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Der Israelit · 1895-04-29 · Heft 34 (29.4.1895) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 34 (29.4.1895)
Date
1895-04-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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^9*^- *•••*• *■ - v-f- -■ ."* *y jTv ^''»ww-- y«*-ÄJ?w5K XXXVI« Jahrgang. Beilage M M -34 des „Israelit". Letterrder Artikel. Aerttner Briefe. Berlin, 21. April. III. Schon jetzt beginnt die Agitation für die diesjährige Repräseutantenwahl sich voll zu entfalten. Der Central-Verein für die Interessen der jüdischen Gemeinde, deffen Tendenz die gemäßigt conservative Entfaltung des Judenthums mit möglichst gerechter Berücksichtigung aller Parteien ist, beginnt sich jetzt energisch an der Vorbereitung zur Wahl zu betheilgen. Wie diesmal die Chancen liegen, ist schwer zu übersehen. Die Liberalen, die enragirten Gegner des Central-Vereins haben für sich die Macht des Geldes, die ihnen eine intensive Agitation ermöglicht, den weitgehenden Einfluß der reichen Familien, die Jahrzehnte hindurch die Ehrenämter der Berliner Gemeinde verwaltet haben. Doch auch der Central- Verein hat in mancher Hinsicht andere und recht ansehnliche Vortheile auszuweisen. Er erfreut sich einer vorhandenen und durch jahrelange Praxis erstarkten Organisation, er genießt den Vorzug des Besitzes, denn von 11 Mandaten gehören 8 den Freunden des Central-Vereins, aber die Macht des Geldes, ihre pecuniären Kräfte sind naturgemäß erheblich viel geringer, als die ihrer radicalen Gegner. Doch schon der Umstand, daß der Central-Verein in den Bezirksversammlungen, die er jetzt veranstaltet, eines recht zahlreichen Zuspruchs seitens der jüdischen Bevölkerung sich rühmen kann, daß sein Parteiprogramm im Gegensatz zu dem des Reformvereins klar und sachlich die einzelnen Forderungen ausjpricht, sichern ihm schon jetzt, soweit es sich bei der complicirten Lage der Dinge überschauen läßt, die freudige Aussicht auf Gewinnung des schweren Sieges. Jedenfalls läßt er es an nichts fehlen, um klärend und belehrend auf die jüdischen Bürger Berlins einzuwirken. So veranstaltete er in dieser Woche für den Osten und Westosten unserer Stadt eine Propaganda-Versammlung, die einen recht erfreulichen Verlauf genommen hat. Herr Leichtentritt, dem von dem Vorstande des Central-Vereins das- Referat übertragen war, betonte zunächst, wie wichtig gerade der Osten für die Erhaltung und die lebenskräftige Ausgestaltung des Judenthums sei. Sodann gab er einen Ueberblick über die Entwickelung der Berliner Gemeinde - Institutionen, betonte, daß der Central-Verein jetzt schon auf recht anerkennenswerthe Erfolge zurückblicken könnte, da es seiner Thätigkeit zu verdanken sei, wenn der Berliner Gemeinde-Vorstand, während er an den hohen Festtagen vor 6 Jahren nur einen interimistischen Gottesdienst veranstaltete, jetzt in 7 Sälen gottesdienstliche Versammlungen abhalte. Auch auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes sei es zwar wenig, so doch etwas besser geworden. Habe doch die Berliner Gemeinde dem Drangen des Central- Vereins nachgebend, eine neue Religionsschule errichtet, in der allerdings nur einige hundert Schüler unter Leitung des Gemeinde-Rabbiners Herrn Dr. Weiße, Religionsunterricht empfangen. Der Bescheid auf den Antrag obligatorischen Unterricht in Gymnasien und höheren Lehranstalten zu veranstalten, sei von Seiten der Regierung nicht recht günstig ausgefallen, da dieselben sich nur für eine sacultative Ertheilung dieses Unterrichtes aussprach. Nachdem Redner noch auf das famose 300,000 Mark betragende Cohen'sche Legat zur Unterstützung solcher jüdischer Lehrlinge und Handwerksburschen, die sich verpflichten, die Sabbate und Festtage zu schänden, besprochen hatte, — leider war ja dieses Legat von dem Vorstande und seiner Repräsentanz angenommen und erst von der Regierung wegen eines Formfehlers verworfen worden und den Erben des Herrn Cohn zugewiesen, gab Herr Leichtentritt eine ausführl. Entwickelungsgeschichte der jüd. Wohlthätigkeitsanstalten mit besonderer Berücksichtigung des jüdischen Krankenhauses, aus der wir nur die eine, aber überaus bemerkenswerthe Thatsache hervorheben, daß die jüdische Gemeinde Berlins, als sie sich vor 300 Jahren constttuirt hatte, eher an die Erfüllung der praktischen Liebesthättgkeit, durch die Errichtung eines Krankenhauses — Hekdesch genannt — dachte, als an die Erbauung einer prunkhaften Synagoge. Nach Herrn Leichtentritt, dessen Ausführungen an dem Mangel von Actualität krankten, ergriff Herr Conrad Scheyer, der schon längst durch seine begeisterungsfreudige und erfolggekrönte Thätigkeit für die Neubelebung des Berliner jüdischen Gemeinwesens rühmlichst bekannt ist, zu einer hinreißenden und kernigen Ansprache an die zahlreich Versammelten das Wort. Seinen sachgemäßen und von ächt jüdischer Liebe gettagenen Ausführungen entnehmen wir Folgendes: Der Central-Verein habe sich ein nicht geringes Endziel gesteckt. Habe er doch die schwere Aufgabe zu lösen, das Judenthum, das ein verrotteter Bureaukratismus in den Todesschlaf gesenkt hat, zu neuerem herrlicherem Dasein zu erwecken. Dazu sei »öthig, daß dte Einrichtungen der Gemeinde voll und ganz den Bedürfnissen der Gemeinde-Mitglieder entsprechen. Es müßten so viel Gotteshäuser errichtet werden,

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