Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 15 (21.2.1895)
- Date
- 1895-02-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVI, Jahrgang. M 15 Der Israelit Ein Kentrat-Hrgan für das orlßodo^e Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann tn Mainz. Donnerstag, den 21. Februar 5655 (1895). Leitender Artikel. Iäßkcn. Iahten und Wägen. (Zu Paraschat Schekalim.) Mainz, den 20. Februar. Paraschath Schekalim legt uns alljährlich die große Wahrheit nahe: wenn die Kinder Israels gezählt werden sollen, so müssen fte zahlen. Nur durch das, was sie zahlend leisten, läßt sich ihre Zahl und Bedeutung feststellen. Wollte man nur die Köpfe zählen und nicht die leistenden Hände in Anschlag bringen, so würde das den Untergang Israels bedeuten. r’N urw DmpsV Vtntr wtn n« wn •o .ans ipDD fpj DH3 rm» orw ipsd 'ib „Wenn du die Häupter der Söhne Israels nach ihren Gezählten aufnehmen willst, so soll jeder» mann Gott ein Lösegeld für seine Person geben, indem man sie zählt, bann wird kein Sterben unter ihnen sein, wenn man sie zählt." (II. B. M. Cap. 30, V. 12). Wenn die bloße größere oder geringere Zahl entschiede, dann wäre Israel verloren, vpvn am „Ihr seid die Minorität!" hat der scheidende Lehrer Israel in seinen letzten Worten zugerufen, und uns für alle Zeit die Thatsache hinausgegeben, daß es nicht die Autorität der Majorität war und ist. der wir Gottes Wohlgefallen verdanken. Zählt man aber nicht die Personen, sondern ihre Leistungen, ihre Hingebung, ihren Opferstnn, mit welchen fie stch in der Geschichte der Menschheit verewigt haben, dann eröffnet sich erst die wahre Bedeutung der Gezählten. Dann überragt das zählige Häuflein des Gottesvolkes viele gigantische Bötkerkolofse, mit denen es gerungen, unter denen es gelitten und geblutet und die es trotzdem überdauert hat. Die Vereinzelten, welche gegen die übermächtige Mehrzahl Stand hielten, konnten überwältigt der brutalen Macht unterliegen. Aber sterbend blieben sie die Sieger. Sie ließen stch brechen, aber nicht biegen. — Was ste der imponirenden Mehrzahl entgegenzusetzen hatten, war nur wenig, war hinfällig und scheinbar ungenügend. . ES waren nur halbe Schekel-Leistungen. Aber Gottes Gnade hat die unzulänglichen, hälftigen Leistungen zusammengefügt, und in dieser Gemeinsamkeit haben fie den Tod und den Untergang überwunden, denen der Einzelne stcher verfallen gewesen wäre. Wir stehep heute unter dem Zeichen der Statistik, die stch an die äußere Zahl klammert und der ganzen materialistischen Richtung der Zeit gemäß sich um den inneren geistigen und sittlichen Gehalt der Gezählten wenig kümmert. Eifersüchtig zählen die bis an die Zähne bewaffneten Vötter die Bataillone und Mordwaffen der Nachbarvölker, um es ihnen nachzuthun und ste womöglich zu übertnffen. Wer eine größere Zahl von Soldaten tnS Feld stellen kann, gilt als der voraussichtliche Sieger. Und doch ist die Geschichte reich an Beispielen dafür, daß die Opferfreudtgkett und der Heldenstnn kleiner Staaten, die trägen großen Massen von Weltreichen überwand, daß nicht die Zahl, sondern die Leistung der Gezählten den Ausschlag gtebt. Deshalb zählen wir nicht die Häupter unserer Lieben, sondern ihre Thatkraft und Leistungsfähig, fett, wenn wir ihre Bedeutung kennen und schätzen möchten. Alljährlich daher, wenn wir dem Feste entgegen gehen, welches das Gedächtntß jener Zeit beleben will, in welchem Israel aus Mzrajim, das HauS Jakobs aus dem fremdzüngigen Volke zog, alljährlich lehrt der erste Herold dieses Stiftungsfestes als erste Wahrheit: Menschen dürfen nicht gezählt, Menschen müssen gewogen werden. Unsere ägyptischen Zwingherren waren an Zahl größer, an Macht impontrender als der geknechtete Selavenstamm, und dennoch hielt die überlegene Mehrzahl den körperlich schwachen und minderzähligen Heloten nicht Stand. Auf die Sette der