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Der Israelit · 1895-04-29 · Heft 34 (29.4.1895) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 34 (29.4.1895)
Date
1895-04-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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P,' 644 „willen Opfer bringen. Warum sollen solche „Opfer auch noch ohne jeden stichhaltigen Grund „auserlegt und gebracht werden an Tagen, deren „Feier dem Schrtftthum widerspricht? Der Er- „werb bei den kleinen Leuten zumal, bet der „Masse der Glaubensgenossen ist ein so schwerer „geworden, daß eS unsere heilige Pflicht ist, die „Mitglieder der Glaubensgemeinde nicht nur zur „Befolgung unserer heiligen Lehre anzuspornen, „sondern auch, wo es irgend angeht, deren Ge- „wissen zu beruhigen und zu erleichtern, wie es „geschehen würde durch den Ausspruch: „Der „zweite Feiertag hat keinen Grund und Boden. „Wenn der in der Schrift gebotene Feiertag vor- „über ist, könnt Ihr ohne geringstes Bedenken „Eurer Arbeit nachgehen;" hätte er dann der Wahrheit gemäßer gesprochen: Handel und Verkehr nehmen auf die kleine jüdische Minderheit allerdings keineRückstcht, aber umsomehr nimmt ste der Hüter Israels. Wäre unsere Erhaltung von der Rücksicht abhängig, welche die Handels- und VerkehrSmächte auf uns nehmen, so wären wir längst nicht mehr vorhanden, so wären wir überhaupt nie ins Dasein getreten. Aber der Gott, der uns die Einstellung jeder Werkthätigkeit am Sabbat geboten hat, hat auch den Sabbat mit einer so reichen, grenzenlosen Segensfülle ausgestattet, daß der Segen der Wochentage in Wirklichkeit aus dem von Gott verbrieften Sabbatsegen quillt. Aus diesem Bewußtsein des von Gott gewährleisteten Segens fließt auch die Freude und das Glück unserer Feste. Von ihm durchdrungen blicken wir an unseren Feiertagen viermal täglich zu dem Stifter unserer Feste mit der Bitte empor, daß er uns den Segen seiner Feste hinaustragen lasse ins Leben, um dort den Frieden zu finden, wo sonst der mörderische Kampf ums Dasein tobt. D’t6 1HJ/1D DD“1D n« '« 'i u*wn. Dieser Kampf ist durch die Handels- und Gewerbefrethett für die jüdischen Kämpfer nicht schwerer, sondern G. s. D. leichter geworden, als er zu Zeiten unserer Väter und Großväter war. Ste, die auf ihre Ghettis und die Bannmeile ihres Wohnortes räumlich beschränkt und dabei lediglich auf den Schacher und Handel angewiesen waren, ste hätten stch glücklich durch den Besitz der Handels¬ und Gewerbefteiheit geschätzt, ste hätten sich in die Seele hinein geschämt, dieses ersehnte Privilegium auch nur hypothetisch als Vorwand hinterher für die Entweihung der von Gott geheiligten Zeiten geltend zu machen. Sie hätten vor dem bloßen Gedanken gezittert durch solch schwarzen Undank gegen Gott dieser nach so heißen Kämpfen erlangten Errungenschaft unwürdig zu erscheinen und sie wieder einzubüßen. Sie hätten in diesem unleugbaren Fortschritt einen Sporn erblickt, mit doppelter und dreifacher Hingebung über diese von Gott gestifteten heiligen Zeiten zu wachen. Ste hätten sich gesagt, wenn die Freiheit des Handels und Verkehrs wirklich größere körperliche und seelische Anforderungen an die Handelstreibenden stellt als früher, daß dann auch das Ruhebedürfniß ein größeres ist, daß dann die Gefahr viel näher liegt als früher in dem Kampf, um die Güter des Lebens die höchsten, letzten Zielen desselben außer Augen zu verlieren. Hätten sie nicht die zweiten Feiertage, diese befreienden und regenerirenden Athemzüge mitten in dem ringenden, wochentägigen Hasten bereits gehabt, auf den Knieen hätten ste von Gottes Gnaden dieselben erfleht. Indem so die milder und leichter gewordene Zeit ihre jüdischen Kinder nicht leichtsinniger, sondern ernster und gewissenhafter gemacht hätte, hätten ste durch diese ihre Gewissenhaftigkeit wahrhaft auf der Höhe der Zeit stehend in dieser Harmonie daS Morgenroth jenes Ideals erblicken dürfen, in dessen Verwirklichung unser Festsegen ausklingt, wenn er Gott preist als denjenigen, der Israel itttb die Zetten heiligt! Wohl ist in einer merkantilisch bewegten Zeit die einzelne Stunde werthvoller als ste in den Tagen unserer Väter war. Aber der Werth ist doch ein sehr bedingter. Eine Stunde kann allerdings großen Gewinn, jedoch eben so leicht großen Verlust bringen. Aber wenn es wahr ist fra ikw ’mny Vs daß unsere Stunden mit dem Gewinn und Verlust, den sie bringen, in Gottes Hand liegen, dann sind die Stunden des wochentägigen Lebens zahlreich genug, um uns den Segen Gottes zuzuführen. Dann hört das Opfer des Sabbat und Feiertags auf ein Opfer zu sein, dann erscheinen sie als das Gnadengeschenk Gottes, das uns emporhebt über das Getriebe des um Brod kämpfenden Lebens und uns mit der geistigen Schwungkraft ausstattet, in diesen uns umtosenden Kämpfen nicht unterzugehen. Dann stehen Sabbat und Festtag, der erste und der zweite in gleicher Würdigung und Bedeutsamkeit da. Dann ist der zweite Feiertag so gewiß von Gott anerkannt, und uns durch seine mündliche Thora zur rückhaltlosen Erfüllung hingestellt, wie zum Sabbat und zum ersten Feiertag uns die schriftliche Thora verpflichtet. Mit demselben Fug und Recht, mit welchem z. B. die badischen Gerichte ihre Urtheile „Im Namen des „Großherzogs" verkünden, obwohl derselbe weder die Richter und Parteien noch den Pcoceß kennt, den dasUrtheil betrifft, weil die Richter durch den Landesfürsten und seine Organe eingesetzt nnd

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