Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 38 (13.5.1895)
- Date
- 1895-05-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXVI. Iahrgmg. KrUage ju M 38 des „Israelit". Zeituvgsuachrichte« und Corresporrderrzerr. Deutschland. Darmstadt, 12 Mai. Zur bevorstehenden Rabbmerwahl der Provinz Starkenburg fand heute dahier im Hotel „Zur Stadt Frankfurt" eine Be« rathung der in der jüngsten G^oß-Gerauer Versammlung gewählten Vertreter des Kreises Groß- Gerau mit den Vorständen einiger weiterer Gemeinden statt, worin beschlossen wurde, für die Wahl eines orthodoxen Rabbiners, speziell für die Landgemeinden. jedoch mit dem Sitze in Darmstadt zu stimmen Die einzelnen Gemeindevorstände dieses Kreises werden hiernach angewiesen diesen Beschluß als ihre Antwort auf die an sie ergangene Rundfrage ihren Kreisämtern mitzuthetlen. Die Personalfrage wurde vorerst offen gelassen. Gleichzeitig fanden Versammlungen in Mtchelstadt und Bensheim statt, deren Ergebnisse zur Stunde noch nicht bekannt sind. Berlin, Dem Reichstage ist soeben eine Petition zugegangen, die verbündeten Regierungen aufzufordern, von Reichswegen eine Uebersetzung des „Schulchan aruch" anzuordnen. Zur Begründung der Petition ist ein Exemplar des vom Reichstagsabgeordneten Freiherr v. Langen „verfaßten" Buches „Talmudische Täuschungen" beigefügt. Eine ähnliche während der vorletzten Tagung eingereichte Petiton wurde von der PetittonSkom- Mission als nicht geeignet für die Berathung im Plenum befunden. Krarrkfurt a. M. Nicht nur die „Frommen" der Provinz Starkenburg, sondern selbst jeden „Liberalen", sofern er auch dem Andersdenkenden feine Religionsfreiheit nicht vorenthalteu will, muß die weise Entschließung deS Großh. Staats- Ministeriums, das Rabbinat D arm st a dt in 2 Rabbtnate zu theilen, in ein „liberales" und in ein „othodoxes" zur wahren Freude gereichen, denn eine derartige T Heilung kann nur beiden Partheien erwünscht sein, insbesondere als selbst wohl die entschiedensten Liberalen zugestehen müssen, daß auforthodoxer Seitehter nur „Gleichb ere chtigung" mit den „Liberalen" angestredt wird. Man kann daher auch die von liberaler Seite ausgehende Zumuthung das orthodoxe amtliche Rabbinat der Prov. Starkenburg von der Hauptstadt des Landes nach einer Provinzstadt, wie Bensheim oder Michelstadt zu verlegen — übrigens hätte dann jede der 80 Landgemeinden der Provinz Starkenburg dasselbe Recht, den orthodoxen Großh. Amts-RabbinatS-Sitz für sich zu beanspruchen — nicht ernst nehmen. Die Frommen — und G. s. D. bilden dieselben noch die Mehrheit in der Prov. Starkenburg — wollen ihr AmtSrabbinat ebrnso gut wie die Liberalm in der Landeshauptstadt haben und wollen auch schon dem bohen Staatsministerium gegenüber sich nicht als Juden 2. Claffe, welche ihr geistliches Oberhaupt nicht gleich den Liberalen am Sitze des Hofes und der höchsten Behörden wünschen, kennzeichnen lassen — abgesehen davon daß das Großh. Staatsministerum selbst nur eine Thetlung des Rabbinats Darmstadt und nicht etwa die Creirung eines Rabbinats Bensheim oder Michelstadt beabsichtigt hat. Darüber kann gar kein Zweifel obwalten, daß die Orthodoxen es als gar nicht anders denkbar erachten, zum Sitz ihres Großh. Amts Rabbinat Darm st ad t zu wählen, und hat, wir wir vernehmen, bereits auch eine Anzahl von Gemeinden der Prov. Starkenburg ihre Stimme in diesem Sinne bet der Behörde abgegeben. Sicherlich werden die Gemeinden, deren Abstimmung noch nicht erfolgt ist, ebenfalls und unverzüglich der hohen Staatsregierung mittheilen, daß sie an das bereits seit 24 Jahren zum Segen der Orthodoxie Hessens b.stehende orthodoxe Rabbinat in Darmstadt angeschlossen zu werden und dieses Rabbinat als Großherzogl. Amis-Rabbinat ernannt zu sehen wünschen. Es wäre eine nicht wieder gut zu machende Unterlassungssünde eines jeden wahren Jehudi der Prov. Starkenburg, wenn er die jetzt sich bietende Gelegenheit, da Orthodoxie, die ihr von Gott und Rechts wegen gebührende „Gleichstellung" zu schaffen, vorüber gehen lassen würde und heißt es hier: M6u^v8 lau Modaul liskon’ — wenn jetzt der günstige Augenblick versäumt wird, kehrt die Möglichkeit, gleiches Recht für die orthodoxen, wie es die Liberalen haben, zu erlangen — und mehr soll ja hier nicht erstrebt werden — in absehbarer Zeit nicht wieder und die Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für die kommenden Generationen würde auf Jedem ruhen, der nicht sofort die von der Großh. Staatsbehörde in weiser Würdigung der Thatsache« gebotene Gelegenheit benutzt. Wir unterlassen es absichtlich von den großen Verdiensten des unermüdlichen, selbstlosen Vorkämpfers und Führers der Orthodoxen Hessens, von dem gelehrten, wahrhaft frommen und friedliebenden Herrn Rabbiner Dr. Marx in Darmstadt dem, wie es gar nicht anders denkbar ist. zukünftigen Groß!. Amts Rabbiner in Darmstadt zu sprechen, da wir lediglich die Absicht haben, die