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Der Israelit · 1895-03-21 · Heft 23 (21.3.1895) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 23 (21.3.1895)
Date
1895-03-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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WWWMWWM 461 billiger zu producieren und zu verkaufen. Sie sind daher dem russischen Volke vom großem Nutzen." Der bedeutendste Nalionalökonom Rußland, Aksakow spricht sich dahin aus, daß die Juden bei größerer Freiheit ein nicht zu unterschätzender Faktor zur Hebung des Volkswohlfahrt sein werden. Auch keine religiöse Motive stehen der Judenemancipation in Rußland hindernd im Wege, die russische Geistlichkeit ist fast durchweg duldsam, sie erkennt den ethischen Gehalt der Bibel und der rabbinischen Litteratur neidlos an. Ein berühmter russischer Prediger redet seine Gläubigen also an: „Wenn wir nur unsere Verwandten und Freunde und Glaubensbrüder lieben, handeln wir dann besser als die Heiden? Alle Menschen, wer sie seien, müssen wir lieben. Die antisemitische Bewegung stört die öffentliche Ordnung und Ruhe, sie steht im Widerspruch mir der christlichen Liebe". Em anderer Prediger weist auf die tiefstnnigeu jüdischen Sprichwörter hin und bekennt, daß Christen aus dem Talmud und von den Rabbinen viel Gutes lernen können. „War es nicht Moses," ruft ein Metropolit aus, „der das erhabene Wort der Liebe zuerst gekündet, ist es nicht sein Gesetz, das die Rache verbietet. Ist uns nicht mit den Juden die Grundlage aller Gesittung und das hochheilige Dogma von einem Gott gemeinsam! Hochangesehene Männer treten für die Emancipation der Juden ein, im Jntereffe des russischen Reichs. Bourbaki rühmt von den jüdischen Soldaten, daß sie sich tapfer und heldenhaft schlugen, wenn man sie nur zu behandeln wisse. Ganz in derselben Weise äußert sich eine ganze Reihe von Stimmen. Katkow meint, man müsse aus den russischen Juden, Russen jüdischen Glaubens machen. Und Rußlands größter Dichter schreibt: „Uns Ruffen bleibt nur eines übrig zu erröten für uns selbst und für unser Vaterland." Es ist uns aus Raummangel unmöglich, weitere Citate anzuführen. Man sieht schon aus den angeführten, wie die russischen Juden der Emancipation nicht nur bedürfen, sondern auch würdig sind. Seien wir darum froher Zuversicht und eingedenk des Wortes„Was vernünftig, was gerecht ist, geschieht auch schließlich." X. Zeitungsnachrichten nnd Vorrefpondeuzen Deutschland. Bs. Berlin Es ist bekannt, daß die Juden auch außerhalb Deutschlands die hartnäckigsten Vorkämpfer der deutschen Sprache sind, man weiß auch, daß sie in Posen und Westpreußen in ihrer großen Mehrzahl der Verbreitung der deutschen Sprache dienen, und es ist nun doppelt interessant zu erfahren, daß sie dies auch im Westen, in Elsaß Lothringen thun. Dr. Karl Wäscher schreibt in seinem Grundriß der Statistik der Staatenkunde Seite 98 wörtlich: „In Lothringen stehen die Aussichten der deutschen Sprache ebenfalls gut. Jüdische Pferdehändler, die deutsche Verwaltung und die allgemeine Wehrpflicht sorgen für die Verbreitung der deutschen Sprache in den rein französischen Dörfern." In einer Anmerkung fügt Walcher hiezu: Wie mir ein höherer Beamter des Reichslandes gesprächsweise mittheilte. Schweiz. Baden (Schweiz). Ein befreundeter, christlicher Gelehrter, dem ich die kürzlich erschienene Uebersetzung und Erklärung unseres Gebetbuches von Samson Raphael Hirsch zufandte, äußerte sich darüber in einem Briefe, aus welchem ein Passus, der die judenfeindliche Strömung der Gegenwart als eine Gnadenerweisung Gottes bezeichnet, von allgemeinem Interesse sein dürfte.— Die Stelle lautet: „Ich muß Ihnen nochmals für das schöne Buch Dank sagen, tu dem ich bereits ein ziemliches Stück durchgelesen habe, mit unendlich viel Belehrung und meiner Zustimmung, schon zu der sehr schönen Auffassung des Gebets aus pass IV. der Einleitung. Wie sicher ist doch das Ewige und Wahrhaftige, das auch ein Glied eines anderes Volkes und einer anderen Religion, so gut verstehen kann! Klar ist mir aber auch neuerdings an dem Verfasser des Commentars geworden, wozu die schweren Leiden des israelitischen Volkes gut waren. Welcher Unterschied zwischen einem solchen Juden und denjenigen, die wir historisch aus den Evangelien oder aus Josephus kennen! Diese Erziehung seither ist nicht umsonst gewesen." „Und so denke ich mir, wird es auch nichts anderes, als eine große Gnadenerweisung Gottes sein, wenn jetzt wieder an die Stelle jener oberflächlichen Gleichstellung, die das Ideal aller Ihrer Reformer war und ist, die weniger angenehme, aber vertiefende und vor Gleichgiltigkeit rettende zwangsweise Absonderung tritt, und dieser Abweg mit Dornen verzäunt wird für die, welche nicht folgen wollen." „Wir werden uns aber immer, so lange ich noch lebe, über diese Dornenhecke hinüber freundlich und, meinerseits gesprochen, mit tiefer Dankbarkeit dafür ansehen können, was dieses Volk auch für uns und alle Völker gethan und gelitten hat." Auch für unsere zeitgenössischen Gebetbuch- Reformatoren, enthält dieses Urthetl einen nicht mißzuverstehenden Wink. — So lange gebildete Christen sich so anerkennend über unsere alte Tefilloh äußern, erscheint die Rücksicht auf unsere nichtjüdtsche

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