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Der Israelit · 1895-05-28 · Heft 42-43 (28.5.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 42-43 (28.5.1895)
Date
1895-05-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. Mette Seil, ju M 42 & 43 -es „Israelit". Zeitungsnachrichten und Correspoudenze«. Deutschland. Berlin, 21 Mai. („Israelitisches Heimaths-H aus, Berlin.") Das Haus welches die Verwaltung der tsrael. Volksküche Gormanstr. Nr. 3 erbaut, ist bereits im Rohbau fertig gestellt, und es wird geplant das gesammte Gebäude jüdischen Wohlfahrts-Einrichtungen dienstbar zu machen. Es ist zunächst die Einrichtung eines jüdischen Mädchen- Heims in Aussicht genommen, in welchem der Preis von 30 Mk. für volle Pension festgesetzt wird. Es wird damit beabsichtigt, den Mädchen, welche fremd nach Berlin kommen um etwas zu erlernen, um sich alsdann selbst zu ernähren, oder wieder nach der Heimath zurückzugehen, oder solchen, die hier in Stellung sind und mit geringen Mitteln auskommen müssen, ein gemüthliches Heim zu schaffen. Soweit die Räume für diesen Zweck nicht in Anspruch genommen werden, wird damit auch ein Alten-Heim verbunden, woselbst ältere Personen gegen mäßige Vergütigung ein Unterkommen finden sollen. Auf vielseitige Anregung soll in dem Hause auch ein Israelitischer Ktndersaal eingerichtet werden. Diese Jnstutition ist in jener Gegend, wo die meisten unserer Glaubensgenossen wohnen, um so nothwendtger, als diese vielfach ihres Erwerbs wegen aus dem Hause gehen und die kleinen Kinder meist auf der Straße unbeaufsichtigt herumlaufen. Eine kleine Synagoge soll eingerichtet werden, in welcher Morgens und Abends Gottesdienst stattfinden wird, unter besonderer Berücksichtigung von Jahrzeiten und Abhaltung von Maskir für die verstorbenen Angehörigen der vielen Wohlthäter dieses Werkes. Mit Rücksicht darauf, daß bereits im verflossenen Jahre die Verwaltung zurückgelegte Kleidungsstücke für die Armen erhalten hat, werden in dem neuen Hause Vorkehrungen getroffen werden zur Empfangnahme, Instandsetzung und Vertheilung derselben. Die Volksküche selbst wird nach den neuesten technischen Erfahrungen zweckmäßig eingerichtet, unter besonderer Berücksichtigung für Familien und die jüdischen Besucher. Zu jeder näheren Auskunft ist der Begründer und Leiter Herr Herrmann Abraham, Alte Jacobstraße 57/59 bereit. Personalien. -4- Herr Dr. Chodowski-OelS ist zum Rabbiner der Gemeinde Preutz.-Stargard gewählt worden. Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaetion dem Leserkreise gegenüber keine andere als dir preßgesetzliche Verantwortung.) Berlin, 21. Mat. Die Mißstände im Bausache sind ja bekannt. Daß aber auch grade der Antisemitismus in diesem Fache wie nirgends auSgebildet ist, dürfte nicht bekannt sein. Hiervon einige Beispiele, die meine Person im besonder« betreffen. Ich bin Jude und 'habe mich dem Hochbaufache gewidmet, wozu ich 2 Jahre als Maurer praktisch arbeitete und 7 Semester die hiesige Tech«. Hochschule besuchte. Nun gings auf die Stellenjagd, und gelang es mir immer solche zu bekommen bis zum Anfang dieses Jahres. Auf Inserate in der deutschen Bauzeitung meldete ich mich u. a. nach einer Stadt in der Lausitz und wurde auch engagiert. Sehr bald mußte ich jedoch die Bemerkung machen, daß mein Chef Antisemit war, und, wie ich annahm, kündigte er mir auch amnächsten Ersten. Nach Swöchentlichem Debüt zog ich nun wieder ab. Ein zweitesmal sollte es mir aber noch weit beffer ergehen. Maurermst. V. des Städtchen G. in der Lausitz suchte einen Techniker und engagierte mich auf meine Meldung hin. Seine erste Frage bei meiner Vorstellung war die nach meiner Religion. Als ich ihm antwortete, daß ich Jude sei, sagte er mir, Juden könne er in seinem Geschäft nicht gebrauchen, sie verständen nicht mit seinen Leuten umzugehen und so mehreres. Ich mußte wieder abfahren und konnte dazu gleich den nächsten Zug benutzen, nachdem mir der saubere Herr das Reisegeld erstattet hat. Diese Sache wird aber ein Nachspiel vor dem Richter haben. Aehnllch ging es mir mehremal hier in B. Es gelingt mir also nicht, obwohl man mir sagt, daß ich gar keinen jüdischen Typus habe und gute Zeugnisse aufweisen kann, Stellung zu bekommen, weil ich — Jude bin. Ich habe schon viele schlaflose Nächte darüber nachgedacht, wie dem wohl abzuhelfen ist, aber vergebens! Vielleicht kann mir einer Ihrer geehrter Leser, einen Rath geben, den ich dankbar annehmen würde._ Kiel, 14. Mai. Mit einer größeren Anzahl Fachgenoffen fuhr ich zur Besichtigung des demnächst zu eröffnenden Nordseekanal und als die Sonne gar heiß und sengend unsre Häupter beschien, beschlossen wir den Sonntag zu einem Ausflug nach Norderney zu verwenden. — Ich war recht froh, daß wir unseren Plan zur Ausführung brachten, hatte ich aus Mangel an zuverlässiger Gelegenheit doch schon einige Tage keinen sog. „warmen Löffel" im Magen und hoffte im Stillen auf eine bereits eröffnete jüdische Küche in Norderney. — Ich machte mir'nichts weniger als große Jllusstonen von dem jüd. Hotel, war da-

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