Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 25 (28.3.1895)
- Date
- 1895-03-28
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Gchopfloch Durch Lehrer M. Rosenstein 5 M. T. H. in L. 4 M. Verden. Durch Lehrer Braunsberg 4 M. Winzenheim. Aus R. I 3 M. Wesel. Durch Lehrer Spier 5 M. Waunbach. Aus R. I 5 M. W. A. in S 5 M. Wetzlar. Aus R. I 4 M. Zirndorf. Durch Lehrer Mich. Kahn 4 M. Oie Ebene des Philisterlandes. (VI. Fortsetzung und Schluss.*) Der Gretreidebandel von Gaza war früher grösstentheils in den Händen der Christen; derselbe wird aber bald in die Hände der Juden übergehen. Gerste wird meistens eine halbe Million Kele Stambulije (zu acht Kilo) ausgeführt, bei guter Ernte auch mehr. Die Weizenausfuhr war früher bedeutend, hat aber jetzt abgenommen. Doch geht viel Weizen im Laufe des Jahres über Jaffa in’s Ausland. Wolle und Thierhäute kommen ebenfalls in Handel. Coloquinten von Gaza gehen in bedeutenter Menge nach Europa, auch nach Hamburg. Die Einfuhr von Manufacturwaaren ist bedeutend, namentlich von Leinwand- und Baumwollgeweben; an 10 0.0 0 0 Menschen kaufen ihre Kleidung in Gaza. Kolonialwaaren werden natürlich eingeführt; übrigens lebt Gaza und das Land der Philister von sich selbst und giebt noch von seinem Ueberflusse an Jerusalem ab, namentlich Eier, Hühner und Gemüse in Masse. Fleisch und Lebensmittel, welche eingeführt werden, haben denselben Preis wie anderswo; Getreide und Früchte, sowie Gemüse sind meistens bedeutend billiger wie anderswo. Luxus und Unterhaltung kosten in Gaza nichts, denn dergleichen Bedürfnisse liegen noch in der Wiege. Gaza hat weder eine Weinschenke noch eine Schnapsbude, auch kein anständiges Kaffeehaus. Fremde finden in den Missionsanstalten, im Khan und in Privathäusern Unterkunft. Gaza hat ca. 3 0.000 Einwohner, die Dörfer des Bezirks von Gaza zählen etwa 5 0.000 Einwohner; Beduinen sind ebensoviel oder noch mehr. Gaza zahlt etwa 50.000 Francs Zehnt, Medschdel 4 0.000; Faludsche, Breir und Khan Junes 30.000 Francs; Esdud, Jebna, Hamame u. s. w. 2 0.000. Im Ganzen zahlt der Bezirk von Gaza jährlich an anderthalb Millionen Francs Steuern, und beim Steueramte in Jerusalem heisst Gaza allgemein die Goldgrube giorat ed-dahab. So war es schon in alten Zeiten. Als der Bischof von Gaza den Kaiser Arkadius bat, die Götzentempel von Gaza zu zerstören, entgegnete der Kaiser: Die Gazenser zahlen grosse Abgaben. Gaza hat fast dieselben Behörden wie Jerusalem, nur *) 8. Nr. 535. sind erstere letzteren untergeordnet. Dahin gehören : Verwaltungsrath, Gerichtshof, Gemeinderath, Steueramt, Standesamt, Zollamt u. s. w., Polizei zu Fuss und zu Pferde, Offiziercorps für zwei Reservebataillone, Post zwei Mal in der Woche von und nach Jaffa, Sanitätsamt, Ackerbau-Bankfiliale, Staatsschuldenamt, Tabakmonopol etc. Gaza hat ein internationales Telegrapuenamt und vermittelt den Verkehr zwischen Kairo und Beirut. Die Gazenser lesen fleissig arabische Zeitungen und politisiren eifrig über die egvptische Frage, über Elsass-Lothringen, Panama und das deutsche Militärgesetz. Der Fanatismus ist in Gaza kaum bemerkbar; in keiner Stadt Palästinas leben Christen und Mohammedaner unter einander so in Eintracht wie in Gaza. Man möchte meinen, in einem solchen Lande sollte allgemeiner Wohlstand herrschen; das ist aber nicht der Fall. Wohl giebt es Einzelne in der Stadt und auf dem Lande, die Kisten und Kasten voll Goldes und Silbers haben, die Bevölkerung ist indessen im Allgemeinen keineswegs wohlhabend; Ursache davon sind: der Wucher, der Zehnt, die Bestechlichkeit der Beamten und die Unfähigkeit der Leute. Das grösste Unglück für das Land der Philister besteht daran, dass die Regierung nicht den Muth hat, einer Familie in Gaza, die nur Böses thut, das Handwerk zu legen. Eine Deputation von acht Personen begab sich zu diesem Zwecke neulich nach Konstantinopel. — Es fragt sich nun, ob Ausländer im Lande der Philister ein Unterkommen finden könnten. Darauf ist zu antworten: Einzelne in keinem Falle, wohl aber Mehrere zu einer Gesellschaft mit einander vereinigt. Die Ursachen hiervon sind theils selbstverständlich, theils in der starken Strömung gegen die Ausländer zu suchen, die gegenwärtig in Palästina herrscht. Dasselbe gilt von Palästina überhaupt, was jedoch keineswegs so bleiben wird j namentlich würde eine Eisenbahn von Syrien nach Egypten im Lande der Philister gar Vieles ändern. Es wird also jedenfalls gut sein, diesen Theil des heiligen Landes wohl im Auge zu behalten.