Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-06-12 · Heft 47 (12.6.1895) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 47 (12.6.1895)
Date
1895-06-12
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448603--40900-2489833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

860 Nach 30 Jahren stellen sie sich pünktlich in der Klaus zu Tarnopol ein und jeder stellt seinen Mann. Alle drei sind sie nach dem Auslande verschlagen worden, nach Frankreich, England und Amerika. Einer ist Universitätsprofessor, der zweite Inhaber einer Maschinenfabrik und der dritte Farmer in Nordamerika. Sie erzählen ihre Erlebnisse, die schließlich gar nicht abenteuerlich klingen, denn daß aus armen Jungen tüchtige und auch gutsiiuirte Menschen werden, erlebt man doch sehr oft. Also Bildung. Ackerbau und Industrie, darin erblickt der Verfasser und auch wir das Heil der galizischen Judenheit und darum ist cs Pflicht der wachthabenden Faktoren diesem Heilsysteme den Weg zu ebnen, und auch wir schließen mit dem Verfasser: „Die Ernte ist groß und nur Wenige sind der Arbeiter." Zeitungsnachrichten und Correfpondevzen. Deutschland. Aus dem Ries. Der derzeitige Lehrer und Kantor der israelitischen Kultusgemeinde zu Nördltngen Herr A. Weiler, hat am 28. ds. Mts. sein Lbjähriges Dienstjubiläum begangen. Durch seine amtliche Tüchtigkeit sowohl als Lehrer und Kantor hat Lehrer Weiler cs einerseits verstanden, die Liebe und Hochachtung seiner Kultusgemeinde sich zu erwerben, wie anderseits derselbe sich auch durch sein ernstfreundliches und friedliebendes Wesen die Zuneigung und Achtung aller Mitbürger ohne Unterschied der Konfession za erringen verstand. Nicht unerwähnt wollen wir es heute lassen, daß Herr Kantor Weiler zu Ehren des 70. Geburtstages Sr. kgl. Hoheit des Prinz-Regenten den 21. Psalm componirte, welcher von Allerhöchst demselben huldvollst entgegengenommen wurde. Möge die Kultusgemeinde Nördlingen noch lange Jahre das Glück haben, einen so tüchtigen, verdienstvollen, allgemein beliebten und geachteten Kultusbeamten zu besitzen. M a r o c c o. 00 Tanger, im April. Im vergangenen Monat Tischri habe ich Ihnen, wie man sich noch erinnern wird, geschrieben, daß einige jüd. Kaufleute im Tafilelt jenseits des Atlasgebtrges sich entschlossen haben, nach Timbuktu auszuwandern, da diese Neger-Metropole bekanntlich jetzt in den Händen der Franzosen ist, um sich dort als Geschäftsleute niederzulaffen. Dieselben haben auch richtig unter großen Beschwerlichkeiten ihren kühnen Plan ausgeführt und auch ihr Ziel erreicht, und liegen nun schon einige Briefe von ihnen datirt aus Timbuktu Oriowvn) vor. Wie dieselben nun melden, haben sie zweiundfünfzig Tage zu ihrer Reise durch die Sahara benöthigt und waren sie oft in Gefahr, aus Mangel an Wasser unter den sengenden Strahlen der afrikanischen Sonne zu verschmachten. Ja. einmal war ihnen schon der ganze Wasservorrath ausgegangen, und nur in einem Schlauche hatten sie noch drei oder vier Liter brackiges Wassers das sie sich für das Abendessen, dasselbe bestand gewöhnlich aus auf der Kohle gebackenen Brotscheiben und Datteln, ausbewahrten. Bon der großen Hitze ermattet, hatte sich nun die ganze Karawane sammt ihren Lastthieren am Fuße eines Sandhügels gelagert, um sich daselbst eine kurze Erholung zu gö anen. Einer der Mitreisenden verließ für einige Augenblicke die Gesellschaft und kam nicht wieder. Man wartete einige Zeit und schickte dann eine Patrouille ab, um den Vermißten zu suchen. Endlich fand man ihn todt daliegen. Er war förmlich verdurstet. Aber kaum dreihundert Schritte von der Leiche entfernt, zeigte sich ein Busch und als man in dessen Nähe kam, erblickte man eine Felsenkluft, in der sich eine kleine Quelle befand. Alles labte sich nun an diesem erfrischenden Naß. Von der Stadt Arauan aus, die fünf Tagereisen nördlich von Timbuktu liegt, schickten sie einen Boten an den Jahia (Bürgermeister) der letzteren Stadt, um bei ihm anzusragen, ob er ihnen den Eintritt in die Stadt gewähre. Derselbe erwiederte daß die Stadtthore Timbuktus heute allen Fremden offen stehen, und werden daher auch sie dort willkommen sein. Wie erfreut waren sie nun. als sie bei ihrem Einzuge in Timbuktu die Tricolore dort wehen sahen, und zugleich erblickten sie einige französische Soldaten auf dem Marktplatze. Nun erst fühlten sie sich beruhigt und sicher, da sie wußten, daß sie jetzt unter dem Schutze Frankreichs stehen. Als sie sich dann dem Jahia vorstellten, da bemerkten sie auf seiner Brust den Orden der Ehrenlegion, während an einer Wand seines Gemaches das Bild des leider so grausam hingemordeten Präsidenten der französischen Republik, Carnol's, hing. Briefkasten der Expedition. E. in H. Wenn Sie uns eine Offerte zugesandt haben, so ist dirselbe sofort wnterbeförbert worben. Auf die Absender und Poststempel der ankommenden Offerten sehen wir nicht. Bad Harzbarg. Restaur. Pensionshaus. 186a Billa Coucordia, Bergstr. a. Walde. Unter Aufsicht Sr. Ehrwürden d. Herrn Rabb. Dr. Auerbach, Halberstadt. Eleg. Zimmereinrichtung. Neue Betten. Luftiger Speisesaal. Borzügl. Verpflegung. Jeden Sonnabend Gottesdienst. Max liecht.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.