Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-05-09 · Heft 37 (9.5.1895) · page 28

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 37 (9.5.1895)
Date
1895-05-09
Page
– (sequence 28)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448595--40734-2489659
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- bot jedoch war grösser als die Nachfrage, und die Kolonisten machten auch mit diesem Projeke Fiasko. Wer nur BO F r cs. per D u nam mit dem geringen Angeld eines Drittels der Kaufsumme zahlte, wurde mit offmen Armen in die Kolonie aufgenommen, ohne vorher über die Fähigkeiten und die moralische Qualifikation des neuen Kolonisten sich irgendwie instruirt zu haben. Es fanden sich dadurch in nipD IffiS eine ganze Menge Leute ein, welche der neuen Beschäftigung, der culturellen Pflege des Bodens fremd waren. Die unrationelle Behandlung des letzteren liess keine gute Ernte erwarten; zudem brach eine Epidemie aus, und auch die neuen Kolonisten ergriffen die Flucht, ihr Land und ihre aufgeführten Bauten den feindseligen arabischen Nachbarn kinterlasseud. (Fortsetzung folgt.) Nachrichten aus den jüdischen Kolonien. (I. Fortsetzung.*) Sollte auch dieses Hindernis* weggeräumt werden, so werden sie dadurch zu gesicherter Lage kommen und sich von den Früchten des Bodens und der Weinberge ernähren können. Ich sagte von den Früchten des Bodens, da die Einwohner von Gederah im Jahre 5 654 gute Ernten von ihren Saaten hatten. Bedauerlich ist nur, dass der Umfang ihres Landes, welches in dieser Weise bebaut wird, allzu klein ist; hat doch jeder Kolonist zu diesem Zwecke nur 36 Dunam (ca. 3 Hektar). Der Segen, welchen die Kolonisten im vorigen Jahre bei der Ernte fanden, trug seinerseits dazu bei, sie mehr und mehr an das Leben eines Landmanns zu fesseln, was sich darin äussert, dass in diesem Jahre die Aussaaten von Getreide in Pethach-Tikwab, Gederah und Rechoboth bedeutend vermehrt wurden. Eine besondere Freude gewährt es, die eifrige Liebe und Neigung zu sehen, mit der die jüdischen Bauern an die Bestellung ihrer Aecker gehen, und die so weit geht, dass in einer Kolonie ein Arbeiter, obwohl er fast gänzlich unbemittelt ist, ein Stück Land pachtete, um es zu bebauen. In Che de re befindet sich eine Schule, die man der Verwaltung des Barons verdankt, die ausserordentlich günstig in ideeller Beziehung auf die Kolonisten einwiikt. Ferner hat das Odessaer Comitö ausser den 4 6 00 Frcs., die es für den allgemeinen Etat der Kolonie ausgesetzt hat, z. B. für den Lehrer und Schochet, noch 4 0 0 0 Frcs. für solche Kolonisten bestimmt, welche Gemüsse anbauen.**) Im Besitze *fs. Nr. 548. **) Mau säet Kürbisse und Gurken, die in Palästina sehr viel Verbreitung haben. In Rechoboth ist der; Boden für Gemüse weniger geeignet.; der Juden befinden sich mehr als 6 00 Dun am (50 ha) zum Anbau von Gerste und Weizen, während jüdische Hände noch mehr mit Gemüse, bebauen. Ferner hat auch die Regierungsbehörde viel Entgegenkommen bewiesen, indem sie den Cheder anern die Erlaubniss zum Häuserbau ertheilte, der nunmehr bald beginnen wird. Die Glasfabrik in Tantura, welche im vorigen Jahre so viel zu leiden hatte, weil sie in einem bisher kulturell so zurückgebliebenen Lande einen ersten Versuch darstellt, macht immer grössere Fortschritte. Einige von den jungen Leuten, welche die Schule besuchen, haben die Glasfabrikatiou so vorzüglich erlernt, dass sie in einem Monate für 100 Frcs. eben so viel, wie europäische Arbeiter in gleicher Zeit für 40 0 Frcs. leisten. Vor einiger Zeit ist der Ankauf des Do:fes „K'far Sabahu zum Abschlüsse gekommen, hei dem sich mehrere unserer Biüder zwei volle Jahre lang mit Verhandlungen gemüht haben. Infolge des Verbotes von Landankauf, das noch andauert, war es bisher unmöglich gewesen, das Geschäft zum endgültigen Abschlüsse zu bringen. Da aber in der jüngsten Zeit die Regierung mehr und mehr zu der Ueberzeugung gekommen i>t, dass die Käufer treue Unterthanen der Regierung sind, so erlaubten sie ihnen, auf ihre Namen die Kaufbriefe auszustellen. Ich bedauere, über diesen Kauf im Augenblicke nichts Näheres belichten zu können. Nur soviel ist mir bekannt, dass TCfar Sabah vier Wegestunden nordöstlich von Jatfa und eine Stunde von Pethach Tikwah liegt und der Umfang des Bodens 8 000 Dunam (660 ha.) umfass?. (Fortsetzung folgt.) Druck der Job. Wirth 'sehen Hofbuchdruckerei Actien-Geeellschaft, Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.