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Der Israelit · 1895-04-25 · Heft 33 (25.4.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 33 (25.4.1895)
Date
1895-04-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. MBB. Der Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhuw. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den SS April 5«SS (1895). Leitender Artikel. Nie Abfassung des Weiten Feiertags vor der badischen Synode. 11. Das Alter der Institution des zweiten Feiertags läßt sich historisch nicht mit Sicherheit bestimmen. Thatsache ist, daß der zweite Peßach-Tag schon ursprünglich einen besonderen festlichen Charakter durch die Darbringung des Omer-Opfers batte. Der zweite Schowuoth-Tag hatte eine erhöhte Feier ' nÄWst rra nnottr ausgezeichnet. Zwei Tage Rosch Chodesch finden wir bereits in Sauls Zetten erwähnt (Samuel XX 27.) War die Nothwendtgkeit den zweiten Festtag zu feiern durch die Ansiedelung eines großen Theils des jüdischen Volks außerhalb des heiligen Landes geboten, weil die Boten, welche die Festsetzung des Neumonds zu verkünden hatten, nicht rechtzeitig zu diesen entlegenen Orten gelangen konnten, so war schon zur Zeit der Exiltrung der zehn Stämme das Bedürfniß dazu vorhanden. Wie früh bereits der zweite Feiertag eingesetzt wurde, darüber wußte man bis jetzt nichts Positives, bis Herr Dr. Htl el Sondheim er aufstand und alle Zweifel durch den Machtspruch beseitigte: „Nachdem etwa fünfzehnhundert „Jahre von Moses an keine zweiten „Feiertage begangen worden sind, entstand ihre Feier aus folgendem „Grunde" u. s. w. Jetzt wissen wirS. — Da wir nun seit denk Patriarchen Hillel II. einen feststehenden Kalender besitzen, so meint der Heidelberger Patriarch Hillel III. kann von einem zweifelhaften Feiertage nicht mehr die Rede sein, ergo ist abzuschaffen. Die Steine zur Steinigung des Talmud holt unser abschaffungslustiger zeitgenössischer Dr. Hillel aus dem Talmud selber. Er belehrt uns: „Dkßhalb fragt auch schon der babylonische Talmud (Beza 4. 2.): „Da wir nun mit der Mondberechnung vertraut sind, warum begeben wir (in Babylonien) noch den zweiten Feiertag?" Die entscheidende Antwort laufet: Sie sandten von dort (von Palästina). Haltet den Gebrauch eurer Väter fest, denn die Regierung könnte eine Verordnung t-essen, infolge deren man wieder zu falscher Kalenderberechnung käme." Raschi erklärt: Die Regierung könnte verordnen, daß man sich nicht mit der Lehre beschäftigen dürfte; dann könnte die Kalenderberechnung wieder in Vergessenheit und die Feier der Feste in Unordnung qerathen." Die wenig correkte Wiedergabe dieser Talmudstelle wollen wir hier nicht bemängeln. Wer sich für eine sinn- und worttreue Uebertragung interejsirt, verweisen wir auf Hirsch's Pentateuch- Commentar (II. B. M., XII. 2), wo die lichtvolle Darstellung des zweiten Feiertags mit den Worten schließt: „Es ist daher eine völlige Wahrheit. daß für Israel in derZerstreuung erst die Feier des zweiten Tages dem ersten s ei neu g eh eil tgten, jüdtschenCharakter sichert." Unser Heidelberger Bezirks- und Konferenz- Patriarch macht sich nun zunächst über die Befürchtung lustig, die Regierung könne einmal die Beschäftigung mit der Thora verbieten, und meint über die Z:it der barbarischen Verfolgungen, in welcher uns verboten wurde, uns mit der Lehre zu beschäftigen, seien wir gottlob hinaus. Die Festberechnung sei selbst während des tiefsten Mittelalters nie in Unordnung gekommen. Heute aber seien die astronomischen Berechnungen in den Händen so vieler Gelehrten gesichert, die Buchdruckerkunst sei so weit verbreitet, daß die genannte Befürchtung keinen Boden hat und als thörtcht erscheint. Zur Illustration der Behauptung daß wir über die barbarischen Verfolgungen der Beschäftigung mit der Thora hinaus sind, brauchen wir nicht

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