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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 26)
Language
German
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386 Redner sprach auch über die Schächtfrage: „Wir sind auch für ein Schächtverbot nicht zu haben, nachdem Rabbiner in öffentlichen Versammlungen erklärt haben, daß das Schächten ein ritueller Akt ist." Hermes (freis. Bpt.) erklärt es für Sünde und Schande, daß solche Anträge gestellt und solche Reden gehalten würden, wie die antisemitischen. Redner bezeichnet schließlich den Antisemitismus als eine Schmach für Deutschland, die schlimmer sei, als die Sozialdemokratie.*) v. Langen (kons.) bespricht die Haltung der Gegner der Anträge und schildert die jüdischen Eigenschaften zur größten Heiterkeit der Rechten. Schmidt-Elberfeld (Soz.) beantragt bezüglich des Antrages von Liebermann den Uebergang zur einfachen Tagesordnung. Richter (freis. Vpt.) befürwortet den Antrag und bemerkt, die Debatte zeige, daß der Ton im Reichstage thatsächlich gesunken sei. Abg. Förster (Antisemit) bekämpft den Antrag und bezeichnet die Angriffe von Hermes als gewöhnliche Schimpfereien. Präsident v. Levetzow rügt diese Worte. Der Antrag Schmidt wird angenommen, jedoch ein Antrag auf Schluß der Debatte bezüglich der beiden anderen Anträge abgelehnt. Ahlwardt (Antis.) bezeichnet in längerer Rede die Juden wiederholt als Raubthiere, Schwindler und Parasiten. Die vorliegenden Anträge seien der erste Schritt zur Bekämviuna des 2iudentbums. Richter Mläri, die Worte Ahlwardt's überstiegen das Matz der Schimpffreiheit und bewiesen die Verrohung des Tones im Reichstage. Daß das gestattet werde, stimme nicht mit den Grundsätzen überein, denen der Präsident noch gestern Ausdruck gegeben habe. (Heftiges Glockengeläute des Präsidenten, der erklärt: Abg. Richter, Sie haben nicht das Recht, meine Geschäftsführung zu kritistren. Von Ihnen laffe ich mir daS nicht gefallen. (Lebhafter Beifall rechts und Händeklatschen. Große Unruhe links.) Abg. Richter ruft: Habe ich nicht daS formale, so doch das moralische Recht. (Große Bewegung rechts.) Rach einer Reihe persönlicher Bemerkungen und nach den Schlußworten der Antragsteller wird der Antrag Haffe abgelehnt. Der Antrag Hammerstein-Manteuffel wird in namentlicher Abstimmung mit 167 gegen 51 Stimmen abgelehnt. _ *) Wir werden die prächtige Rede des Abg. Hermes in nächster Ausgabe nach dem Stenogramm zum Abdruck bringen. Red. d. Jsr. Nachbemerkung der Redaction. Wiederum hat also eine Judendabatte im deutschen Reichstage stattgefunden und wiederum haben zur Zeit des Purimfestes die Hamans ihr Haupt erhoben, zu Grunde zu richten, umzubringen alle Juden, Jung und Alt, an einem Tage. Aber auch wiederum hat der Allmächtige seine Hand schützend über uns ausge' reitet und die Anträge unserer Feinde zu nichte gemacht. Es war eine iutereffante Sitzung, diese Sitzung vom 6. März, in welcher sich der deutsche Reichstag mit Anträgen antisemitischer Tendenz zu befaffen hatte und in welcher 567000 deutsche Bürger jüdischen Glaubens von Seiten des Abgeordneten Ahlwardt mit den Schimpfwörtern „Raubthiere, Gesindel, Parasiten u. s. w. belegt wurden, ohne daß der Präsident, dem doch die Würde des Hauses zu wahren obliegt,den Redner ob dieser Aeutzerungen zur Ordnung gerufen hätte! Aber vielleicht dachte Herr v. Levetzow, die Worte des Rektors aller Dentschen, sind nicht ernst zu nehmen, da jeder anständige Mensch weiß, was von den Reden dieses Mannes zu halten sei und er wollte in die Eintönigkeit der letzten Verhandlungstage eine Abwechslung bringen. Was die Verhandlungen selbst betrifft, so brachten sie kein neues Moment zu Tage. Die alten abgedroschenen und unbewiesenen Phrasen der antisemitischen Agitatoren, die Furcht vor den paar Juden in Deutschland nahmen sich aus dem Munde des nationalliberalen Herrn Haffe gar seltsam aus. Sehr intereffant war auch das Compliment des Herrn von Langen, welches er dem deutschen Richterstande macht; 29,2 Prozent der angeklagten Juden sagt der sehr ehrenwerthe Herr, haben durch ihre Geriebenheit und Gerissenheit eine Freisprechung erzielt." Welch' bedauernswerthen Richterstand, welch' nachlässige Staatsanwaltschaft hätten wir, wenn ein so großer Prozentsatz Schuldiger durch „Geriebenheit und Geriffenheit" eine Freisprechung veranlassen könnte! Oder ist nach Herrn v. Langen jeder angeklagte Jude schuldig? Uns wundert es nur, daß Herr v. Langen diese Freisprechung der 29,20/, jüd. Angeklagten nicht dem deutschen Richterstande und den deutschen Gerichten zum Vorwurf macht. Jedenfalls hat die Sitzung vom 6 März auch Klarheit zwischen Antisemiten und Nationalliberalen gebracht. Sie hat gezeigt, wie sehr der Nationalliberalismus herab- und von den Grundideen, aus denen er sich entwickelte, abgekommen fein muß, daß er in das Fahrwaffer der Antisemiten einleitet und mit den Conservativen Hand in Hand geht. Mögen sich auch alle Hamans der Welt vereinigen, Israel können sie nichts anhaben. Änj eißen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Qut Erlernung eines <0 streng religiösen Haushalts finvet ein junges Mävchen unter Kamilien-Anschlutz sofort oder per 1. Mai Stellung. Henriette Bernstein Höxter a. W. (1452 oooooooaoooagooao Arrfmrf. Ein braver jüd. Handelsmann leidet schon längere Zeit an einer Augenkrankheit, dem grauen Staar, und hat sich dieselbe, trotzdem er vor drei Jahren operirt wurde, so sehr verschlimmert, daß derselbe nicht mehr seinem Geschäfte nachgehen kann. Dazu kommt noch, daß sein ältester Sohn, der ihm eine große Stütze war, zum Militäidienst herangezog wurd. Der Mann lebt in kümmerlichen Verhältnissen, und seine Lage ist sehr zu bedauern. Deshalb teuere Glaubensgenossen suchet diesen schwer Heimgesuchten durch milde Gaben, ans seiner und seiner Familie drückenden Lage zu befreien. Die Expedition dieses Blattes ist gerne bereit Gaben unter Nr. 1896 in Empfang zu nehmen und w iterzubefördern. oosoaooooaoooäoaa (JTin tücht. j. Mädchen sucht per fof. ob. 1. AprilStellg. in e. Putzu. Modewaarenqesch. als Verkäuferin. Kost u. Logis am liebst, im Haufe. Photo zr. und Zeugnisse stehen gern zur Verfügung. Offerten unter H. Ij. 9302 befördert Rudolf Mofse, Hamburg. (UTa ^LeirathSparth., nur reelle, ver- ’V mitt lt u. gewissenh., strengst. DiScr. I LiffgeuS, GoßmannSdorf a. M. (Bayern.) Verantwortliche Redacnon, Oscar Lehmann in Mainz. - Expedition deS .JSraeltt*, Schorrftrahe Str. 8, Mainz. Druck und Verlaa der Job. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.

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