Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 32 (22.4.1895)
- Date
- 1895-04-22
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Die Kolonisation Palästinas. Nachrichten aus den jüdischen Kolonien. Jaffa. Man darf die Schwierigkeiten nicht unterschätzen, welche bei der Frage erwachsen, für den Verkauf der Produkte aus den Kolonien einen festen Markt zu finden; denn da bekanntlich die weitaus grosse Mehrzahl der Kolonien sich dem Weinbau widmet, so muss man versuchen, für die Trauben, die man erntet, einen Absatz zu finden. Aber gerade hier liegt das Haupthinderniss; denn wie Jedermann leicht einsieht, sind die Trauben weder ähnlich haltbar, nocn in gleicher Weise transportfähig, wie etwa die verschiedenen Getreidearten. Dabei gliedert sich die Frage sofort wieder in zwei, nämlich ei stens: wie man die Trauben in Orten nutzbar machen soll, wo sich keine Kelter befindet, wie z. B. in den Kolonien Gederab, Rechotboh, dann aber in den Orten, wo es solche giebt, so in Sichron-Jaakob undRischon- Lezion, bezüglich der Verwendung des Weines. Dieses letztere Problem nun nimmt zur Zeit weniger die aufmerksame Sorge in Anspruch, weil der edelmüthige Baron Edmond v. Rothschild nicht nur in den von ihm protegirten Kolonien, sondern auch inWaad-el-Chanin und Rec hob oth den Bauern ihre Erzeugnisse abkauft. Der Preis der Weintrauben ist bei Baarzahlung ja ganz lohnend, aber der Haupt- und Kernpunkt der Frage bleibt doch der, ob man einen geeigneten Markt für den Wein finden kann. Endlich muss es doch auch dahin kommen, dass man den Wein aus freier Hand verkaufen kann. Denn der Preis, den der Baron für die Trauben zahlt, darf doch nur als ein Akt der Wohlthätigkeit angesehen werden, die schon desshalb schliesslich einmal aufhören muss, weil sie die Kolonisten in den eigenen und in fremden Augen herabsetzt und auf die Dauer ihnen die Arbeitslust benehmen muss. Gleichwohl ist der erste Theil der Frage, der dahin geht, Käufer für die in den Kolonien erzeugten Trauben zu finden, der weitaus schwierigere und erheischt eine sofortige LösuDg, weil die Kolonisten auf den Erlös aus den Trauben angewiesen sind. Beide Fragen wurden im Jahre 5654 (1894) in folgender Weise gelöst: Zunächst bemühte sich die Vertretung der '221N» mit Erfolg, im Lande selbst die billige Weinsorte abzusetzen, wobei der Liter durchschnittlich mit 40 Centimes bezahlt wurde. Obwohl diese Sorten mit den europäischen Weinen nicht konkurriren können, so entwickelte sich gleichwohl ein flotter Weinhandel in ihnen, bei welchem so gut wie Alles ausverkauft wurde. Die gutenWeinso ten geben, abgesehen davon, dass für sie kein Mangel an Käufern ist, zu den besten Hoffnungen für die Zukunft Anlass. So weit nun der Verkauf von Trauben in den Orten in Betracht kam, wo noch keine Keltern vorhanden sind, so wurden im Jahre 1894 die Trauben von Waad-el-Chanin und Rechoboth von der R o t h sch ild’sc h e n Verwaltung angekauft, so dass nur G e d e r a h sich zu folgendem Versuche genöthigt sah. Indem die Kolonie nur ein Drittel ihrer Trauben zu Wein verarbeitete, sollten |die .übrigen zwei Drittel zur Cognacbereitnng verwendet werden. Dies war natürlich leichter geplant, als ausgeführt. Es bedurfte nämlich zu diesem Versuche eines Fachmannes und dann wieder der nöthigen Fabrikationsapparate, zu deren Anschaflung ungelähr 7000 Frcs. erforderlich sind, eine Summe, welche die noch nicht selbstständigen Kolonisten natürlich nicht auftreiben konnten. Von der Erwägung ausgehend, dass ein Gelingen dieses Versuches weniger der Kolonie Gederah allein zu Gute kommt, als vielmehr einen Fortschritt der ganzen Kolonisationssache bedeute, gab das Odessaer Comitö 2 00 0 Frcs. zur Anschaffung der Apparate, und es ist Aussicht vorhanden, dass der Verein auch die übrigen Kosten tragen wird, welche den Kolonisten dabei erwachsen. Ferner fand sich unter den Kolonisten von Rischon-Lezion in der Person des Herrn Papiermeister ein Fachmann, der mehrere Jahre in einer Cognacbrennerei im Kaukasus thätig gewesen ist. Er verliess seine Weinberge, liess sich auf einige Monate in Gederah nieder und übernahm die Arbeit, ohne irgend welchen Entgelt dafür zu beanspruchen. Der Cognac, welchen er bereitete, steht an Güte dem europäischen nicht nach. Nunmehr haben die Ansiedler in Gederah für die folgenden Jahre keine Sorge wegen ihrer Trauben; nur mangelt ihnen das haare Geld, um den Cognac lagern zu lassen. (Fortsetzung folgt.) bSb