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Der Israelit · 1895-05-16 · Heft 39 (16.5.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 39 (16.5.1895)
Date
1895-05-16
Page
– (sequence 1)
Language
German
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xxxvi..Jahrga»g. M S9. Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den IS. Mai 5655 (1895). üeittnbev Artikel. SeftragedanKen Bon Rabbiner Dr. Daniel Fink, Zwittau. Der Weg zwischen dem Peßach- und dem Schowuausfeste, den wir zur Zeit durchschreiten, ist von dem Sefiragebote begrenzt. Wir zählen die Tage und Wochen und sind der letzter« sieben abgelaufen, so feiern wir alsdann daS liebliche Wochenfest. Sehen wir auch zunächst von dem liefern Inhalte dieses Gottesgebotes ab, so zeigt uns schon ein oberflächlicher Blick auf den Stoff, anS dem rs gewebt ist, daß es auf eine Heiligung und Wethe dieser Zeit absteht. Daß die Zeit zu den kostbarsten Gütern gehört, ist allgemein bekannt. Das weiß auch der Volksmund, wenn er spricht: Zeit ist Geld. Damit soll jedenfalls gesagt sein, daß die Zeit dem höchsten irdischen Werthe, dem Golde gleichkomme. Nicht so allgemein bekannt ist jedoch die andere Thatsache, daß für uns die Zeit auch das höchste himmlische Gut, den größten religiösen Werth bedeute. Die Menschen sind im Gegenthetl eher geneigt, die Religion aus den Grenzen der Zeit hinaus und in das Bereich der Ewigkeit zu verlegen. Sie soll ihnen etwa eine Anleitung geben, wie man über die große Kluft, welche Zeit und Ewigkeit trennen, hinwegkomme. Die Religion wird daher von vielen Leuten erst dann als Begleiter ausgesucht, wenn cs sich darum handelt, die Reise in das unbekannte Land der Ewigkeit anzutreten. Dem gegenüber dringt gerade die Thora mit aller Macht darauf, daß wir uns die religiöse Zeit recht klar machen. So sollen wir in dem kleinsten Zeitabschnitt, der Woche, sechs Tage arbeiten und am siebenten Tag das Ergebniß der gesammten Arbeit heiligen. Und so bewegen wir uns in dieser Richtung immer weiter. Rach Ablauf des PeßachfesteS zählen wir noch sechs Wochen und sollen dies als eine Vorbereitung ansehen, um mit rechtem Verständniß zu Beginn der siebenten Woche daS heilige rnpav-Fest begehen zu können. Wir zählen vom ersten Monate p’j sechs Monate und von dem nun folgenden lehrt das Gotteswort: jinarD^» '\n* «nn^irwa »jrarn nnai nynn?nar. „Am ersten des siebenten Monats sei euch ein Ruhetag, eine Erweckung durch Posaunenschall." Damit ist jedoch der Ring nicht geschlossen. Wir zählen sechs Jahre, die ein bedeutungsvolles Glied des Menschenlebens bilden und sollen alsdann wiederum das siebente Jahr Gott als ein Ruhejahr weihen. (3. B. M. 25, 3—7). Endlich sollen wir wiederum sieben solcher Jahreswochen zählen und nach deren Ablauf das fünfzigste Jahr, als ein Jobeljahr, heiligen. (Das. V. 8—10). Wenn man bedenkt, daß der Mensch mit dem zwanzigste« Lebensjahre als ein thätiges Glied in die Gesellschaft eintritt und von da ab Gott gegenüber die volle Verantwortlichkeit für seine Thaten zu tragen hat (Vgl zu St. und a"n und 5,24 ma«), daß im siebzigsten seinen Leistungen in der Regel das Ziel gesetzt ist; so wird die Heiligung des JobeljahreS für uns zu einer Mahnung, den Gefammtertrag unserer Lebensarbeit Gott zu weihen. Und endlich eröffnet uns dieser Gedankengang eine« weiten Ausblick in die Zukunft und erfüllt uns mit der frohen Hoffnung, daß auch in sechs Zeitaltern die Saaten des Heils im Schoße der ganzen Menschheit reifen werden, welche alsdann im siebente«, dem Zeitalter des rvm, als Gesammtertrag der Weltgeschichte Gott geweiht werden sollen. (Vergl. 'db m*? ruffn wn.) Wahrlich, es muß jeden Israeliten mit Freude und Opfermuth erfüllen, wenn er bedenkt, wie an sein bescheidenes Wirken sich Gedanken von solch weltbewegender Bedeutung knüpfen! Jeder Israelit, der seine Zeit und sein Thun in diesem Lichte betrachtet, tragt die messtanische Zukunft auf seinen

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