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Der Israelit · 1895-06-05 · Heft 44-45 (5.6.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 44-45 (5.6.1895)
Date
1895-06-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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M 44 & 45, XXXVI. Jahrgang. Der Israelit. Ein KenLrat-Hrgan für das orthodoxe IudentHum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 5 Jnni 5655 (1895). Leitender Artikel. Sprüche der Wäler. Fünftes Buch. XXX. Mainz, 4. Juni. nan« r6ea nan 4>va nana rri^n wnv nan« b2 mvw na,"in mm tr« nVcja nr« nana n'^n ru’Ntcn n nana nn^>n nj’tw nom i«om nan« n nana nnVn .jmirm nn Jede Liebe die an einer Sache hängt, solche Liebe hört auf, sobald die Sache aufhört; eine Liebe aber, die an keiner Sache hängt, hört niemals auf. Welches ist eine Liebe die an einer Sache hing? Die Liebe Amnons zu Thamar (II. B. Samuel Cap. 13). Welches ist eine Liebe die nicht an einer Sache hing? die Liebe Davids zu Jonathan. (I. B. Samuel Cap. 18 und 20.) Wie in der Thora und in unserem täglichen Gebete auf yüv sofort nanMi folgt, so lassen die Sprüche der Väter dem „Lernen" das „Lieben" folgen. Die reine, selbstlose Liebe zur Sache muß es sein, welche die trnon rva >a^.n ins Lehrhaus zieht und die o'oan trawv sich zu Füßen der Weisen niedersetzen läßt. Erst aus dieser hdb^ um ihrer selbstwillen aufgesuchten und gepflegten Thorawissenschaft erblühen die reichen, beglückenden Segnungen, welche von ihrer Beschäftigung unzertrennlich sind, für deren Aufzählung der sechste der ma* »pns bestimmt ist. Für diese Liebe zu Gott und seiner Thora reicht uns nun unser Väterspruch einen Maßstab, indem er die Liebe, welche Menschen miteinander verbindet vorführt, und uns einen bewährten Werthmesser an die Hand giebt, nach dem wir sie sofort auf ihre Reinheit und Dauer prüfen können. Die 1 Siebe ist unerklärlich, wenn sie selbstlos und dauernd sein soll. Sie beruht auf einer Zuneigung zu der geliebten Person, Sache oder was auch ihr Gegenstand sei, über den wir uns keine Rechenschaft geben können. Können wir es, so ist die Reinheit und Selbstlosigkeit der Liebe schon beeinträchtigt und deshalb gefährdet. — Erfüllt uns eine liebende Zuneigung zu irgend Jemandem und man frägt uns warum wir diese Persönlichkeit lieben, so haben wir nicht sie, sondern uns geliebt, wenn wir die Ursache angeben können, der unsere Liebe entstammt. Lieben wir Jemanden wegen der Wohlthaten, mit welchen er uns überhäuft hat, so haben wir in erster Reihe die uns erwiesenen Wohlthaten geliebt, ihren Spender aber erst in zweiter Reihe und nur insofern als die Spende ohne den Spender nicht denkbar ist. Selbst wenn wir einen Menschen wegen seiner geistigen Vorzüge lieben, die liebende Verehrung, mit der wir z. B. an unserem Lehrer hängen, ist die vollendete Liebe nicht, die diesen Namen verdient. Liebe, ist die vollkommene Hingebung an den geliebten Gegenstand, die geben, oder gar wie der Ausdruck anw sagt, sich selber hingeben will, aber nicht an eine Gegenleistung denkt, am wenigsten an eine bereits erfolgte Leistung, aus der nun die liebende Zuneigung entstanden wäre. Die Liebe darf von nichts abhängen, wenn fte nicht ihre Eigenart einbützen soll. Hängt sie von einem Gegenstand ab so hört sie auf, sobald der Gegenstand aufhört. Daß die Erkenntlichkeit gegen den Wohlthäter, die Verehrung für die Weisheit und Sittlichkeit des Weisen keine Liebe für die Persönlichkeit des Wohlthäters und des Weisen ist, geht daraus hervor, daß die Zuneigung für sie aufhört, sobald der Wohlthäter als Feind und der Weise wie ein Thor handle« sollte. Liebe ist ein jeder menschlichen Seele von ihrem Schöpfer tief eingepflanzter Zug, eine Neigung, die nicht frägt noch wägt, die für den Gegenstand, dem

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