wie tarn Euch der Gedanke den Antrag schon jetzt anznbringen?" „Herr Primator," entgegnete Micha, „ich komme auf Befehl des Herren Jakob Epstein, dem ich es selbst vorzustellen wagte, daß es zweckmäßiger erschiene, abzuwarten bis Herr Wolf angelangt sei, doch ließ sich Herr Epstein so weit herab mir so gewichtige Gründe für feinen Auftrag anzugeben, daß ich hoffe, daß auch Ihr, Herr Primator, dieselben als richtig anerkennen werdet. Ein Wiener angesehener Schadchen hat ihm brieflich im Aufträge von Reb Eleser Fränkl, dem reichsten nnb vornehmsten Dian ne in der Wiener Gemeinde, der Wolf persönlich kennt, dessen einzige schöne tugendhafte Tochter, die, Eure Tochter Miriam ausgenommen, unter den jüdischen Damen weitaus die beste Parthie der Welt ist, als zukünftige Schwiegertochter vorgeschlagen. Herr Epstein hat aber schon seit langer Zeit sich fest vorgenommen, wenn dies irgend wie möglich ist, Eure holde Tochter für feinen Bechen-'*) als Hausfrau zu gewinnen. Nun handelt es sich ihm darum schon jetzt zu erfahren, ob Ihr hierzu geneigt seid. Fünf Monate aber sind eine lange Zeit; es giebt zwar 3) Der Samstag, der dem Jahrestagder Zerstörung Jerusalems folgt. — 3 4) Erstgeborenen-

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