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Der Israelit · 1895-05-02 · Heft 35 (2.5.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 35 (2.5.1895)
Date
1895-05-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. Imeite Beilage M M 35 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten und Correfpoudeuze«. Deutschland. L. Berlin. Wenn unsere Antisemiten mit Aufgebot aller ihrer politischen Weisheit kein Mittel mehr ausfindig zu machen wissen, wie man stch der Juden mit oder ohne Anstand entledigen kann, dann pflegt die ultimo ratio zu lauten: „Nach Jerusalem!" — Wenn aber irgend etwas in der Welt geschieht, das auch nur im entfernsten die Möglichkeit einer wirklichen Rückkehr der Juden in das heilige Land wahrscheinlich machte, dann fallen sie aus der Rolle, und scheinen die Juden dock nicht gern zu verlieren. So hat's schon der alte Pharao gehalten, der bei aller Abneigung gegen Israel, die Gründe für seine Staatsgefährltchkeit doch in die Befürchtung ausklingen ließ: „es könnte aus dem Lande ziehen." Ganz ähnlich klingts aus der Notiz eines hiesigen Antisemiten-Blattes heraus, das unter der Svttzmarke „Ein neuer Judenstaat" folgendes leistet: „Seit etwa zehn Jahren zeigt sich Baron Hirsch bemüht, mit seinen Millionen das Judenthum aller Länder zu kräftigen und zu fördern. Hat er doch für die Juden in Galizien 12 Millionen Francs und für die Juden in Rußland 50 Millionen Francs gespendet und bestreitet er doch seit Jahren fast alle öffentlichen und geheimen Ausgaben der „Alliance israelite universelle." Nach dem Organ seines Glaubensgenossen Arthur Meyer soll Baron Hirsch jetzt allen Ernstes in London und Konstantinopel angefragt haben, ob die Insel Cypern zu kaufen sei. Bekanntlich steht Cypern unter türkischer Oberhoheit und ist von den Engländern besetzt. Im Unterhause haben kürzlich einige radicale Abgeordnete die Kosten dieser Besetzung bemängelt und verlangt, England solle stch von Cypern zurückziehen. Baron Hirsch scheint diese Forderung, an deren Erfüllung in England niemand denkt, allzuernst aufgefaßt zu haben. Cypern soll ein unabhängiger Judenstaat werden unter türkischer Oberhoheit und unter dem Schutz der europäischen Mächte! Von Cypern nach Palästina wäre nur noch ein Schritt, allein es ist zu besorgen, daß dieser Schritt in absehbarer Zeit nicht gethan wird. Vermuthlich hat man eS nur mit einer Reclame für den Baron Hirsch zu thun, der sich seinen Glaubensgenoffen wieder in Erinnerung bringen will." Baron Hirsch hat hinlänglich dafür gesorgt, daß seine Erinnerung auch ohne Reklame lebendig bleibt; er kann auf dieses antisemitische Hausmittel verzichten. Berlin, 24. März. Fünfzig Jahre erfolgreichen Wirkens vollenden sich in d esem Jahre für die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen, und der Vorstand ergreift die Gelegenheit, durch eine geschichtliche Darstellung der Entwickelung der Gesellschaft auch weiteren Kreisen einen Einblick zu gewähren in die segensreiche Thätigkeit und gedeihliche Wirksamkeit der Gesellschaft während des verflossenen halben Jahrhunderts. Als durch das Königliche Edikt vom 11. Mai 1812 die so lange ersehnte Emanzipation der Juden die bürgerliche Gleichberechtigung unserer Glaubensgenossen feststellte, wendeten sie sich schnell den bürgerlichen Berufen zu und widmeten sich in großer Zahl dem Handwerk und der Kunst. Die großen Schwierigkeiten, die der Kampf um's Dasein erzeugt, blieben ihnen freilich nichr erspart und drohten oft die Kraft des Einzelnen zu beugen. Das war der Anlaß, der hochherzige Männer dazu brachte, zu einem Verein zusammenzntreten, der Handwerker und Künstler in Noth und Krankheit schützen sollte. Der eigentliche Vater des Gedankens, Herr M. Halle, gehört noch jetzt dem Verein an. Am 9. September 1845 waren nach wirksam gehandhabter Propaganda mit ihm zehn jüdische Handwerker, die sich sämmtlich durch Thätigkeit und Intelligenz in die Hohe gearbeitet hatten, zusammengetreten und am 19. September war der Verein konstituirt, begann sein Eingreifen auf der Stelle. Der erste Vorstand beschloß dann bereits, auch Gemeindeglieder, die, ohne Gewerbetreibende oder Künstler zu sein, Gewerbetreibende oder Künstler zu sein, sich zu jährlichen Beiträgen verpflichteten, für in den Vorstand wählbar zu erklären. Ein reger Wetteifer entfaltete sich seitdem, und hervorragende Männer stellten sich, ihre Erfahrungen, ihre Mittel in den Dienst der Gesellschaft, die von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Umfang gewachsen ist und fortgesetzt Ersprießliches leistet. Ihr wohlthätiges Wirken ward staatlich dadurch anerkannt, daß ihr 1878 das Recht einer juristischen Person zugesprochen wurde. Die anfänglich sehr bescheidenen Mittel sind nach und nach so gestiegen, daß im Vorjahre die Gesellschaft ein Vermögen von 157,725 Mark besaß, ca. 24,000 Mark vereinnahmte und 15,300 Mark für ihre Zwecke verausgaben durfte. Die Mitgliederzahl ist jetzt auf 697 Personen, von denen 258 ordentliche Mitglieder, 439 Ehrenmitglieder sind, gewachsen. Der auf gesunden Prinzipien und auf echter werkthätiger Menschenliebe aufgebaute Verein darf mit stolz auf seine Vergangenheit zurückblicken; mehr als je ist aber jetzt seine verdienstliche Arbeit angebracht, und sein unermüdliches Weiterstreben darf daher auf unbedingte Anerkennung rechnen, aber auch von bisher fernstehenden .Kreisen Förderung seiner humanen Ziele beanspruchen. H. Hesse«Nassau (Kassel. Abgangs- Prüfung.) Unter Vorfitz des Prov.-SchulrathS Kannegießer, sowie unter Mitwirkung des Regierungs¬ und Schulraths Sternkopf und des Landrabbiuers Dr. Prager fand am 4. April am hiefigen israelitischen Lehrerseminar die mündliche Entlassungsprüfung statt, die von fünf Abiturienten der Anstalt bestanden wurde. England. London. Die Gesellschaft zur Verbreitung religiöser Kenntutß erläßt einen Auftuf, in der fie

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