Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 30-31 (18.4.1895)
- Date
- 1895-04-18
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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XXX VI. Jatzrga»^ Dritte Seil, m M 30 & 31 des „Asraeiit". Literarischer Hrericht. Z«r JahreSwerrde. — Sieben Predigten, zum Schluffe deS Jahres 8654 und zum Beginne des Jahres 5655, in der Synagoge zu Lübeck gehalten von Rabbiner Dr. S. Car leb ach. (Durch den Verfasser zu beziehen.) Der Verfaffer der vorliegenden Predigten ist den Lesern des „Israelit" bereits durch frühere Publikationen bekannt, die an dieser Stelle die verdiente eingehende Würdigung fanden. Es liegen uns in der vorliegenden Schrift 7 Predigten vor, welche die eigenartige Meisterschaft des Verfassers wiederum in glänzendem Lichte erscheinen lassen. — Es ist schwer die Orig'nalität dieser Predigten zu veranschaulichen, resp. das Kriterium anzugeben, das sie so überaus vortheilhaft von ähnlichen Productioven unterscheidet. Zunächst berührt den Kenner unserer Predigtltterawr dir äußere Form dieser Predigten, welchen von unseren Schablouenpredigeru vielleicht das Recht Wr Führung dieses Titels streitig gemacht wird. Sie find, um es kurz zu sage«, die wtedererstandenen alten Derafchoth in neuem, modernem Sprachgewandt. Obwohl jeder einzelne Vortrag et« harmonisch abgerundetes Ganze bildet, steht mau den Redner nicht stch au äußeren Schematismus klammern, der den Zuhörer schon im Voraus durch Aufzählung der Abthetlungen erschreckt, die er über stch ergehen zu lassen hat. Die systematische Behandlung des Stoffes, in der bei vielen unserer modernen Predigten sich die ganze Weisheit des Predigers erschöpft, tritt nur dem tiefer Eindringenden entgegen. Für den Zuhörer machen die Predigten durch Form und Sprache den Eindruck einer schlichten Mittheilungsweise, -ot hwo inyn n« r*N, wie einer mit dem andern spricht. Der Prediger spricht nicht von hohem Cothurn zu seinen Hörern, sondern natürlich und einfach. Als ob es nichts als alltägliche Wahrheiten wäre», die er ihnen bietet. Dabei enthalten diese Predigten einen Schutz von feinen Lebensbeobachtungen und Erfahrungen, eine Fülle geistvoller Erklärungen von Aussprüchen unserer schriftlichen und mündlichen Thora und eine so finnige Anwendung derselben auf die Vorgänge des täglichen Lebens, daß «an i« der That eine« der gefeiertes Darschanim der alten Schule vor stch zu haben glaubt. Währendie blühende, farbenreiche Sprache vieler unserer modernen Predigten umsonst ^ch abmüht die dahinter steckende Gedankenarmut zu maskiven, werden uns hier die köstlichsten Perlen in so schlichter, natürlicher Fassung vorgeführt, daß oberflächliche Beurthetler leicht zu einem falschen Urthetl gelang« können. Bielen unserer Dutzendprediger dient ihre glänzende Sprache, um ihre Herzensmeinung zu verhüllen. Unser Autor gibt dagegen seinem Denken und Empfinden so schlichten, redlichen Ausdruck, daß er aller künstlichen Veranstaltungen entrathen kann, welche der Natürlichkeit und Wahrhaftigkeit Eintrag zu thun geeignet sind. — Wir möchten daher diese Predigten angehenden Predigern recht warm als Musterletstung empfehlen. Es wäre in hohem Grade zu wünschen, wenn Vorträge von solchem Geist und solcher Diktion von unseren Kanzeln ausgingen; sie würden den Weg zu den Herzen der Hörer sicher nicht verfehlen. Die Schrift ist dem Präses der Lübecker Gemeinde und dessen Gemahlin zu deren silberne» Hochzeit gewidmet; ein Umstand, der auf das harmonische Zusammenwirken von Rabbiner und Vorsteher yinweist, um welches den Verfasser ebenfalls viele College» beneiden dürften. — Die 7 Predigten find an rum r»n, ho, mso, may 'iw D’3S3 'd, rvnna ror und nj nane gehalten. Zeit»»gS»achrichte» und Corresporrderrze«. Deutschland. Berlin. In der Sitzung der Repräsentantenverfammlung am 31. März referirte Herr Martin Simon über die geplante Einrichtung einer Central- Auskunftsstelle und eines Verbandes für die jüdische Armenpflege in Berlin. Wie Herr Simon ausfüh-t. ist dieser Plan hervorgegangen aus einer Denkschrift des früher dem Borstaude angehörenden Herrn Rechtsanwalt B. Bresttmer. Man wolle eine Hebung der Wohlthätigkeitspflege, bezw. eine Reorganisation derselben herbetführen, und sei es namentlich anzunehmen, daß einerseits der professtonsmäßtgen Bettelei entgegengetreten werden kann, während andererseits den würdigen Bedürftigen durch das Zusammenwirken der verschiedenen Vereine ausgiebig geholfen werden solle. Referent bittet, für die Verwaltungskosten vorläufig auf ein Jahr 4000 M. zu bewilligen. Herr Louis Sachs begrüßt die Vorlage mit Freuden, erklärt jedoch, derselben nur zusttmmen zu können, wenn alles Weitere, namentlich Statuten u. dgl. mehr, der Repräsentantenversammlung zur Genehmigung vorgelegt würden. Herr Jacoby vom Vorstand sagt das zu. Die Vorlage findet überall beifällige Aufnahme und wird schöchttch einstimmig angenommen.