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Der Israelit · 1895-03-11 · Heft 20 (11.3.1895) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 20 (11.3.1895)
Date
1895-03-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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398 wtr, eingedenk des Propheten Wortes: „haben wir nicht alle einen Vater, hat nicht ein Gott uns erschaffen," ungeachtet unserer Confeffion, unseres Stammes, treue, gehorsame Uriterthanen, treue, nützliche Bürger, treue Anhänger und Förderer des Gesetzes, treue Brüder aller Menschen ohne Unterschied des Standes, Stammes und der Confession. England. London, 8. März. Nach einem Telegramm auS Rom hat Kardinal R a m p o l l a auf Weisung des Papstes dem Prinzen Lichten stein, dem Führer der österreichischen Antisemttcn, einen Warnungsbrkef zugesandt, in dem es heißt, die soziale Agitation müsse sich innerhalb der Grenzen der christlichen Prinzipien halten, und der Papst könne nicht den Klassen- und Rassenhaß billigen, wie er seitens der Antisemiten geführt werde. Das Telegramm fügt hinzu, es sei das erste Mal, das der Papst in solcher Weise öffentlich die antisemitischen Bestrebung?» verurtheile, und es verlaute, der Nuntius in Wien, der die Antisemiten begünstige, werde demnächst abberufen werden. Vermischtes. Berlin 7. März, Ein Pistolenduell hat am Sonntag früh und zwar im Grunewalv stattgefunden. Es standen sich ein Rechtsanwalt und ein Student von einer auswärtigen Universität gegenüber. Grund zum Duell sollen, wie der Konfectionär mittheilt, antisemitische Schimpfereien gewesen seien, welche von dem Rechtsanwalt in einem hiesigen Eafse laut geäußert wurden. Als der Student dem Letzteren dieses ungebührliche Betragen verbot, folgte eine kurze Auseinandersetzung, welche der Rechsanwalt mit einem Schlag in das Gesicht drS Studenten beendete. Der Rechtsanwalt trug eine, nicht unbedeutende Wunde an der Schulter davon, die jedoch zu schweren Bedenken keinen Anlast giebt. Er wurde in eine hiesige Klinik überführt. Hamburg, 4. März. Als Alterspräsident eröffne« G. R. Richter, seit 1859 Mitglied der Bürgerschaft, die erste Versammlung der halbschichtig erneuerten Bürgerschaft. Bei Anwesenheit von 128 Mitgliedern wird der bisherige Vorsitzende, Bankier Siegmund Hinrichsen mit allen gegen 2 Stimmen wiedergewählt. AuS Bader». Die Bezirksrabbiner Dr. Leopold Löwenstein in MoSbach, in Würdigung seiner Verdienste um die Erforschung der Geschichte der badischen Israeliten, Dr. Levin in Freiburg, in Würdigungseiner geschichtlichen und apologetischen Schriften, erhielten je einen (Fanny Weil'schen) Preis im Betrage von 320 M. TV Rom, 3. März. Die Insel Sicilien und die Provinz Calabrien wurden, wie bekannt, kürzlich von einem gewaltigen Erdbeben heimgesucht, das dort große Verheerungen anrichtete. Hierauf bildete sich hier ein Comitö, um im ganzen Königreiche Spenden für die durch das Erdbeben Heimgesuchten zu sammeln. DaS Comi« hat nun mit der Vertheilung dieser Spenden die zwei Israeliten, Fr an che 11 i und Ernesto Natha>', betraut. Beide Herren haben aus Anerkennung für das ihnen so geschenkte Vertrauen gelobt, die Spesen ihrer Rundreisen bei dieser Vertheilung auS Eigenem zu tragen. Die jüd. Gemeinde in Mantua hat an Stelle ihres im vorigen Jahre verstorbenen Oberrabbiners MarcoMortara - den Rabbiner von Reggio Lmilka, Prof. L. Levi, zu ihrem Seeforger erkoren. Auch die Cultusgemeinde von Verona, wo der Rabbinatssitz