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Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 21)
Language
German
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TT**!“ -J' für baseJv- Mrthodoxe <MuderrthumÄ A RON^ft r«». 5. »8. Mai 1805.] BBkfc mm PS®) ^STKlfF*jjddafc)J Der Aodriatschik. Ein Bild ans dem Leben der Juden in Rußland. — Nachdruck verboten. Die trotz aller Verleumdungen unserer Feinde überaus hohe Intelligenz und Regsamkeit unserer Brüder im großen russischen Nachbarreiche einer, seits und die ungeheure Bcquemlichkeit und die gewaltige Scheu vor irgend welcher ernsteren Arbeit des gesammten russischen Beamtenstandes andererseits, haben eine Sorte von jüdischen Geschäftsleuten gezeitigt, welche in Rußland kurz mit dem Worte Podriatschik bezeichnet werden. Das Wort Podriatschik, welches eigentlich Unternehmer bedeutet, ist in Wirklichkeit nicht zu übersetzen, da dessen Begriff weit über unser eben genanntes deutsches Wort htnausgeht. Der Podriatschik besorgt einfach alles, was die russische Regierung an Geschäften zu besorgen hat. Ist irgendwo im Kaukasus oder in Sibirien eine Eisenbahn zu bauen, so schreibt die Regierung nicht die Lieferung von Schienen, Schwellen, Waggons u. s. w. aus, sondern sie übergiebt die ganze Herstellung der Bahn gegen eine Pauschalsumme an denjenigen Podriatschik, welcher ihr die billigste Offerte gemacht hat und überlaßt es einfach ihm, fertig zu werden, wie er kann. Ist die Regierung genöthigt, irgendwo eine große Brücke Herstellen zu lassen, so wendet sie sich wiederum an den jüdischen Podriatschik, indem sie auf gleiche Weise verfährt und hat sie Kasernenbauten aufzuführen, Mtlttärlieferungen zu vergeben, oder sonst irgendwie einen größeren Bedarf; immer und immer wieder ist es der jüdische Podriatschik, der für eine Summe Geldes alles übernimmt, alles verspricht und die kaiserlich russischen Beamten find von den kleinlichen Sorgen detaillirter Ausschreibungen und Lieferungen befreit. Du erstaunst, lieber Leser, daß in einem Musterlande des Antisemitismus, wie der thonbefußte Koloß es ist, derartige Dinge möglich sind und daß da nicht, wenn Juden Lieferungen erhalten, die ganze antisemitische Meute die Regierung so lange mit Juden-Flinten beschießt, bis dem Juden das Geschäft gründlich verleidet ist, du mußt aber bedenken, daß die Verhältnisse in dem große« Czarenreiche vollständig anders liegen, als wie bei uns. Man ist eben dort noch um einige Jahrhunderte zurück und wie in Deutschland im Mittelalter man die Juden als Schwamm benutzte, den man sich ruhig voll sangen ließ, um ihn nachher desto kräftiger auspreffen zu können; in ähnlicher Weise verfährt man heute mit unseren Brüdern im Lande der Kosaken und Tscherkeffen. Gesetze über Gesetze, Ukase über Ukase werden ersonnen, um ihnen auch den letzten Besitz und die letzten Rechte zu schmälern. Aber ihre Vermittlung im Handel und Verkehr, ihre Thätigkeit in Industrie und Ackerbau kann in Rußland nicht entbehrt werden und das ganze leicht gebaute Räderwerk der russischen Staatsmaschine würde in sich zusammenfallen, wollte man die semitischen Zugstangen und Treibriemen aus derselben entfernen. Der Typus eines solchen Podriatschik war Jainkel Leibowltsch Rosenblüth, dessen herrliches Landgut zwischen Wloclavcc und Warschau gelegen war. Er hatte schon mit der Regierung die mannigfaltigsten Geschäfte gemacht. Er hatte für dieselben schon Kriegsschiffe und Schäferhütten, Eisenbahnen und Fußsteige, Kathedralen und Zollwächterhäuschen gebaut; er lieferte ihr Schießpulver und Lampenschirme, Kartoffeln und messingene Milttärknöpfe, Fensterscheiben und Nähmaschinen und stets war er vom Glücke begünstigt, bei jeder Lieferung und jeder Uebernahme behielt er ein hübsches Sümmchen zurück und sein Vermögen wuchs von Tag zu Tag. Er machte ein vornehmes Haus aus und die Edelleute und die höheren russischen Offiziere, die in der Nachbarschaft begütert waren, verkehrten mit Vorliebe bet Rosenblüth, der sich mit Chic und feinem Anstande, sicherem Auftreten und gewinnenden Manieren in den besten Kreisen zn

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