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Der Israelit · 1895-04-01 · Heft 26 (1.4.1895) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 26 (1.4.1895)
Date
1895-04-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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521 Stadt hatte und nicht so spät zurückkommen wollte. Das war Anny angenehm, denn ste war nicht dazu aufgelegt, gletchgiltige Unterhaltung zu führen. Die Frau ging ab und zu und da Anny fie nicht anredete, schwieg ste auch. Als Anny gegessen hate, ging fie allein nach dem Hotel zurück, ruhte ein wenig aus und fing an, da es mittlerweile Zeit geworden war, fich für den Besuch beim Consul umzukletden. Punkt sieben Uhr hielt der Wagen des Consuls vor dem Hotel und ein reich gallonirter Diener meldete es Anny. Diese war auch bald bereit und in kurzer Zeit stand ste in der Wohnung des Consuls vor den Damen des Hauses. Diese von dem Consul schon vorher unterrichtet, nahmen Anny mit freundlichem Wohlwollen, natürlicher Herzlichkeit, aber auch mit unverhohlener Neugier und Bewunderung auf und versuchten alles, ihr den Aufenthalt in ihrem Kreise recht gemüth lich zu gestalten. Mit echter Bescheidenheit wies ste das Lob, welches man ihr wegen ihres Muthes zollte, zurück und stellte ihr Thun nur als eine Pflicht hin, die jedes andere Mädchen an ihrer Stelle auch erfüllt hätte „Von einem jungen Manne", sprach die Frau des Consuls, „könnte man nichts anderes erwarten. Von einer Dame setzt es uns in Erstaunen, ruft Bewunderung hervor." „Die ich entschieden nicht verdiene", protestierte Anny. „Mein Vater hat nur eine Tochter,und als einziges Kind liegt es mir ob, auch die Pflichten zu erfüllen, die, wenn ich einen Bruder hätte diesem zufallen würden." Der Consul hatte eine Tochter in gleichem Alter mit Anny. Diese fühlte sich zu der schönen Fremden besonders hingezogen und schloß noch an demselben Abend einen Freundschaftsbund mit ihr. Auch ste war ein sehr schönes und feingebildetes Mädchen und war entzückt, in Anny eine Partnerin für Musik gefunden zu haben. Wie im Fluge verging Anny der Abend unter diesen lieben und freundlichen Menschen, und es war lange nach Mitternacht, als ste der Wagen des Consuls wieder ins Hotel brachte. Am anderen Tage stellte sich ihr ein Herr Hawkins vor, den der Consul ihr zugeschtckt. Es war ein schöner, gewandter Mann, Ende der Dreißig, dessen intelligentes Antlitz ihr Vertrauen eivflöste. Der Consul hatte ihm schon alles mitgetheilt und er kam, sich und seine Dienste Anny zur Verfügung zu stellen. Anny besprach alles mit ihm, und als sic geendet hatte, ging sie an ihren Schreibtisch, um Herrn Hawkins Geld und die nöthigen Papiere zu geben. Sie zog eine Schieblade auf und konnte einen Schrei des Schreckens nicht unterdrücken; die Schieblade, in welche fie ihr Geld gelegt hatte, war leer, ihr Geld bis auf den letz'en Penny gestohlen. Sie suchte in allen Schiebladen des Schreibtisches; vergeblich; ste fand nichts. Bestürzt theilte ste Hr. Hawkins die Verlegenheit, in der sie sich befand, mit. Dieser half ihr noch einmal suchen und als ste wiederum nichts fanden, fragte er: „Wieviel Geld halten Ste in der Schteblade?" „Zweihundert Pfund", sagte Anny; „mein anderes Geld und meine wichtigen Papiere habe ich dem Wirth in Verwahrung gegeben." Herr Hawkins untersuchte nochmals den Schreibtisch, unterwarf sämmtltche Schlösser einer eingehender Besichtigung und sagte alsdann: „Wir müssen den Wirth benachrichtigen. Wen» ich nicht irre ist der Diebstahl von einem äußerst schlauen Gauner verübt worden, den die hiesige und die Londoner Polizei schon lange sucht. Wir kennen ihn unter dem Namen the Red pick-pocket. Alle Zeichen deuten auf seine Arbeit hin." Mr. Hawkins drückte auf den Knopf der elektrischen Schelle und bat. den darauf etntretenden Kellner, den Wirth sofort heraufzuschicken. Der Wirth erschien, und als er Mr. Hawkins im Zimmer sah, erschrack er. Er kannte den geschickten Detectiv und wußte sofort, daß ihm dieser etwas Unangenehmes mttzuthetlen habe. „Ste wünschen, Miß Pretorius?" fragte er eintretend. Doch anstatt Anny antwortete Hawkins: „Haben Sie neues Personal?" „Das Personal wechselt oft m einem Hotel", versetzte der Wirth, „aber gerade das Personal in dieser Abtheilung ist alt und erprobt." „Bei Miß Pretorias ist ein Diebstahl verübt worden. Man hat ihr 200 Pfund aus diesem Schreibtisch entwendet." „Das ist nicht möglich", entgegnete der Wirth bestürzt. „Dieser Schreibtisch ist mit den besten Sicherheitsschlössern versehen und selbst wenn Mltz den Schlüssel hätte stecken lassen, hätte kein Uneingeweihter das Schloß öffnen können; ich selbst habe Miß Pretorius gestern den Mechanismus gezeigt". Anny nickte bejahend und Mr. Hawkins sagte: „So liegt mein Verdacht auf der rechten Person. Kennen Sie den „Red pick-pocket.“ „Welcher Hotelier sollte den Namen dieses Erzgauners nicht kennen? Aber er ist ja nicht hier, er ist Drüben." „Ist nicht gestern der Castel Dampfer, vorgeftern der Nubtan angekommen?

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