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Der Israelit · 1895-02-21 · Heft 15 (21.2.1895) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 15 (21.2.1895)
Date
1895-02-21
Page
– (sequence 30)
Language
German
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54 •' Die Kolonisation Palästinas. Ackerbau in Palästina. (XVII. Fortsetzung und Schluss.*) Das Beispiel, welches der Verein „Menucha wenachalah“ mit seiner Kolonie Rechowoth gegeben hatte, wirkte geradezu zündend. Der Druck, welchen die russische Regierung auf die Bekenner des Judenthums ausübt, erstickt täglich zahlreiche wirtschaftliche Existenzen, und wer heute von diesem Schicksal noch nicht betroffen worden ist, der hat es für morgen, für eine näher oder weiter hinausliegende Zukunft zu befürchten; Niemand von den Millionen Juden allen kann seine Lage als gesichert betrachten, einen Jeden kann plötzlich das Loos treffen, dass er als Bettler dasteht. Da giebt es denn in der That für ihn nur ein einziges Auskunftsmitte], wie er sich seine Zukunft sichern kann; er legt in den guten Zeiten einen Theil seiner Ersparnisse in palästinensischem Grund und Boden an; trifft ihn dann eine jener beliebten Gewaltmassregeln des Antisemitismus, so erschliesst sich ihm im heiligen Lande eine Zufluchtsstätte, wo er an Stelle der alten Heimath und seiner dort verlorenen Habe von Neuem »Ruhe und Eigenthum“ findet. So sind denn auch von den ärmeren Juden Russlands, die ihren Kindern eine gesicherte Zukunft bereiten wollen, die Verständigeren bemüht, bei solch einer Genossenschaft die Mitgliedschaft zu erwerben, was ihnen schon bei einem Jahresbeiträge von 25 Rubel möglich ist. Die Rückwirkung, welche diese Verhältnisse ausüben, ist aber die, dass die Nachfrage nach Immobiliar - Besitz in Palästina und damit auch die Grundstückspreise eine enorme Steigerung erfahren haben. In der Nähe von Jaffa zahlte man noch vor fünf Jahren im Durchschnitt 84 Mark für den Hektar Land, jenseits des Jordans konnte man ihn schon für 12 Mark kaufen; jetzt kostet die gleiche Grundstücksfläche in der ersterwähnten Lage 160 Mark, in Galiläa 120 Mark, und selbst jenseits des Jordans verlangt und erhält man 35 Mark pro Hektar, wobei schon die Kosten für die Erlaubniss zum Häuserbau (welche Konzession nicht obneWeiteres jeder Besitzer erhält) und für die erforderlichen Dokumente mit Inbegriffen sind. Die Tagelöhner, welche hier arbeiten, haben dabei theilweise für ihre in Russland zurückgebliebenen Familien zu *) 8. Nr. 538. sorgen, zum Theil aber gehen sie darauf aus, sich vorerst Erfahrungen zu sammeln, um dann selbst sich mit dem aus der Heimath mitgebrachten Kapital in Palästina anznkanfen. In diesem neu erwachsenen Arbeiterstand, dessen werthvollstes Element allerdings die in der Jugend repräsentirte Intelligenz ist, lebt auch nicht mehr die Furcht vor den Beduinen, welche jenseits des Jordans hausen; sie besitzen (wer denkt dabei nicht an die bekannten amerikanischen Hinterwäldler?) Math und Entschlossenheit genug, den Jordan zu überschreiten, um sich auch am anderen Ufer sesshaft zu machen. Wie einst jene Hinterwäldler in Nordamerika kühnen Mutlies den Mississippi überschritten, um den Westen den gefürchteten Rothhäuten zu entreissen, so werden im heiligen Lande die dort sesshaften jüdischen Tagelöhner bald über den Jordan setzen, um das dort belegene fruchtbare Getreideland den Beduinen streitig zu machen. Eine Schaar hochgebildeter Tagelöhner, erfüllt und getragen von europäischer Cultur und Gesittung, und andererseits mit der Sprache, Lebens- und Anschauungsweise der Araber wohl vertraut, dringt hier vor, um sich in bisher von Barbarei beherrschten Gebieten sesshaft zu machen, weil die eigene Armuth sie hindert, den theuer gewordenen Boden im cisjordanischen Palästina zu erwerben. Die Vorposten dieser Pionier-Truppen sind schon jetzt bis hart an den Jordan vorgeschoben, scaon jetzt haben hier jene so seltsam gearteten Tagelöhner zwei Kolonien gegründet, die „Wacht am Jordan“ und die „Jordansbrücke“ („Mischmarha-Jarden“ und „Gescher ha-Jarden“). Damit ist zugleich ein sehr wesentlicher Theil der jetzt in Palästina auf der Tagesordnung stehenden Tagelöhnerfrage gelöst, da sich den Tagelöhnern die gesicherte Aassicht auf künftigen selbstständigen Grundbesitz darbietet. Den „Zionsfreunden“ aber musste es um so mehr als eine ihrer wichtigsten Aufgaben erscheinen, diesem Streben Vorschub za leisten, als durch ihre bisherige Thätigkeit das Sammeln von Spenden durch das Eingreifen des Mittelstandes immer mehr in den Hintergrund gedräDgt wird.

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