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Der Israelit · 1895-02-21 · Heft 15 (21.2.1895) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 15 (21.2.1895)
Date
1895-02-21
Page
– (sequence 18)
Language
German
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294 Lage, als er die Rede hielt, die Plack-Podgorskh und Schweinhagen für ihn gemacht hatten. (Ruf: Die hat er selbst gemacht! Lüge! Widerspruch, Beifall.) Das Uebrige, die rein persönlichen Gehässigkeiten gegen mich, ist der Widerlegung nicht werth. (Minutenlanger Beifall, Hochrufe, Trampeln Zischen.) Als dann Böckel zu Worte kam, wurde ihm wiederholt zugerufen: Sie Fatzke, Sie! und als dann Liebermann behauptet, Böckel habe einen Unglückstag, brach ein betäubender Lärm mit Pfuirufen los. Einige Personen mutzten durch Schutzleute entfernt werden. Ein Theil der Zwischenrufer beschuldigte den andern, datz sie nicht anständige Menschen seien. Schließlich zog Böckel mit seinem Anhänge ab, und es wurde eine den Ausschluß AhlwardtS billigende Resolution angenommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. 8. EL Wien, 15. Februar. Im niederösterreichischen Landtage wurde diese Woche über eine Wahlresorm debattirt. Seit der Schaffung Groß- WienS, respective infolge der Einverleibung mehrerer Landgkmeinden-Bezirke in die Residenzstadt, mutzten die bisher dort gebräuchlich gewesenen Wahlen von Wahlmännern oder die sogenannten Urwahlen abgeschafft und an deren Stelle direkte Wahlen wie in allen Stadtbezirken eingeführt werden. Die Herren Antisemiten sind aber gegen die Einführung von direkten Wahlen in den annektirten Bezirken und da die Liberalen für die Wahlreform sind, schimpfen die Antisemiten auf die — Juden. Das wüste antisemitische Geiohle hat erreicht, daß der Landmarschall die Wahlreform-Vorlage von der Tagesordnung verschwinden ließ, so daß sie in dieser Session, welche in den nächsten Tagen geschloffen wird, nicht mehr zur Berathung gelangen wird, und die nächsten Wahlen werden noch nach der Wahlordnung, das heißt indirekt, stattstnden, was uns schließlich ganz kalt läßt. Obwohl also die Sache mit den Juden nichts gemein hatte, entspann sich eine regelrechte Judenhetze, wie e8 nun eben in unserer Landtagsstube Mode ist und aus der Debatte wollen wir einiges anführen: Abg. Dr. MaggDer Abg. Pacher hat hier eine Philosophie des Antisemitismus entwickelt und ist zum Schluffe gekommen, daß heutzutage jeder, der nicht Antisemit ist, ein sittlich verwerflicher Mensch ist, oder daß ein solcher gar kein Gehirn hat. Ueber diese Aeußerung steht wohl jedem sein Urtheil frei. Wenn aber der genannte Abgeordnete dabei so viel von Freiheit gesprochen hat und uns vorwirft, daß wir nicht liberal genug sind, so ist es schwer zu begreifen, wie er dazu kommt, eine ganze Raffe oder Confesfion als so inferior zu erklären, wie er es gethan, und wie er zu der Folgerung kommt, daß man ihr die erst vor dreißig Jahren erlangte Gleichberechtigung wiedernehmen muß, wofür er statt Argumente und Begründung nichts als ein witziges zoologisches Gletchniß vorzubringen wußte. Der genannte Abgeordnete will die mühsam errungene Gleichberechtigung aller Staatsbürger pretsgeben, ohne zu überlegen, daß wenn einmal die Gleichberechtigung im Staate ausgehoben wird, man bei einer Claffe nicht stehen bleibt, und was heute den Juden geschieht, morgen einem andern geschehen kann. Ich halte es in der Frage des Antisemitismus ebenso, wie dies Rector Müllner als seine Anschauung dargelegt hat. Indem ich persönliche Zuneigung und Abneigung jedem freigebe, bin ich davon überzeugt, daß die Grundsätze des Antisemitismus weder mit derMmschlichkeit, noch mit der Humanität, noch mit dem Deutschthum, aber am allerwenigsten mit christlicher Gesinnung sich vertragen und ich sage mit dem deutschen und arischen Dichter: „Behüt' uns Gott vor Massenhaß und Rassenhaß und derlei Teufelswerken." Abg. Vergant meint, das Judenthum beherrsche so sehr den Landtag, trotzdem kein Jude mehr drin sitzt, daß sogar der Priester und Rector Müllner für das Judenthum eintrat, weil er Freunde unter den Juden hat. Um eine judenliberale Aenderung der Wahlordnung zu verhüten, werde er gegen die Vorlage stimmen. Abg. Schneider spricht über die Verjudung zur Zeit Julius Casars, die allmählig zur Zerstörung des römischen Reiches führte. Das allgemein dtrecte Wahlrecht wird von den Juden verlangt, weil sie hoffen, dadurch den Weltumsturz herbetzusühren. Er wünsche in der Vorlage einen Paragraph, in dem es heißen sollte: Juden sind vom acttven und passiven Wahlrecht ausgeschlossen. Jetzt komme ich zu den Gebetbüchern der Juden. Landmarschall: Die Gebetbücher der Juden haben mit der Wahlordnung nichts zu thun. Abg. Schneider.- Ich habe hier (einen Haufen Bücher hervorhebend) eine ganze Bibliothek, aber wenn ich davon nicht reden darf, so muß ich es eben bleiben lassen. Das antisemitische Programm wird aber siegen, und die Liberalen werden abwirthschaften und in die Minorität kommen. Man hüte sich aber, wenn die Dinge so fortgehen, werden sich die Gräuelscenen der französischen Revolution wiederholen. Man sehe nach Ungarn, wo die Rumänen beraubt, betrogen und vertrieben werden. Wenn es einmal in Ungarn brennt, dann kann man sicher sein, daß es auch hier brennen wird.

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