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Der Israelit · 1895-02-21 · Heft 15 (21.2.1895) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
36 (1895)
Issue
Heft 15 (21.2.1895)
Date
1895-02-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXVI. Jahrgang. Mette Beilage M M 15 des „Israelis. Zeit««gS»achrichteir mtfc Correfpo»de«zen Deutschland. Aus Norddeutschland. Die in dem Annoncenthetl Ihres Blattes seit mehreren Wochen von der Verlagsfirma Pascheles in Prag zu dem ermäßigten Preis von M. 6 angebotene Prachtbibel des Prof. Dr. Fürst, war mir bis dahin unbekannt, schien mir aber ein derart günstiger Gelegenheitskauf zu sein, daß ich gleich 2 Exemplare davon bestellte, eines für mich und eines zum Verschenken. Als ich das, sofort nach der Bestellung erhaltene, Paquet öffnete, fand ich, daß die Verlagshandlung nicht zuviel gesagt hat, wenn sie das Buch ein Prachtwerk nennt, „das sich jede israel. Familie anschaffen sollte und das zu Confirmations- oder Hochzeitsgeschenken bestens geeignet sei." Zwar ist das Format des Buches etwas unhandlich, es ist ein großer Band in fast gleicher Größe wie ein Talmudfoliant, allein dlesis Format war durch die eingedruckten zahlreichen Bilder wohl gegeben. Ich besah mir auch gleich eine ganze Reihe dieser nicht weniger als 190 in den Text gedruckten Illustrationen und 30 großen Separatbilder, über deren künstlerischen Werth ich mir kein Urtheil anmaße, weil ich davon zu wenig verstehe. Freilich gestehe ich, daß ich mir von den heiligen Gestalten unserer biblischen Vorzeit eine andere Vorstellung mache, als die Künstler diese Männer und Frauen darzustellen pflegen. Ich kann mir einen Abraham oder Moses ebensowenig ohne Kopfbedeckung denken, wie ich es als zutreffend anerkennen kann, die orientalischen Frauengestalten anders als in der strengsten züchtigen Verhüllung zu zeichnen. Doch vielleicht ist meine Anficht hier eine falsche. Jedenfalls, dachte ich, wird der Knabe, den ich mit dem Buche überraschen wollte, auch an den Bildern seine Helle Freude haben, und war bereits im Begriffe, ihm das Geschenk zu überschicken. Da fiel mir die Mahnung ein, die ich schon oft Anderen ertheilt hatte, doch nicht Bücher den Kindern in die Hände zu geben, deren Inhalt man nicht genau kennt. So z. B. prangt bet 99 von 100 Barmizwoh-Knaben unter den Geschenken auch das Werk „H. Klelst's sämmtltche Schriften", ohne daß die Spender ahnen, wie wenig paffend gerade dieses Dichters Erzählungen für Kinder sind. Ich schlage also das „Prachtwerk" nochmals auf und lese an'einigen Stellen die beigegebene Erklärung des Prof. Fürst. Ein Schrecken erfaßte mich bet dem Gedanken, daß, verleitet durch die falsche Annahme, daß die Annonce in Ihrem Blatte*) steht, brave Jehudim das Buch für ein empfehlenswrrthes mögen angesehen, und ohne weitere Prüfung, Kindern mögen übergeben haben. Der Verfasser schreibt unbedenklich den heiligen Gottesnamen aus, leugnet die Wunder, leugnet die ganze Göttlichkeit der min und behandelt das Gotteswort so, daß das Werk anzuschaffen jede israelitische Familie gewarnt werden muß, und daß es für Confirmations- und Hochzeitsgeschenke nichts ungeeigneteres und bedenklicheres geben kann als diese Prachtbibel von Prof. Dr. Julius Fürst. Berlin, 16. Febr. Zwischen der antisemitischen Fraktion des Reichstages und den abgestoßenen Abgeordneten Ahlwardt und Böckel nebst ihrem Anhänge finden jetzt fast täglich in antisemitischen Volksversammlungen stürmische Redekämpfe statt, in denen sich die früheren Freunde auf ärgste beschimpfen. Das Stärkste ist gestern geleistet worden in einer von fast 2000 Menschen besuchten Versammlung in der Tonhalle, wo Böckel mit einem starken Anhang gegen Ltebermann von Sonnenberg und Ztmmermann loszog. Ergötzlich ist, daß die „Staatsbürgerztg." behauptet, daß unter der Sprengkolonne Böckels auch einzelne Juden und viele Sozialdemokraten gewesen seien. Schon bet der Eröffnung, als das Hoch auf den Kaiser ausgebracht wurde, ertönten auch Hochs auf Ahlwardt. Dann rechtfertigte Zimmermann Ahlwardts Ausschluß aus der Fraktion, wurde aber fortgesetzt durch das Geschrei „Umsturzvorlage" unterbrochen. Vor Ahlwardts Enthüllungen fürchtet sich Zimmermanu nicht, denn ste hätten noch mehr Material gegen ihn zu enthüllen. Inzwischen wurden immer einige Lärmmacher hinausgeworfen. Der Borfitzende drohte jeden Störer wegen Hausfriedensbruchs zu belangen. Als Zimmermann geendet, schrie Dr. Böckel, unterstützt von seinen Anhängern, einige Minuten lang: Zur Geschäftsordnung! Ungeheurer Lärm. Rufe: Feigheit! Lumpen! Schufte! Schafsköppe! hallten wild durcheinander. Der Skandal war so groß, daß sich Abg. Liebermann v. Sonnender« mit seiner mächtigen Stimme nicht Gehör verschaffen konnte und seine lebhaften Ausführungen vorerst nur den Eindruck der Pantomime machten. Die Versammlung wurde vertagt. Die Aufregung im Saale machte sich auch in sehr bedenklichen Handbewegungen Luft. Liebermann schloß seine Rede mit der Behauptung. Ahlwardt hat sich selber gerichtet an dem *) Unsere Leser wissen, daß wir sür den Inhalt der Annoncen nicht verantwortlich sind, sowie daß wir unmöglich den Inhalt jedes im Jnseralentheil angepriese ien BucheS prüfen können. rUed.

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