Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 23 (21.3.1895)
- Date
- 1895-03-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI. Jahrgang. M 23 Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudentßum. Begründet von vr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 21. März 5655 (1895). Da mit dem 1. April. 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. 8445. Leitender Artikel. Kagaday schek Weßach. Neunte Serie. III. Mainz, 20. März. An der Beracha -uw, schließt sich der zweite der vier Becher, welche für die Tischordnung der Sederabende vorgeschriebe» sind. Bei jedem Becher wird aufs neue die Beracha ns trra pan wiederholt. Es folgt sodann die vor der Mahlzeit vorgeschriebene Waschung der Hände, n'snon rona und dxd rfcow by ronn über den vorgeschriebenen Genuß der Mazzah und -»ne r6n» by über den Genuß des Bitterkcauts, sowie der gleichzeitige Genuß von Mazzah und Maror. Jeder dieser einzelnen Akte, auch diejenigen, die uns sonst im Jahre geläufig sind, wie die Segenssprüche über den Genuß von Wein, Brod u. a., erhalten, wenn sie in der Gedächtnißstunde unserer Befreiung sich aus den bewegten Herzen über die betenden Lippen ringen, ihre eigenartige durch den ganzen Charakter der Sederabende gehobene Bedeutung. Obwohl der Wein das Produkt einer Baumfrucht ist, sprechen wir über denselben nicht den für alle sonstigen Baumsrüchte vorgeschriebenen Segensspruch. Unsere Weifen haben vielmehr für den Wein wegen seiner Vorzüglichkeit einen besonderen Segensspruch angeordnet, welcher Gott speziell als den Schöpfer der Frucht des Weinstoäs feiert. Die Fassung dieser Beracha dürfte auffallend erscheinen, da nicht der Wein, sondern die Traube die unmittelbare Frucht des Weinstocks ist. So lange der Wein Frucht des Wetnstocks ist, ist er eben noch nicht Wein und gerade dadurch, daß er aufhört Frucht des Weinstocks zu sein, erlangt er erst die Vorzüglichkeit, auf Grund welcher ihm eine besondere hd-d zuerkannt wird. Aber aus den Schwingen des „neuen Liedes," das uns über alles Trübe und Herbe der Gegenwart mnte v'v'.n. in jene Zeit versetzt, in der es kein Leid und Weh mehr gibt, erscheint auch der Segensspruch über den Wein in einem anderen Lichte. Unter den Anzeichen jener Zeit, die sich schon vor ihrem Eintritt geltend machen werden, überliefern u. a. unsere Weisen, ms jnn isjh. daß der Wetnstock seine Frucht gibt. (Sotah sol. 49 d.) Es ist dies die Zeit, in welcher die Natur wieder der Menschheit freundlich zulächelt, weil sie endlich den Fluch überwunden hat, der seit der ersten Sünde auf der Erde und ihren Erzeugnissen lastet. Ursprünglich bot ja die ganze Natur ihre Produkte ohne Weiteres den Manschen zum Genüsse da. Erst seitdem das Gotteswort gesprochen wurde: or6 *j’dk nyn „Im Schweiße Deines Angesichts sollst Du Brod genießen," lastet der Dornen- und Distelfluch auf allem, was die Erde hervorbringt. Es muß dem Boden und demnach der Gesellschaft in heißem Kampfe abgerungen werden, bevor es sich zum Lebensgenüsse eignet. Gehören die Wunden, welche dieser Kampf schlägt, zu dem bittersten Weh, unter welchen die Menschheit seufzt, so begreift es sich, datz jene Zeit, in welcher Gott jede Thräne von jedem Antlitz trocknet, wieder den ursprünglichen Zustand Herstellen muß, in welchem vor der ersten Sünde die Natur leicht und willig die Mittel zum Leben bot. Unter allen Produkten der Erde gibt es viel-