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Der Israelit · 1895-04-22 · Heft 32 (22.4.1895) · page 23

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 32 (22.4.1895)
Date
1895-04-22
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Alliance Israelite Universelle. Schalen and Ijehrlingswerk. Adrianopel. Die Mädchenschule zu Adrianopel hat im Monate Dezember 1894 den Besuch des französischen Konsuls, Herrn Pinard, erhalten. Derselbe hat die Zöglinge persönlich geprüft und der Vorsteherin wie dem Personal seine volle Zufriedenheit ausgesprochen. Am 6. Januar d. J. hatte Mad. Pinard die Güte, die Wirthschaftsschule, welche Frl. Ungar in der Mädchenanstalt organisirt hat, zu besuchen; sie hat gleichfalls der Mahlzeit beigewohnt, welche den mittellosen Mädchen gereicht wird, und das Tagesgericht gekostet. Bei ihrem Weggange hat Mad. Pinard den Kindern einen tüchtigen Vorrath an Näschereien zurückgelassen; sie beglückwünschte Frl. Ungar wegen der Gründung der Wirthschaftsklasse, die den ärmeren Familien grosse Dienste leisten wird. Der Besuch der Dame gestaltete sich zu einem Feste für Kinder und Lehrerinnen. Philippopolis. Man wird mit Interesse Auszüge aus dem Berichte lesen, welchen Herr J. Cazds, Direktor der Schule zu Philippopolis, über das Fortschreiten des dortigen Lehrlingswerkes an das Central-Comite gerichtet; Im Jahre 1881 wurde das Lehrlingswerk der Alliance in Philippopolis ins Leben gerufen. Wenn die Alliance so manche Schwierigkeit, die Fanatismus oder Routine hervorgerufen, bei der Gründung der Schulen zu überwinden hatte, so war dem nicht so bei der Gründung des Lehrlingswei kes, das bald nach seinen Anfängen von den allseitigen Sympathien unserer Glaubensgenossen begrüsst wurde. Die Einen sahen darin eine Anwendung des talmudischen Satzes, dass das Torahstudium, um fruchtbar zu wirken, von der Arbeit begleitet sein muss: die Anderen, und das waren die zahlreichsten, diejenigen, denen das Werk am meisten Nutzen bringen sollte, sahen darin ein ehrenvolles und sicheres Erwerbsmittel, das zahllosen Familien aus der Noth zu helfen bestimmt war. Die Wohlthat war sozusagen eine in das Auge fallende, augenblickliche und fassliche. Sehr Wenige unter Denen, die die Alliance für diesen neuen Beweis ihres Interesses segneten, erkannten darin den moralischen Nutzen, den die Handarbeit für alle Diejenigen hat, die dieselbe bethätigen. Unsere arme jüdische Bevölkerung, die an das Elend und die soziale Erniedrigung durch viele Jahrhunderte hindurch gewöhnt war, konnte die Unabhängigkeit und moralische Würde, die dem Handwerker die Gewissheit, vom Ertrage seiner Arbeit leben zu können, verleiht, nur sehr wenig nachempfinden; aber auch dieses Verständniss entwickelt sich allmählich, und die Volksthümlichkeit Ihres Lehrlingswerkos nimmt immer mehr zu. Indessen hatte das Lehrlingswerk grössere Mühe, bei uns Wurzel zu fassen, als in einigen benachbarten Gemeinden. Wenn man dessen Nutzen auch nicht wegleugnete, so zweifelte man dessen Gelingen an. Leider waren die ersten Beispiele nicht sehr ermuthigend; mehrere Lehrlinge hatten sich nach ein- oder zweijährerig Lehrzeit auf eigene Rechnung etabliren wollen. Es waren leichte Handwerkszweige, die allenthalben überfüllt waren: Schuster, Schneider, Conditoren, etc. Natürlich konnten sie bei ungenügender Vorbereitung, ihrem Mangel an Mitteln, der Noth wendigkeit gegen die Konkurrenz zu kämpfen, keine besonders saubere Arbeit liefern. Es musste zwei schadenbringenden Neigungen entgegengearbeitet werden: erstens diejenigen Handwerke zu erlernen, die verhältnissmässig leicht, und nur dann lohnend sind, wenn eine besonders feine Arbeit geliefert wird, was bei Handwerkern, die in dieser Gegend ausgebildet werden, fast nicht zu erreichen ist; zweitens war es nöthig, die Neigung unserer Lehrlinge einzudämmen, sich als Meister niederzulassen, kaum nachdem sie die ersten Kenntnisse in ihrem Fache erlangt hatten. Dadurch versagten sie sich von vornherein jede Verbesserung, jeden Fortschritt, blieben immer auf derselben Stufe stehen, und bei den steten Fortschritten der Jndustrie heisst ein Mangel an Fortschritt Rückschritt. Das Central-Comite hat die Gefahr erkannt und derselben abgeholfen. Heute ist es uns vorgeschrieben, unsere Zöglinge nur ein schweres Handwerk erlernen zu lassen, wie das der Schmiede, Mechaniker, Wagenbauer, Schlosser, Tapezirer u. s. w. Unsere Schützlinge müssen zum mindesten drei Jahre bei ihrem Meister verbleiben; nach diesen drei Jahren entziehen sie sich unserer Vormundschaft, nicht aber unseren Rathschlägen. Wir haben jetzt in Philippopolis einige zwanzig früherer Lehrlinge, die ihr gutes Fortkommen haben und einen reichlichen Taglohn verdienen; mehrere sind verheirathet und Familienväter, die meisten haben sich auf eigene Rechnung etablirt, und ihre Geschäfte werden gut besucht; andere arbeiten auf Taglohn bei Tischlern, Schreinern, Wagenbauern u. s. w; vier ehemalige Zöglinge, zwei Typographen, ein Schreiner und ein Wagenbauer haben sich in Sofia niedergelassen und ihre Familie dorthin berufen, was den Beweis liefert, dass sie in der Lage sind, sie anständig zu ernähren. Unsere jetzigen Lehrlinge geben uns allen

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