Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 33 (25.4.1895)
- Date
- 1895-04-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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nach allen Richtungen hin zufriedenstellende Wahl getroffen. Es ist der Wunsch unserer verehrten Religionsgesellschaft, daß das uns vereinigende Band ein dauerndes sein und bleiben möge, und erlaube ich mir Zweck deffen Sie zu unserem „Ehrenpräsidenten" zu ernnen. Anschließend und gleichzeitig widmet Ihnen die Religionsgesellschaft einen Pokal (überreicht von Johanna Grünewald.)*) „Hoch schwangst Du zu de- Glaubens Preis, Des Heiles Kelch in unserem Kreis, Und reichtest uns den Gottestrank, Darum sei Dir auch zu Lohn und Dank, Ein Kelch geweiht von Kindeshand, Als unserer Liebe treues Pfand." Möge Ihnen derselbe noch lange Reihe von Jahren zu nur freudigen und beglückenden Anlässen dienen, und Ihnen diese Freude gewähren die wir Ihnen zu bereiten beabsichtigen- Tief gerührt bestieg Herr Rabb. Dr. Cahn, den Kelch in der Hand schwingend, das Podium und in die Worte kvn niyiff' dd ausbrechend, lehnte der also gefeierte Redner in seiner tiefen Bescheidenheit jeden Dank von sich ab. Wenn er dem oberhessischen Kreise helfend und ratheud seither beiaestanden habe, so sei dies nicht mehr als seine Pflicht gewesen. Redner entrollte dann vor den Augen der Festtheilnehmer in überaus geistvoller Weise anlehnend an verschiedene Aussprüche in der heiligen Schrift ein lebensvolles Bild der Entstehung und der Entwicklung des neuen Vereines. Der Raum gestattet uns nicht, auf die herrliche Rede des verehrten Herrn Rabbinen, dessen einzige Sorge von frühester Jugend auf ist pairß min und über dessen vielseitige, selbstlose und unetgennütz'ge Thätigkeit in dem Gteßener Kreise nur eine Stimme der Begeisterung herrscht, näher einzugehen. Vielleicht thun wir dies in einer unserer nächsten Nummern. Nach der Rede des Herrn Rabb. Dr. Cahn vereinigte man sich zu frohem Festmahle. Daß es hierbei an ernsten und heiteren Reden nicht fehlte, bedarf wohl kaum der Erwähnung. Von besonders gediegenen Reden seien diejenigen der Herren Rabb. Dr. Bon dt-Mainz, Distriktsrabb. Dr. Bam berge r - Burgpreppach, Marcus-Frankfurt a. M., sowie einige der Herren Vorstände und Lehrer aus Gießen und der Umgegend besonders hervorgehoben. Der Herausgeber dieser Blätter toastete ungefähr in folgender Weise: Die Geschichte der isr. Religionsgesellschaften in Frankfurt a. M., Mainz, Darmstadt, Wiesbaden, Bingen u. s. w., von welchen einige beinahe ein halbes Jahrhundert bestehen, hat uns zur Genüge gelehrt, daß das innige Aneinanderschlietzen und das zielbewußte Handeln der gesetzestreuen Elemente innerhalb des Judenthums in allererster Linie eS gewesen ist, welcheuns unseren heil. Glauben nicht nur in Deutschland uns erhalten hat, sondern welches *) Diese Widmung wurde vom dem Kinde des Jacob Grünewald (Johanna) vorgetragen. Beispiel auch befruchtend auf jene Länder gewirkt hat, in denen das alte Judenthum im Absterben zu sein schien. Sie können sich, meine Freunde, daher wohl vergegenwärtigen, daß die Bildung eines Vereins der GesrtzeSlreuen in dieser Stadt der Wissenschaft mit ihrem großen Kreise, die heute nach hartem Ringen und jahrelangem Kampfe dadurch zum Abschluß gelangt, daß ihrem Körper ein denkender Kopf und ein thätiger Arm angefügt wurde, in den Herzen aller wahren Jereim, die innigsten Gefühle der Freude und des Einvernehmens hervorgerufen haben. Ich glaube nicht unbescheiden zu sein, wenn ich im Namen der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands, welche durch die Zeitschrift, welche ich zu leiten das Glück habe, ein großes Band bildet, mein Glas erhebe und es auf das Gedeihen des neuen Vereins leere. Nachdem das Tischgebet gesprochen war, trennte man sich in heiterster Stimmung im Herzen um eine schöne und erhabene Erinnerung reicher. Außer H. Dr. Kahn und H. Dr. Bondi nahm an der Entwickelung der Verhälniffe noch hervorragenden Antheil, Herr Rabb. Dr. Marx-Darmstadt, welcher telegraphisch davon benachrichtigt wurde, daß auch er zum Ehrenpräsidenten der Gemeinde ernannt worden ist. Derselbe war durch Unpäßlichkeit am Erscheinen leider verhindert. Telegramme zu dem Feste liefen ein von demselben zwei, außerdem von Dr. Muuk-Marburg, Dr. Kohn-Ansbach u. a. m., Berwandten und Freunden des H. Rabb. Dr. H., wie H. Rabb. Dr. Pleßner-Ostrowo, Dr. Bamberg er Schildberg. Auch wurde ein Huldigungstelegramm Sr. Kgl. Hoheit dem Großh. v. H. und b. Rh. abgesandt. Hr. Rabb. Dr. Hirschfeld erhielt seine letzte Ausbildung in Ostrowo unter der Leitung seines OnkelS und Schwagers, H. Rabb. Dr. E. P l e ß n e r, der einen bedeutenden Ruf als Talmudist hat, und wo er fast volle 3 Jahre weilte. Das heilige Schabuoth-Fest nahet. Das Fest, welches eine Denkfeter ist, des größten, weltgeschichtlichen Ereignisses. Es brachte uns die geistige Freiheit, welche die Erkenntntß der Wahrheit gewährt, Wahn und Aberglaube verbannt, und unS durch die Beobachtung von Gottes Gesetz unS zur sittlichen Freiheit emporsteigen läßt. Die Befreiung, welche dem wahren Judenthume heute in dem Stadt und Landkreise Gießen geworden ist, ist nicht minder bedeutungsvoll; damals handelte es sich um das Geschenk der Thora an Israel, jetzt um die Wiedererlangung derselben für einen großen Thetl unserer Brüder. Hoffen wir, daß dieselben auch ferner den Muth besitzen werden, etnzuftehen für unsere heiligste» Interessen. Um alles Uebrtge haben wir uns nicht zu bekümmern. Die göttliche Hilfe ist uns ja für alle Zeiten zugesichert.