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Der Israelit · 1895-05-06 · Heft 36 (6.5.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 36 (6.5.1895)
Date
1895-05-06
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXYI. Jahrgang. msü. Der Israelit. Ein Genlrak-Hrgan für das orlhodoXe AudentHum. Begründet von vi-. Lehmann in Mainz. Montag, den v. Mai 5635 (1895). Leitender Artikel. Sprüche der Water. Fünftes Buch. XXVIII. Mainz, 5. Mat. nwy uw -jVn »non nz ^ira nno nmN nffyi ,rra rwyn uv *j^n uw nvy ,m na*fci . yan ntpy kVi "j^n vh . tdd „Vier Arten gibt es unter denen, welche ins Beth-Hamidrasch (Lehrhaus) gehen. Wer hingeht, aber nicht thut, Hai den Lohn für's Gehen. Wer thut, aber nicht geht, hat den Lohn der That. Wer geht und thut ist ein Frommer; wer nicht geht und nichts thut, der ist schlecht." Man kann nicht wohl über den Besuch und Ntchtbesuch des Lehrhauses und seine Folgen sich Klarheit zu verschaffen, ohne über den Begriff des Lehrhauses, des Beth-Hamidrasch sich verständigt zu haben. Diese Institution, die sonst in keiner jüdischen Gemeinde fehlte, ist heute so spärlich selten geworden, daß vielen das Beth-Hamidrasch sogar dem Namen nach ein ganz unbekannter Begriff ist. Ihr nmDn no, ihre Synagoge hat jede Gemeinde, aber das Beth-Hamidrasch fehlt und wird nicht einmal vermißt, weil vielfach aus den jüdischen Reihen das Bewußtsein von Segnungen entschwunden ist, die sich in so reicher, mannigfacher Fülle an diese Stätte der gemeinsamen, öffentlichen Belehrung knüpfen. Wenn Thora, Aboda und Gemilluth-Chassodim, wenn die Beschäftigung mit dem uns von Gott gereichte« Gesetze des Lebens, wenn der Gottesdienst des Gebets und thätige Menschenliebe die Pfeiler sind, welche die Welt und zunächst die jüdische Welt tragen, so darf man sich über das Wanken und Schwanken dieser Welt nicht wundern. Wären unsere Versammlungshäufer wirklich Stätten für den Dienst Gottes und nicht, wie es leider vielfach wirklich der Fall ist, Nachäffungen unjüdtscher Embleme und Culte, waltete selbst die Menschenliebe so sicher unter den Menschen, als sie leider so vielfach schmerzlich vermißt wird, so lange die Säule der Thora fehlt, wie sie leider in zahllosen Städten und ganzen Ländern keinen Boden mehr hat, so lange mögen wir uns aller Hoffnungen auf Besserung entschlagen. Dir Thora ist die Lebensseele des jüdischen Volkskörpers. Der Boden, das Fundament, auf dem sich die Säule der Thora aber erhebt, ist das Beth-Hamidrasch. , Einzig, wie Gott, einzig wie sein Volk, einzig in ihrer Art ist auch die Thora und die Art und Weise ihrer Aneignung. Diese Eigenart der Thora tritt besonders bet ihrem ursprünglich nur mündlich überlieferten Theil bet m'n zu Tage. Obwohl auch er durch die Noth der Zeit seit Jahrtausenden ebenfalls schriftlich fixlrt ist, so kanner trotzdem noch heute nicht ausschließlich aus Büchern gelernt werden. Die Jünger, die sich die Thora aneignen möchten, sind noch heute auf das lebenswarme den Lippen des Meisters entquillende Wort, auf den lebendigen Verkehr mit den Lehrern angewiesen. Diesen Verkehr ermittelt und ermöglicht das Beth Hamidrasch. Zu den ttroDn rrn u&n gehört die ganze jüdische Gesammtheit. Hier findet sich Groß und Klein, Arm und Reich, Hoch und Nieder, hier finden sich alle ohne Rücksicht auf alles, was sonst Menschen sondert und scheidet einheitlich zusammen, damit jeder seinen Theil von dem Gottesworte hinnehme, das Gott mit seiner Thora der „Kehillat Jakob" der jüdischen Gemeinde überwirsen hat. Die Errichtung eines Beth-Hamidrasch galt daher als eine der ersten Pflichten für jede jüdische Gemeinde. Die Heiligkeit des Beth-Hamidrasch steht höher als die Heiligkeit der Synagoge, .denn nur auS der im Veth Hamidrasch gepflegten Thora ergeben sich erst die Normen für die in der Synagoge zu vollziehende

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