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Der Israelit · 1895-03-14 · Heft 21 (14.3.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 21 (14.3.1895)
Date
1895-03-14
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. M 21. Der Israelit. Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoxe Audenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 14. März 5655 (1895). Da mit dem 1. April. 1895 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, hie geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1895 eingetragen unter Nr. S44S. WM- Die Fortsetzung der Aufsätze „Hagadah schel Pcßach" folgt in nächster Nummer. Leitender Artikel. Die Idee der Unsterblichkeit. Von Rabb. Dr. M. J««g, Ung. Brod. Die auffallende Thatsache, daß die Thora die UnsterblichkeitS Idee in vielen Stellen wohl andeute, nirgends aber ausdrücklich lehre, findet darin ihre Erklärung, daß die Unsterblichkeitstdee nicht etwa bloS eine der vielen erhabenen Lehren des Judenthumes sei, sondern geradezu die Quelle desselben. Die ausdrückliche Betonung dieser hochwichtigen Lehren in der Thora würde auf uns den Eindruck desjenigen machen, der mit Hilfe eines großen Beweisapparates uns darüber belehren wollte, daß der vor unfern Augen sich hinziehende mächtige Strom nothwendigerweise eine Quelle haben müffe, der er entströmt. Daß die Idee der Unsterblichkeit thatsächlich Grundlage des Judenthums ist, ergibt sich mit Evidenz, sobald wir uns die Frage beantworten : Was ist das Ideal des JudenthumS? Das Ideal des Judenthums, besten Verwirklichung jeder Jude mit aller Kraft anzustreben hat, ist nicht Ertödtung des Irdischen, sondern Erhebung, nicht Vernichtung des Sinnlichen, als vielmehr Erhebung desselben in die Sphäre des Göttlichen. Heiligkeit ist das höchste „Moralprinzip" der Thora, Heiligkeit ist ein Zustand, in dem wir alles Aeußere auf das Innere zurückbeziehen, das Sichtbare auf das Unsichtbare, das Körperliche auf das Geistige, daß alles im vollsten Einklänge übereinsttmmt, daß die Umriffe des Aeußeren den höhern Seelenkräften entsprechen. Heiligkeit ist Selbstständigkeit des Geistes, Herrschaft deS Geistes über das Irdische. Das Ideal des JudenthumS ist Heiligkeit oder in einer unserer Zeit sympathischen Weise ausgedrückt, die höhere ästhetische Erziehung des Menschen. Mögen auch unsere modernen Glaubensbrüder mit ihren überfeinen Sitten den verstümmelten Maßstab ihres sogenannten modernen Geschmackes an die Lehren der Thora legen, und dieselbe geschmacklos und dem ästhetischen Sinne widersprechend finden, es bleibt dennoch wahr, daß die Thora die Bestimmung des Menschen auf die erhabene Kunst des Schönen zurückführt: 'wyb rnaen 'vw dv dikh ]oü mwem und jene Tadler und Kritiker der Thora bezeugen nur, daß sie den Begriff des Schönen nie gekannt, daß fie das Wesen des Schönen in seiner ethischen Tiefe nie erfaßt haben. Wahrhaft schön ist nur dasjenige, was eine Idee, ein Ideal zur Anschauung bringt, was nur das Unendliche im Endlichen schauen läßt, und Heiligkeit bedeutet gleichfalls nichts anderes als das Hineintragen des Göttlichen in das Irdische, damit dieses aus der Dunkelheit, wie ein Stern der Lieblichkeit und Anmuth erglänze; nichts anderes als das Hindurchschtmmern des Geistigen durch alle Poren des Sinnlichen, Heiligkeit ist daher der Brennpunkt des Judenthums. Im Begriffe der Heiligkeit ist es. schon ausgesprochen, daß das Ideal der Thora nicht eia Etwas sei, daß uns mitunter begeistert, berauscht und entzückt; die Thora nennt dasjenige Ideal, was in ununterbrochener Stetigkeit auf uns stets idealtsirend, ergeisttgend und veredelnd wirkt. Je schöner, tiefer der Gehalt des vergeistigten Irdischen, je größer der Umfang des idealtstrten

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