Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 24 (25.3.1895)
- Date
- 1895-03-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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486 Stellen aus dieser vortrefflichen Rede mögen hier angeführt werden: „Herr Tokios ist hier geboren und erzogen, und die Leute unserer Stadt kennen ihn seit seiner frühesten Jugend, seit einer langen Reihe von Jahrzehnten. Nun frage ich, hat noch Jemand aus seinem Munde ein zweideutiges Wort vernommen, ein Wort, das irgendwie einen Anstrich von Heuchelet und Schmeichelet an sich trüge? Nein, er hot immer das, was er dachte, drslimmt und entschieden und ohne Scheu vor irgend einem Menschen ausgesprochen, ohne Rücksicht, ob seine Meinung bei dem Hörer Zustimmung finden wird, oder nickt. Herr Toklas hat sich immer gez"igt als ein non als ein Mann, der die Wahrheit liebt und sucht und die Lüge haßt und meidet, als ein Mann der Wahrhaftigkeit. Schon dieser eine Zug bekundet es, daß wir es mit einem Manne von Charakter zu thun haben, und zwar mit einem Manne von moralischem Charakter; denn rrapn bv lomn „die Wahrheit ist das Siegel Gottes". „Der Jubilar denkt vom Judenthume groß und erhaben. Die Satzungen des Judenthums find ihm heilig, die Sitten des Judenthums sind ihm ehrwürdig, die Nationalität des jüdischen Volkes ist in seinen Augen schön und edel; und er will, daß dieses alte, wahre, unverfälschte und unverkümmerte Judenthum in einer solchen Gestalt auftrete, daß es auch der Außenwelt Achtung einflöße und Respekt gebiete. Das Judenthum trete, ohne etwas von seinem heiligen Ernst aufzugcben, doch vereint mit moderner Civilisation auf, vereint mit zeitgemäßer Bildung und Kultur, daß alle Völker auf den jüdischen Siamm mit Achtung Hinblicken und spreche»: nin totn in ymi nun vp pi. „Fürwahr, ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation." Das ist die Anschauung, die der Jubilar vom Judenthume hat. — Und ist diese Anschauung bei ihm nur ein todter Gedanke? Beherrscht sie nicht sein Fühlen und Wollen, sein Thun und Lassen? Er lebt dieser Anschauung gemäß, sie ist die Richtschnur seines Handelns und Wandels." In dieser anschaulichen lebendigen Weise stellte der verehrte Redner das Bild der interessanten Persönlichkeit dar, der die Feier dieses Tages galt. Zahlreiche Beweise der Verehrung und der Dankbarkeit wurden dem Jvbelpaar von Nah und Fern zu Theil. Unter den vielen Ehrengästen, die sich zur Beglückwünschung im Hause dcs.H. Toklas einfanden, bemerlten wir die obersten Beamten unserer Stadt, den Landrath und den Bürgermeister. Möge der himmlische Vater wie bisher so auch weiterhin seine'rschirmende und schützende Hand über dem Haupte der greisen Eheleute ausgebreitet hallen und sie im trauten Kreise ihrer Kinder und Enkel noch viel Glück und Freude schauen lassen! Würzburg. Es dürfte von Interesse für das zur Wohllhättgkctt stets bereitwillige jüdische Publikum sein, daß sich ein mit Papieren auf den Ramm M. Rosen sie in lautend russischer Bettler herumtreibt, welcher zum Zwecke Einsammelns von Almosen Empfehlungsschreiben fälscht. So zeigte er hier in mehreren Häusern eine Empfehlung des Herrn Distrikts Rabbiners Vamberger dahier (geschrbben auf eine Vrsitkarte des Genannten) vor. Da man jedoch Mißtrauen hegte, wurde Rosenstein veranlatzt, zum Hrn. Rabbiner zu kommen, woselbst er von seiner Fälschung überzeugt und die Karte ihm abgenommen wurde. Ein weiteres Empfehlungsschreiben von einem anderen Rabbiner ausgestellt, wurde ihm ebenfalls wegen Verdacht einer Fälschung zu dem Zwecke abgenommen, um bei dem betressenden Herrn sich Gewißheit zu verschaffen. Hier bei der Armenkasse gab er seinen Namen unter Abraham Kavalskt aus Btndschow an. Nebenbei sei bemerkt, daß Rosenstein 37 Jahre alt und als besonderes Kennzeichen eine Schußwunde an der Stirne hat. Oe st er r.-Ungar. Monarchie. Budapest, 23. März. (Magnatenh aus.) Das Gesetz über die Rezeption der Juden ist in namentlicher Abstimmung mit 118 gegen 112 Stimmen abgelehnt worden. vermischtes. Petersburg.' Wie der „Woschod* miizutheilen weiß, hat das Elisabetgradsche Stadtamt von Chersonschen Gouverneuer ein Circular erhalten, nach welchem bestimmt wird, datz zur Verwaltung der Korotzka Bevollmächtigen weder Rabbiner, noch Mitglieder von Synagogen-Bethäusern-und jüd. Wohllhätigkeitsvcrwaltungen zugelaffen sind und datz die Verwaltung im ganzen laut § 40 über die allgemeinen Punkte der Korotzkasteuer geleitet wird. R. Kn o pp i ng. Prag Der Herr Erzherzog Karl Ludwig hat als Protector des k k. österreichischen Handelsmuseums in Wien den Prager Großindustriellen Herrn Gotilieb Bondy für weitere drei Jahre zum Curator dieser Anstalt zu ernennen geruht. In der nDN min 'l'O' trän Verein zur Erhaltung armer Jefsode-Thora-Zöglinge in MatterSdorf (Ungarn) hat dieser Tage die öffentliche Prüfung mit dem glänzendsten Erfolge stattgefunden. Herr Wolfgang Trebitsch in Wien hat mehrere Stipendien gestiftet, die dieses Jahr zum erstenmal zur Bertheilung kamen. AnS Galizien. Nach dem Rechenschaftsbericht des Kolel Galizien gingen in diesem Lande zu Gunsten der Armen des h. Landes im Jahre 1894 fl. 57328,95 ein, welche bis auf fl. 4960,10 Verwendung fanden.