Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-06-10 · Heft 46 (10.6.1895) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 46 (10.6.1895)
Date
1895-06-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448602--40874-2489806
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXXVI. Jahrgang. Beilage M JSs 46 des „Israelit". Leitender Artikel. Zur Situation in AranKreich. Paris, im Juni. 'ty 'nna Nirm ’pn -)Bd^> -^hd ,D‘p^N -idx yiri^i o^nn) J^noBwa ayi icy pw au n’tn qm tb .(ro *3 Zum Frevler spricht Gott: Was frommt es Dir, meine Satzungen zu zählen, Du trägst immer meinen Bund über deine Lippen, siehst Du einen Dieb, so wirst Du sein Geselle und mit Ehebrechern ist dein Theil. Mir kamen diese Worte auf die Lppe», als die Flugschrift Sondhimers über *3* dt und Wieners jüdische Sprisegesetze mir durch Freundeshand zur Ansicht überreicht wurden. Hier zu Lande sind die Zeiten vorüber, da solche abgedroschene aus alter Rumpelkammer der Reform aufs Geradewohl hervorgcholten Anschauungen, über die jeder Gebildete schon längst den Stab gebrochen, noch zu fürchten waren, rnnyn ruws *pa. Im Lande, wo die 'bya neoin lebten und wirkten giebt es .Ta keine solche nyroD ^ya mehr, die öffentlich in Wort und Schrift an dem tausendjährigen Baue rütteln; man will auch nicht besser, frommer und gelehrter sein, als diejenigen, deren Bermächtniß wir nicht als piott Erbtheil, sondern als nmo Majorat zu wahren haben und ist man, wenn alle Anzeichen nicht trügen, von der ansteckenden Reformkrankheit nunmehr gründlich geheilt. Der jüdische Historiker der Gegenwart wird wohl noch von einer Zeit sprechen, in der man all dem oberflächlichen Golbflitter deutscher Marktschreierei, Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit beizumeffen glauble und dieses Machwerk als wohlfeiles deutschrs Fabrikat gerne importirte; da es sich aber hüben und drüben als unreelle fadenscheinige Trugwaare herausstellte, so ist auch hier kein Sinn mehr für den Modeartikel der Reform zu finden. Im guten Glauben, unser zeitliches Wohl und dasjenige unserer Kinder für ewig zu sichern, hoben wir ja Tempel, Haus und Tafel dem Zeitgeiste entsprechend eingerichtet, um nur unserer Umgebung keinen Anlaß zu geben, uns anders als einen französischen Mitbruder zu betrachten; wir haben ja dem hi* nosn jenen diejenige Bedeutung beigelegt, als ob darunter auch die Mehrheit Andersgläubiger zu verstehen wäre und in Gemeinschaft mit Eueren Führern sin) wir auch über jene Finsterlinge hergefallen, denen ein Judcnthum ohne min und ohne genaue Beobachtung unserer heiligen Gebote ein Gräuel war und die diesem Stiefktnde der deutschen Reformsucht ihre Liebe versagten.*) — Für uns war die französische Revolution der Messias rrm £»a iw D'1)3; ruhig vor jedem Ungemach lebten wir, ungestört von den Skrupeln religiöser Bedenken, mit unseren guten französischen Brüdern, die keinen Anstand mehr zu nehmen brauchten uns ihre Salons und Cercles zu öffnen; waren ja alle Schranken gefallen, die uns von ihnen getrennt halten. Im Lande, von dem einst, wie von Zion gesagt werden konnte, '3 mm «an ne-iso, war ein Judenthum entstanden k la Sondhetmer — Wiener. — Aber stehe da! Auch im Paradiese eine Schlange. Aufdem Boden, der schon vor hundert Jahren Menschen trug, die die allgemeinen Menschenrechte als höchstes Ideal anerkannt und als Staatsgrundgesetze eingeführt hatten, wird eS plötzlich trübe und düster. Es lauert ein Feind, der nur auf Raub ausgeht und schon fielen so manche unserer Brüder zum Opfer, zitternd und zagend stehen wir auch vor einer geheimnißvollen Zukunft und lauschen auf diese grausame Stimme des treulosen Bruders, um zu erfahren, ob es eitler Vorwand oder Thatsache sei, wir trügen in uns selbst die Schuld unseres Schicksals. — Nicht gegen unsere heilige Lehre als solche, sind die Pfeile unserer Feinde gerichtet, auch nicht gegen den Juden, der in ascetischer Lebensanschauung seine Speisegesetze und Feiertage streng beobachtet, der für Väterfitte und Bäterlehre sich Sinn und Herz bewahrt hat und dessen Leben nichts anders ist als ein unausgesetzter aem rrrp. — Der Feind findet einen Gräuel in der siebentägigen Konkurrenz, während er seinen Sonntag feiert, sein Neid hat diejenigen zur Zielscheibe, die ihm feine besten Bissen in den re8tauraut8 k la mode wegschnappen, die bei sämmtlichen erlaubten und unerlaubten Vergnügungen die Ersten sein müssen, um durch diese hervorthuende Aufschneiderei ihre Herkunft vergessen zu lassen. — Darum ist hier das Losungswort: Zurück in Deine Zelte Israel! oyt nay* ny yn Dyt» 'an Verbirg Dich einen kleinen Augenblick bis dieser Grimm vorbei ist. Schöpfe Trost und Muth an dem ewigen Born Deiner mm und flehe zum Allmächtigen, daß er diese bitterböse rm: in seiner *) Eine geringe Anzahl Ausländer machten wohl immer vergebens schüchterne Versuche gegen die Gesammtheit anzukämpfen oder vielmehr, um nicht im Sturme mitgeriffen zu werden, suchten sie ihre eigene Haut gegen D'^lieOD zu schützen; allein nur gering und unvollkommen gelang dieses Rettungswerk, angesichts patriotischer Glaubensbrüder, die dem' npim vnND na» ntrw nun immer den Stenpel des fremden EindringlerS aufdrückten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.