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Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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für i>asM2%>c Orthodoxe MuderrthumÄ l-OM OS E S vO- [Wr. S. 14. März 1895] U. ._c &M.M,TOra Der Munderrabbi. Eine wahre Erzählung aus Rußland. — Nachdruck verboten. Jtsche Veidelstein war ein braver, frommer und gottesfürchttger Mann, wenn auch sein Begriffsvermögen und seine Bildung gar Manches zu wünschen übrig ließen. Seit undenklichen Zeiten hatte er die Kretzschme (Dorfschenke) von der Peritzede (Gutsherrin) gepachtet und er ernährte sich damit, wenn auch kümmerlich und oft nicht ohne Sorgen, so doch anständig und wenn es ihm am Ende des Vierteljahres gelungen war, den Pachtzins der Peritzede überbringen zu können, so konnte er wieder eine Zeit lang in Ruhe und Sorglosigkeit mit seiner Familie verleben, bis dann mit Herannahen des neuen Vierteljahresende die neue Sorge um das Pachtgeld wieder an ihm nagte. Seit einiger Zeit aber war das anders geworden. Seine Familie war von Jahr zu Jahr gewachsen und wie der Priester von Mtdjan hatte er sieben Heirat hsfähige Töchter im Hause. Diese hatten allerhand, wenn auch noch so bescheidene Bedürfnisse an Toiletten, Schmuckgegenständen u. s. w. und imUebrigen hatten sie auch gar keinen schlechten Appetit. Daß sich hierbei der Haushaltetat unseres Jtsche Veidelstein immer ungünstiger gestaltete, war nur zu natürlich und zum ersten Male seit 18 Jahren war es ihm beim Schluffe des Quartals nicht möglich seinen Pachtzins in üblicher Weise zu entrichten. Bereits waren 14 Tage nach dem Termin verstrichen und die Baronin, die ihm früher eine gnädige und nachsichtige Herrin gewesen, hatte sich bei ihrem Wtnteraufenthalte in Petersburg antisemittscheAllüren angewöhnt und drohte ihm nunmehr, wenn er binnen 3 Tagen nicht gezahlt haben würde, ihn von HauS und Hof zu jagen. Jtsche war rathlos. Tag und Nacht faßen Mann, Frau und Kinder beisammen und weinten, dreimal hatten sie bereits einen Fasttag abgehalten und noch immer wollte sich kein Ausweg zeigen. Als die Noth am höchsten gestiegen war, sagte Jtsche's Frau zu ihrem Manne: »Weißt Du, lieber Jtsche, fahre doch einmal in die Stadt zum Rabbi, ich habe schon oft von gar wunderbaren Thaten dieses heiligen Mannes gehört, vielleicht kann er durch die Weisheit, die ihm Gott eingegeben, uns einen Rath ertheilen, der uns alle nicht nur aus dieser schrecklichen Noth befreit, sondern uns sogar noch zu Glück und Wohlstand gelangen läßt." Jtsche lächelte traurig. »Das müßte in der That ein Wunder sein," sagte er zu seiner Frau, »das uns aus solcher Lage befreien könnte, und damit der liebe Gott Wunder an uns vollziehe, dafür waren wir lange nicht fromm und brav genug und gar manche Sünde, die ich im Laufe der Jahre begangen, lastet auf meinem Gewissen." »Ich bitte Dich, fahre hin," flehte Jtsche's Frau, ,,im allerungünsttgsten Falle wird mit Deiner Reise doch das Eine erzielt werden, daß wir während Deiner Abwesenheit die Peritzede damit vertrösten können, daß Du in die Stadt gefahren und wahrscheinlich in kurzer Zeit mit dem gewünschten Betrage zurückkehren würdest. Wir haben hierdurch wenigstens Zeit gewonnen und wer weiß, ob uns Gott nicht in dieser Zeit in irgend einer Weise helfen wird." Jtsche gab den Bitten seiner Frau endlich nach, spannte seine Troika an und fuhr unter Hellem Glockengeläute der nahen Stadt zu.

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