Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1895)
- Date
- 1895-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JA» 48. XXXTl, Jahrgang. " Der Israelit. Eln Gentrak-Zrgan für das orlhodore Zudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 17. Juni 5655 (1895). Da mit dem 1. Jalt 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. 3445. Sttt? gell. Veartzknng. Auf vielfache Wünsche von Setten der Herren Lehrer haben wir uns entschlossen, von den Erklärungen der 8prüebe der Väter von Rabbiner Dr. Lehmann y'jft eine besondere Buchausgabe zu veranstallen und von jetzt ab bis zum Neujahrsfeste >jm jeden Donnerstag davon einen halben Bogen in Buchformat unserem Blatte beizulegen. Diese Bozen werden gesammelt u. gebunden ein für jeden Leser höchst werlhvolles Werk abgcben. Wir hoffen damit all unseren Lesern eine Freude zu beniten. Red. d. „Israelit.“ Leitender Artikel. r Mir ist der Mestr der Wstzen Cewelllde? II. Mainz, den 16. Juni. Wir haben gesehen, mit welchem rückhaltlosen, entschiedenen Ernst der Stab über den Einzelnen gebrochen wird, der sich von der jüdischen Gemeinde trennt. Wie aber, wenn sich eine ganze Gemeinde von den nasn wi, von den Wegen lossagte, welche die Gemeinden der großen jüdischen Gesammheit biS jetzt gewandelt sind? Wer wollte bezweifeln, daß dann die Verletzung des göttlichen Gesetzes nur um so flagranter wird und die Verantwortung eines solchen Schrittes noch ungleich verhängnißvoller ist, als die Lossagung, die der Einzelne von der Gemeinde vollzieht. Diese Lossagung ganzer, großer Gemeinden von den Zwecken und Zielen eines jüdischen Gemeinwesens hat sich leider seit Decennien in erschreckender Weise vollzogen. Man braucht diese Zwccke und Ziele, wie wir sie in unserer jüngsten Betrachtung sktzzirten, nur mit den Zuständen zu vergleichen, wie sie thatsächlich in vielen jüdischen Gemeinden bestehen. Wir haben die Fürsorge für den Unterricht r der Tbora an Kinder und Erwachsene als die erste Obliegenheit einer jüdischen Gemeinde erkannt. Diese erste Säule unseres jüdischen Gemeindewesens geht einer großen Zahl von Gemeinden vollständig ab. Wir sprechen nicht von denjenigen Gemeinden, in welcher die Kinder ohne jeglichen Unterricht in der Thora auswachsen, sondern von denjenigen, welche Lehrer und Schule, welche den ganzen Apparat besitzen, derselbe funkttonirt auch, er mag alles mögliche produciren, Thora, Gottes Thora fördert er mit nichten. Es ist uns selber borgekommen, daß Kinder einer sogen, religiösen Gemeinde beim Uebersctzen der zweiten Seite unseres Gebetbuches gelegentlich der Worte -mo min -no^ni auf die Frage, was das eigentlich sei: Talmud Thora, das Thoralernen, die Antwort schuldig blieben. Erst auf wiederholtes Fragen hob sich der Finger eines Kindes aus besonders frommem Hause, und dieses meinte, es sei das Lernen in der nipnw Nacht! l Gemeinden dieses Schlags haben allerdings jüdische Lehrer für Ertheilung jüdischen Unterrichts angestellt, aber diese Lehrer lernen statt Tbora, Religion, bringen den Kindern im günstigen Falle einen von ihnen destillirten und präparirten Extrakt der Thora in Form von unverstandenen und oft unverständlichen Katechismussätzen bei — — die