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Der Israelit · 1895-03-07 · Heft 19 (7.3.1895) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 19 (7.3.1895)
Date
1895-03-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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361 auf welchem der, nach unserem alt ehrwürdigen jüdischen Ritus, nur mit einem schwarzen Leichentuch bedeckte Etchensarg sich befand, schritten die oberen Betriebsbeamten der Straßenbahnen. Hinter dem Sarge kamen der Oberrabbiner mit den näheren Verwandten des Verstorbenen und dann ein unabsehbares Leichengefolqe, in welchem wir einen Domherrn mit Vicar, den Präsidenten des Dtrectoriums der Kirche Augsburgischer Confession, Petri, die Mitglieder des israelitischen Conflstoriums, den Beigeordneten Ftschbach, den Mintsterialrath Hamm und viele angesehene Bürger unserer Stadt erblickten; 25 Zweispänner schloffen den großen Leichenzug. Sämmtliche Ladenbesitzer in der Nußbaumgaffe, in der die sämmtlichen Häuser bis auf zwei dem Verstorbenen gehörten, schloffen beim Erscheinen des Trauerzuges die Läden der Schaufenster zum Zeichen der Trauer und Dankbarkeit für den Verblichenen, der den Ladenbefitzern stets in zuvorkommender Weife als Mtethsherr gegenübergestanden hatte. Allgemein wundert man sich hier darüber, warum die Rabbinen des Unter-Elsaß zu dieser keine Einladung erhalten haben, zumal, da der Verstorbene stets, als Präsident des Eonsistoriums sehr loyal und zuvorkommend den Rabbinen gegenüber sich gezeigt und an der letzten hier stattgefundenen Rabbinerconferenz mit großen Interesse Theil genommen hat. st. Strastdrirg, 28. Februar. Zum Aerger des hier erscheinenden Blatt „Der Elsässer", das in fast jeder Nummer auf der einen Seite über Antisemiten und über Protestanten schonungslos den Stab bricht und auf der andern Seite uns Juden versteckte und offene Seitenhiebe versetzt, bald, weil wir in den größeren Städten, in welchen die Gymnasien und Universitäten sich befinden, einen höheren Prozentsatz ausmachen als im ganzen Lande, bald weil das Streben nach wissenschaftlicher Ausbildung bei uns Juden bedeutend entwickelter ist als bei den Katholiken, ganz besonders aber, weil unsere Söhne das Recht haben als Professoren an höheren Lehranstalten und Universitäten mit Erfolg zu fungiren — ist der Privatdozent, Herr Dr. Cahn hier zum außerordentlichen Professor in der medizinischen Fakultät der hiesigen Kaiser-Wilhelm-Univerfität ernannt worden. Mit Freuden nehmen wir Veranlassung, Herrn Professor Dr. Cahn zu seiner ihm gewordenen Auszeichnung unsere herzlichste Gratulation darzubringcn mit dem Wunsche am) r&s. Zabern i E., 1. März. Unsere israelitische Gemeinde hat sich immer und immer wieder gesträubt, den schon längst polizeilich verlangten Umbau der hiesigen Synagoge vorzunehmen; jetzt ist nun wegen Bausälligkeit die weitere Benutzung verboten worden. Wie dem Uebel abgeholfen werden soll, ob durch Umbau der baufällig gewordenen alten Synagoge oder durch Herstellung einer neuen den Erfordernissen des sogenannten indifferenten falschen Zeitgeistes entsprechenden Orgel Synagoge, darüber sind die Meinungen noch gethetlt. Während die älteren Leute, die das traditionelle Judenthum, nach welchem sie leben und wirken, von welchem sie sich letten lassen, als ein unantastbares, ewig dauerndes und ewig giltiges göttliches Heiltgthum betrachten, für den bloßen Umbau sich begeistern, rufen die jungen modernen Tageshelden mit einem angenommenen lebendigen Pathos aus, was frommt uns der Umbau, der die Synagoge weder praktischer, noch schöner, noch viel weniger moderner als bisher machen wird; warum sollen wir uns nicht zu einem ordentlichen Neubau einer modernen Orgel-Synagoge k la Straßburg, Mühlhausen, Berseld und Schlettstadt entschließen? Wer von den beiden Parteien den Sieg davon tragen wird, ist eine Frage der Zeit. Wenn Sie, geehrter Herr Redacteur, e8 gestatten, bin ich gerne bereit, über das Resultat dieser brennenden Frage Ihnen Bericht zu erstatten.*) Oesterr.-Ungar. Monarchie. K. L. Wien, 3. März, mjw myj -in ynrwi. Anläßlich des bevorstehenden Purtmfestes sehe ich mich veranlaßt, die Aufmerksamkeit der Bibelforscher auf das Wort -in zu lenken, dös bisher noch keine genügende Erklärung gefunden hat. Als Kenner des Neuperstschen und theilweise auch des Altpersischeng hoffe ich die richtige „Verdeutschung" dieses Wortes eben zu können. Im Altperstschen bedeutet nämlich das Wort „Tyr (in) „Lostag" d. h. ein von den Astrologen als günstig bezeichnter Tag zur Unternehmung dieser oder jener Sache. Wie noch heute die Perser und die meisten anderen Orientalen, so unterließen es auch die Allperser nie, bevor sie irgend einen wichtigen Schritt machten, zuvor das Gutachten eines Astrologen darüber etnzuholen, an welchem Tage und in welcher Stunde sie diesen Schritt unternehmen sollten. Selbstverständlich unterließ es auch Köng Ahasverus nicht, bevor er sich ein neues Mädchen vorführen ließ, sich von seinem Hofastrologen einen „Lostag" d. h. einen günstigen Tag für dieses Ereigniß progtwstlcireu zu lassen. Bekannt ist auch, daß Schah Nasr Eddin, trotzdem er schon drei Mal (1873, 78 und 89) in Wien war, und trotzdem er immer in der kaiserlichen Burg wohnte, die Kaiserin Elisabeth noch nie zu Gesichte bekommen hat, die Ursache davon ist folgende: Als der *) Berichte hierüber sind unSwillkomm««. Red. '

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