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Der Israelit · 1895-02-28 · Heft 17 (28.2.1895) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 17 (28.2.1895)
Date
1895-02-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. M 17 Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 28. Februar 5655 (1895). Leitender Artikel. Me Vorgänge in IranKreich. Mainz, den 27. Februar. In Frankreich bereiten sich seit längerer Zeit Dinge vor, über deren tiefen Ernst und weitgehende Tragweite sich kein aufmerksamer Beobachter tauschen wirb. — Während wir in jüngster Zeit wiederholt Veranlassung hatten, auf den Verfall des überlieferten, nnverfälsihten Judenthums hinzuweisen, der sich innerhM der zeitgeuösstschen französischen Zprdei die Ereignisse, welche btö in. deS Antisemitismus in Frankreich eonstatiren, der nun auch in der französischen Kammer seine offtcielle Vertretung hat, und zwar in einer Weise, wie dies vielleicht bet keinem anderen Parlament der Fall ist. Diese Bewegung ist in Frankreich ganz neuen Ursprunges. Sie trat zuerst Mitte der achtziger Jahre auf. Damals war sie ein vornehmer Sport der Mitglieder deS Jockeyklubs und deS Cercle der Rue Royale, die ihn auf Reisen in der gesellschaftlichen Berührung mit Deutschen und Russen kennen gelernt und als den neuesten Ton der ausschließlichen Kreise von Berlin und Petersburg in Paris etngeführt hatten. Einige Boulevardblätter, die den Klubleuten den Hof zu machen pflegen, in erster Reihe der „Figaro", nahmen die neue Mode eifrig auf und brachten die hier damals völlig unbekannten Worte „staute“ und „antisämitisme“ unter die Menge. Die Haltung des „Figaro" war um so merkwürdiger, als damals die Mehrzahl seiner Mitarbeiter aus Juden bestand. Man braucht sich nur der Namen Albert Wolff, Albert Millaud, Mortter, Adrten Marx, Jacques Saint-Cöre u. s. w. zu erinnern. Die eleganten Cercles und der „Figaro" waren die Vorläufer, denen dann A. Drumont folgte. Seine Bücher „La France juive“ und „La fin (Tun Monde“ trugen den Antisemitismus in weitere Kreise. Die Judenhetze hörte aufdas Standesmerkmal der reichen Müßiggänger zu sein, und wurde in wachsendem Maße eine Bolksangelegenhett. Der Boulangismus, der auf alle schlechten Triebe der Massen spekulirte, vernachlässigte natürlich auch den Judenhaß nicht. Neben dem revanchelüsternen Chauvinismus, neben dem Haß und Neid auf die aus kleinsten Anfängen zu Geld. Macht und Wohlleben gelangten opportunistischen Politiker pflegte er auch ganz besonders den Antisemitismus, durch den er nicht wenig Anhänger in Adelsfchlöffern, Pfarrhöfeu und galanten Boudoirs gewann. Der dauerte irr seiner ursprünglichen ige, aber Ne Jüdenhetze, die ek planmäßig großgezogen, überlebte ihn und; entwickelte sich immer üppiger. Var vier Jahren gründete A. Drumont seine „Ltbre Parole", die alsbald eins der meistgekaufteu und gelesenen SomBlätter wurde und zeitweise bis zu 120 000 Abdrücke absetzte. (Heute druckt sie allerdings kaum mehr 50 000.) Der Erfolg der „Libre Parole" zeichnete auch den anderen Lärm- und Hetzblättern die Bahn vor. Ueber Nacht wurden „Jntranstgeant", „Autorltö", „Patrie", Cocarde", „Presse" noch antisemitischer als die „Libre Parole" und machten gute Geschäfte damit. Die von diesen Blättern ausgestreute Saat geht jetzt allmählich auf. Im lateinischen Viertel hat sich ein „Verein antisemitischer Hochschüler" gebildet. Ein persönlicher Freund A. Drumonts. der Vicomte d'Hugnes, wurde von einer südfranzösischen Wählerschaft auf Grund eines rein antisemitischen Programms in die Kammer geschickt. Die Dreyfus-Geschichte und jetzt die Levaillantsche Angelegenheit sind Wasser auf die Mühle der Antisemiten und fördern die Bewegung bedeutend. In einem Prozeß, der gegen zwei gescheiterte Bankiers, die Gebrüder Schwöb, verhandelt wird, hat der Vertheidiger Herr Andrteux, bekannt aus dem Panama-Skandal, einen Brief des Herrn Levai ll aut, eines höheren Justizbeamten jüdischen

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