Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 40 (20.5.1895)
- Date
- 1895-05-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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757 nicht in Sorglosigkeit einwiegen zu lassen vielmehr vor der Kleinseite und am Hradschin Bastionen und Bollwerke aufwerfen zu lassen, auch den kleiuseitner Brückenthurm zu befestigen und Pallisaden an dem kleiuseitner Moldauufer zu errichten, damit, wcmt sich etwa doch die Schweden durch einen .Handstreich der beiden rechtsseitigen Städte bemächtigten, wir auf der Kteinseite vor ihrem plötzlichen Ueberfalle geschützt sind." „Insofern", sprach Colloredo, „muß ich den» Herrn Oberstlieutenant zustimmen, daß keine wie immer geartete Vorsichtsmaßregel versäumt werden darf: mein seliger gelehrter alter Hofmeister hatte das gute Sprüchwort: superflua non nocent.*) Herr Oberstlieutenant, ich ersuche Euch die Punkte, welche nach Euerer Meinung befestigt werden sollen genau zu bezeichnen." Der (General schob dem Oberstlieutenant den Plan Prags unb seiner Umgebung zu. „Die Arbeiten, deren Leitung ich Euch zu übernehmen bitte, sollen sofort vorgenommen werden. .. . WaS will Er Feldwebel Paffon?" unterbrach sich Colloredo, sich an eine Hühnengestalt wendend, welche die Thure öffnete und an der Schwelle stehen blieb. „Herr Rittmeister Odowalsky läßt eben so ergebenst als dringendst bitten ihm eine Audienz zu gewähren, es handelt sich, wie er sagt, um eitle höchst wichtige Angelegenheit." „Wohl wichtig für ihn, nicht für nrich, nicht für des Kaisers Dienst", fuhr Colloredo unwillig auf, „sagt ihm, er soll sich zum Teufel scheeren. Dieser verkommene Mensch", wandte er sich an die beiden Offiziere, „behelligt mich fortwährend mit unerfüllbaren Forderungen. Er bat vor dem Feinde eine Fußwnnde erhalten, der ihn dienstuntauglich macht und ist wie so viele andere invalide Offiziere mit geringem Solde entlassen worden, überdies ist sein Landhaus, das er in der Rahe von Eger besessen, von bcu Schweden eingeäschert worden. Er kommt mm fast täglich zu mir unb verlangt, wieder in den Dienst ausgenommen und für sein zerstörtes Landbaus entschädigt, in seiner Pension erhöbt zu werden; alles Wünsche, die zu gewähren ich nicht in der Lage bin. Ich kann ihn als Offizier nicht brauchen, kann ibm kein neues Landhaus bauen und nicht seine Pension erhöhen. Wir leiden an Geldmangel und ich habe schwere Sorgen mir die nothwendigen Baarmittel zu verschaffen. Von: Kriegszahlamt in Wien langen keine Geldsendungen all, und die böhmische Statthalterei, die ich aufgefordert habe, dem Käme ratamt zu verordnen, alle eingehenden Stellergelder an mich abzuliefern, hält einen großen Dbeil derselben für Beamtenbesoldungen zurück. Würde mir nicht der Iudell-Priulator Israel Brandeis große Vor¬ *1 Üeberflüssiges schadet nicht. schüsse leisten, ich könnte nicht die Löhnungen auszahlen lassen und die Truppen wären schon längst schwierig geworden . Ra was steht Er denn noch immer da" schrie der General sich von Neuem ml bcu Feldwebel wendend, „bat Er bcttit nicht gehört, was ich gesagt habe 1" „Halten zu Gnaden, Herr Generallieutenant, ich nlöchte mir nur gehorsamst erlaubell lloch hinzuzufügen, daß der Rittmeister ausdrücklich erklärt hat, daß er dem Herrn Generallientenant diesmal nicht mit seinen Privatangelegenheiten lästig fallen will, sondern daß es sich um wichtige die Kriegsopcrationen betreffende Dinge handelt." „Was könnte er mit mir zu verhandeln haben?" rief Colloredo, „weis' Er ihll mir ab, sag Er ihm ich hätte feine Zeit für ihn." „Eller Gnaden, HerrZGenerallieutenant" sprach Schmiedl, „ich bitte tausendmal um Entschuldigung, daß ich es wage zu bitten diesen Odowalsky doch anhören zu wollen. Ich kenne ihn von früher» Zeiten her, er war ein heller Kopf und ein sehr unternehmender Mensch. Mail kann nie wissen, was jemand beabsichtigt, vielleicht hat er durch einen Zufall etwas über die Bewegungen des^Feindes erfahren, das er mittheilen will. Ihn anhören kann ja in feinem Falle Schaden bringen." „Ich glaube, daß Odowalsky nur einen Borwaild sucht, ilm bei mir vorgelassen ju werden; allein darin muß ich Euch recht geben, Oberstlieutenant, ihn anhören kann keinesfalls schaden. Feldwebel Pafson sag Er denl :)Uttmciftcr, er soll warten bis unsere Besprechung beendet ist, nachdem mich die Herren Regimentskommandanten verlassen haben, laß Er ihn eültreten." ' Oberstlieutenant 3d;micbl bezeichnet nun auf beut Plane die Punkte, die nach feiner Meinung mit Bastionen, Verhauen und Pallisaden versehen werden sollten. Es entspann sich eine längere Disenssion, bevor eine Einigung in den Detaitfragen erzielt wurde, so daß noch eine weitere Stunde verfloß, bevor sich die beiden "Kommandanten verabschiedeten und Rittmeister Ernst Odowalsky eintreten konnte. Es war dies ein , Mann von etwa vier bis fünfunfünfzig Jahren, dessen verwelkte, vergrämte Züge, deutlich Elend und quälenden Kummer, dessen unheimlich funkelnde Augen in dem Momente auch schwer unterdrückten Zorn aussprachen. Diefrüh ergraute, zusammengesuukene Gestalt des einsiE hochgewachsenen, fiattUcbeu Mannes in ärmlicher, fadenscheiniger Uniform bot einen erbärmlichen Anblick dar. Colloredo fühlte diesmal mit dem unglücklichen Manne eine Regung des Mitleids und nahm sich vor, ihn heute freundlicher als sonst zu behandeln; allein bevor er dazu gelangte diesen löblichen Bor-