Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2446951-2448559-2448581--40405-2489316
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

431 Mit der im Centrum Berlins belegenen Sackgaffe „Der Judenhof" ist die älteste Geschichte unserer GlaubenSgenoffen in Berlin eng verknüpft. Der „Bär", illustrirte Zeitschrift für die Geschichte Berlins, bringt zu der Geschichte Desselben in seiner Nummer 23 folgenden intereffanten Beitrag: „Der Judenhof liegt östlich von der Jüdenstraße; es führt zu demselben ein Gätzchen zwischen Sieber-und Parochialstr.. das sich zu einem unregelmäßig gestalteten Viereck, dem Judenhof erweitert. Der Judenhof war bereits Ende des 13. Jahrhunderts als verschließbarer Wohnsitz der Juden eingerichtet, deren erste urkundliche Erwähnung in das Jahr 1317 fällt. Die älteste Geschichte der Juden in Berlin ist mir Blut geschrieben, und die Judenhöfe in Berlin sind oft der Schauplatz wüster Greuelscenen gewesen, die ihren Grund in Glaubensfanatismus und sozialen Nothständen hatten. Ihren Höhepunkt erreichten diese Judenverfolgungen in dem Strafverfahren, das i. I. 1510 38 Juden einem qualvollen Flammentode überlieferte, und in der grauenvollen Hinrichtung des Juden Lippold i. I. 1573. Sie fanden ihren Abschluß erst in dem Schutzedikt, das der Große Kurfürst am 21. Mai 1671 erließ. Ende des 17. Jahrhunderts erwarben die Juden dann auch allgemein das Recht, außerhalb der Juvenhöfe Häuser zu kaufen und damit verloren die Judenhöfe bald ihren eigenartigen Charakter. In älterer Zeit durften die Juden nur auf ihren Höfen wohnen. Diese wurden Abends verschlossen und von Stadtknechten bewacht. Auf dem großen Judenhofe befand sich die älteste Synagoge, erst später — wann ist unbekannt — wurde eine auf dem kleinen Judenhofe erbaut. Authentische Nachrichten, wie es auf dem großen Judenhofe aussah, sind nicht zu uns gekommen. Schwebe! giebt m einem seiner Werke ein Phantasiegebilde, das der Wirklichkeit wohl nahekommen dürfte. „Schmutzige Kehrichthaufen", sagt er, „machten ihn unwegsam, die Fachwerksbuden schienen dem Zusammensturz zu drohen. Auch das Aeußere der Synagoge war mehr al» bescheiden; es wäre sehr unklug gewesen, wenn die Juden sich mit ihrem Reichthum hätten brüsten wollen. Barfüßige, krausgelockte Kinder balgten sich im Schmutze herum; frühverblühte Weiber in Lumpen versuchten es vergeblich, deren wildem Treiben zu steuern. Wenn aber ein RitterSmann mit sporenklingendem Schritt, wenn ein Rathmann in pelzverbrämtem Gewände zu dunkler Abendstunde sich in das Innere solch einer Judrnbude (?) begab und die Vorhänge von der Thür deS Wohnzimmers zurückgeschoben hatte, dann mochte er wohl erstaunt ein wenig zurücktreten. Ueber die Rolle der Thora gebeugt, saß dort vielleicht ein ehrwürdiger Greis von patriarchalisch-ernstem GestchtSauSdruck und dort lauschten ihm, den Blick sehnsüchtig in die weite Ferne gerichtet eine Tochter Juda's von ergreifender fremdländischer Schönheit; aus dem Haupte, von dem ein langer Schleier herabfloß, eine Haube, um den Hals ein Perlenhalsband und auf der Spange des Mantels einen funkelnden Edelstein, der doch nicht schöner strahlte, als das dunkle, mandelförmige Auge. Oder, der Hilfesuchende traf die gesammte Familie bei der silbernen Lampe, und es tönten ihm Psalmen und Tischgesänge von mehr als lOVOjährigem Alter entgegen; kurz, das streng abgeschlossene, geheimnitzvolle jüdische Familienleben entfaltete seine düstere Poesie in Berlin ebenso gut wie in den Städten des deutschen Südens und Westens." So haben wir uns das Leben im großen Judenhofe vorzustellen — bemerkt der Bär dazu. An all das Fremdartige erinnert nun noch der Name. Der jetzige Judenhof ist ein stilles Plätzchen von kleinstädtischem Gepräge in unmittelbarer Nähe der geräuschvollen Hauptverkehrsadern der Reichshauptstadl. Das Häuschen mit der Steintreppe im Judenhof, vor der sich die stattliche alte Akazie erhebt, gehört dem Ende des 17. Jahrhunderts an. ES dürfte mit dem des Geheimraths Wilh. Duhr an identisch lein, der nach dem Schutzedikt die Jurisdiktion über die Juden zu üben hatte." T Anzeigen. "W« Für den folgenden Thcil ist die Redaction nicht verantwortlich. Bitte, verlangen Sie dusdrücklicfö den vielfach höchst prämurten: Cossmanns gebr Java-Kaffee 2u 85,30,35J00Pfg.p%U:Packet. A.Cossmann Köln-Deutd Ohne preimMis! Auf unter Aufs. | IW2J Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Frank in Köln. Man erbitte Preiscourant. H>urch die Versetzung des seitherigen Inhabers der isr. SchulfMe in Erdmannrode ist diese Stelle mit dem I. d. MtS. vakant geworden. DaS Einkommen der genannten Schulstelle beträgt neben freier Wohnung, aber einschließlich der Feuerungs-Entschädigung jährlich 940 M. Hierzu kommt noch das Einkommen durch die Ausübung des Schächterdienstes. Bewerbungsgesuche und Zeugnisse — letztere zunächst in unbeglaubigter Abschrift — sind bis zum 20. d. MtS. an die Unterzeichnete Behörde zu richten. J jFuld U, den 6. März 1895. Vor steheramt der Jsraeliten-I I493)j2 Cahn, Provinzial-Rabbiner. I Kmben-Peustonat Direct. Berger Mainz. Das Institut ermöglicht seinen Pensionären, die hiesige höhere Schulen besuchen sollen, durch gewissenhafte Leitung in der Freizeit und sorgfältige Neberwachung der Schularbeiten ein regelmäßiges Aufsteigen in die höheren Klassen und Erreichung der Berechtigung zum Einjährig - Freiwilligendienst, ohne ein Examen ablegen zu müssen. Gründliche Vorbereitung für alle Gymnasial- und Realschulklassen, zur Prüfung für den Einjährig-Freiwiüigendienst, sowie für den kaufmännischen Beruf durch rasch fördernden, den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen genau angepaßten Einzel-Unterricht. — Feine Erziehung; beste Referenzen. Für Ausländer beste Gelegenheit zur raschen Erlernung der deutschen Sprache. s» Prospekte auf Wunsch gratis und franco, ür meine Bäckerei u. Mehlhandlung suche einen kräftigen Lehrling aus religiöser u. achtbarer Familie. Eintrittjnach Ostern. (1489 Bäcker Schwidl, B r aunsbach b.Schwäb.Hall. in kräftiger Junge kann, zu Ostern bei mir in die Lehre treten. M. Wagner, Metzgerei und Wurstfabrtk, Halb er stabt. (1482

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.