erledigt war, hat einen neuen Functionär auf denselben berufen, indem sie ihren bisherigen Vice-Rabbiner Angela Carrpi, der stch großer Beliebtheit daselbst erfreute, zum Oberrabbiner erkor. In Mailand wurden jüngsthin drei Israeliten in den Gemeinverath gewählt. In Sihuah, einer Stadt d.s persischen Kurdistan, einige Meilen nördlich von Kirmanchah, wohnen innerhalb einer Bevölkerung von 10,000 Seelen 3000 Juden, welch', wie unsere Glaubensgenoffen im übrigen Königreich unter den Mißhandlungen der Muhammedaner grausam leiden, nichts von dem Wohlstände gemßen, der ihr Leben, voll von Bitterniffen, in etwas erleichtert, sondern stch im tiefsten Elend befinden. Sie kennen und üben kein Handwerk aus: das Handwerk liegt lediglich in den Händen der Muhamedaner und Christen. Die Juden sind kleine Krämer oder Kolporteure. Einige wenige unter ihnen treiben Handel mit dem ihnen von Muhmmedanern geliehenen Gelde, denen sie die Hälfte des Nutzens abtreten. Die Gemeinde von Sihnah ist so arm, daß sie nicht einmal eine Schule erhalten kann, und daß von 300 Kindern kaum 60 Religionsunterricht erhalten. Man kann sich vorstellen, mit welchem Erfolg Propaganda der dort angestedelten protestan ische Missionare ausgeübt wüd. Diese Missionare benutzen das Elend und Leiden unserer Glaubensgenossen, um sie dem Judenthum zu entfremden und für das Christenthum zu gewinnen. Ihre Schulen sind ein mächtiges Mittel zur religiösen Propaganda. Sie beabsichtigen eine solche in Sihnah zu gründen, und um das Vertrauen des Israeliten zu gewinnen, bezogen sie sich auf die Alliance. Zuerst wurden sie von unseren Glaubensgenoffen gut ausgenommen, nachdem dieselben indessen gut und besser unterrichtet waren, gaben sie alle Beziehungen zu ihnen aus. Bor einigen Monaten hat ein entsetzliches Verbrechen die Gemeinde von Sihnah in Aufruhr versetzt. Fünf Hausirer begaben sich nach der benachbarten Stadt Bidjau, um dort zu handeln. Die Perser überfielen sie nahe am Stadttbor. ermordeten sie und vergruben ihre Leichen am Fuße der Umfassungsmauer. Die Juden von Sihnah forderten Gerechtigkeit vom Gouverneur der Stadt, da ihnen indessen keine Genugthuung wurde, wendeten sie sich direkt an den Schah. Der Herrscher befahl, daß die Schuldigen der Familie eines jeglichen Opfers 40 Tonnen «370 Franks) zahlen sollten. Das Leben eines Juden ist also auf weniger denn 400 %tant§ abgeschätzk und vermittelst dieser Summe können sich die Perser das Vergnügen verschaffen, einen Israeliten zu foltern und zu morden- Einige Wochen vorher war ein aus Odessa kommender Glaubensgenoffe gleichfalls in der Nähe von Bidjan, ermordet worden. Briefkasten der Sied actio«. M D. in H. 1. Der betr. wohnt in Karlsruhe i. B.; 2. Die niTn erbitten zur Ansicht. Briefkasten der Expedition. I. Sp. in D.-Tz., M. B. in W. Betrag erhalten. Cfchtvege, 10. Februar. In der jetzigen Zeit, in der man uns Juden von antisemitischer Seite jede produktive Thätigkeit abspricht, wird es allgemein mit Genugthuung begrüßt und hat es sicherlich auch für die Leser dieses geschätzten Blattes Interesse, daß dem Inhaber der Firma V. Müller u. Cie. zu Frankershausen, Peitschen und Spazierstockfabrik, vom Kaiserlichen Patentamt eine neue construirte Peitsche patentirt worden ist, die nach dem Urtheil Sachverständiger alles bis jetzt Dagewesene an Dauerhaftigkeit, Elasticität und Eleganz übertrifft und den höchsten Anforderungen entspricht.

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