Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 36 (1895)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1895)
- Date
- 1895-02-14
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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-»WMWWHWWMWW 258 Treibens bildete sich der hiesige Antisemitische Verein, dessen Devise: „Kauft nicht bei Juden und verkehrt nicht mit ihnen" war. Die Schreier und Hetzer machten bei dieser Gelegenheit, wie überall, auch hier, die besten Geschäfte. Die verhetzten Bewohner unserer Gegend sahen aber bald ein, daß eS doch nicht so gut ohne die Juden gehen wollte. Nach und nach lüstete sich ver Schleier vor den Verblendeten und am Sonntag den 20 v. M. löste sich der Verein, welcher nur noch aus einigen interessirten Mitgliedern bestand, ganz auf. Daß das Ansehen der hiesigen Juden durch obiges Treiben nicht gelitten, zeigte am besten, das an demselben Sonntag siattgehabte Concert der Schüler unseres Lehrers Herrn Falkenstein, welches sich der regsten Theilnabme auch von Seiten unserer christl. Mitbürger erfreute. DaS Concert, welches zum Besten des neubegrundeten Synagoqenchores veranstaltet, trug dem Leiter desselben Herrn Falkenstein großes Lob ein. Auch am letzten Geburtstage Sr. Majestät unseres Kaisers war es unserm allvererhrten Herrn Lehrer Falkensiein beschieden, beim FestaktuS des hiesigen Turnvereins, die Festrede mit dem Toaste auf den Kaiser oorzutragen. So haben sich hier die Ansichten geändert und zum Guten und Wahren gewendet. Möchten doch alle Verführten, von schamlosen Schreiern Verhetzten, wie hier, so überall bald zur besseren Einsicht gelangen. Möchten aber auch unsere Glaubensgenossen auf dem Lande doppelt auf ihrer Hut fein, nichts zu vollführen, was öffentliches Aergernis erregt und Juden in den Augen ihrer andersgläubigen Mitbürger verächtlich machen kann. Dürkheim a. H., 10. Febr. Bei vollständiger geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit vollendet in Spiesen b. Neunkirchen Frau Witwe Lion ihr 100. Lebensjahr. Dieselbe erfüllt noch heute gewissenhaft alle Pflichten einer streng frommen Jüdin und wirkt noch im häuslichen Kreise in gewohnter Thätigkeit. Möge der Jubilarin, die auf einen großen Kreis von Enkeln. Urenkeln und Ururenkeln schaut, ein langer und von Beschwerden freier Lebensabend beschieden sein! Berlin, Ende Januar. Herr Rabb M. Broh, Klaus' rabbiner in Jnowrazlaw (Posen), ist in den Frühstunden des vorgestrigen Sabbats im hiesigen jüdischen Krankenhause, wo er vergebens Heilung suchte, nach kurzem Leiden verschieden. Mit dem in der Vollkraft der Jahre Dahingerafften sinkt ein hervorragender Gelehrter, ein glaubensbegeisterter, pflichteifriger Jehudk, ein arbektsfreudiger Lehrer und Unterweiser der Jugend wie der Alten in's frühe Grab Von Perleberg (Altmark), wo er als Cultusbeamter. dann als Geschäftsmann thätig war, übersiedelte der Verblichene vor 15 Jahren hierher, wo er trotz der Pflichten, welche se>ne geschäftliche Thätigkeit ihm auferleqte, in selbstloser Hingebung sein reiches Wissen allen Lernbegierigen freudigst widmete u. A. allsabbatlich talmudisch - midraschische Borträge hielt. Vor acht Jahren folgte er einem Rufe als Rabbiner nach Obornik (Posen), wo er bis vor acht Monaten segensvoll wirkte, um dann eine Klausrabbinerstellung in Jnowrazlaw zu übernehmen. Ein scheinbar unbedeutendes Leiden veranlaßte ihn, die hiesigen ärztlichen Autoritäten zu consultiren; ein Schlaganfall, der ihn am vorwöchentlichen Sonntag traf, offenbarte den wahren Charakter des Leidens und hat den Achtundfünfzigjährigen dahingerafft. Auf dem Friedhofe der Israelit. Synagogengemeinde (Adaß Jisroel), wo die sterblichen Reste gestern Nachmittag unter überaus zahlreicher Beiheiligung zur Ruhe gebettet wurden, zeichnete Herr Rabbiner Dr. I. Hildesheimer unter Anlehnung an Pirke Abot I, 2 und 18 Leben und Verdienste des Dahingeschiedenen, dessen Andenken bei allen denen gesegnet fortleben werde, welche sein Wissen und Wirken kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Pose«, 27. Januar. Die Lehrerveteran, Herr L. I. Braunhart in Schubin, begeht am 25. Februar d. I. mit dem 88. Geburtstage zugleich die diamentene Hochzeit. Wie«. Der Vorstand der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde hat die Errichtung eines Kinderasyls beschlossen, durch welche« das körperliche und geistige Wohl und die religiös-sittliche Erziehung armer verwaister israelitischer Kinder gefördert werden soll. Die Anstalt wird zunächst fünfzig Pfleglinge aufnehmen. Die Stiftung wird den Namen »Mannheimer Kinderasyl" führen. In einflußreichen Kreisen der niederländischen Israeliten wird — angeregt vor 20 und 25 Jahren vom Rotterdamer Kantor Schnitzler und anderen Persönlichkeiten — die Idee für die Juden in Ost Judie« eine jüdische Gemeinde zu begründen, ventilirt. Hoffentlich mit dem gewünschten Erfolg__ Literarisches. Die mit künstlerischem JllustrationSschmuck auSgestattete Familienzeitschrift „Frohe Stunden", a Lieferung 10Pfennig, aus dem durch billige und gute Unterhaltungsschriften bekannten Verlag von Rich. Herm. Dietrich in Dresden bringt in den vorliegenden Nummern 34 bis 41 wieder viel Neues und Interessantes. Neben den ausgesuchtesten, spannensten Orginal-Romanen und höchst fesselnden Erzählungen enthalten die Heften Ernstes und Heiteres in Worten und Bildern aus der Vergangenheit und Gegenwart, sowie Gemeinnütziges für Haus und Familie. Der große Reichthum des Inhalts, wie er besser nicht in weit theuereren Journalen zu finden ist, wurde schon wiederholt hervorgehoben. Die Aufgabe dieses Blattes, die, wie der T tel schon errathen läßt, darin besteht, allen Lesern „Frohe Stunden" zu bereiten, wird glanzend erfüllt. Alle Buchhandlungen und Kolpoteure nehmen zum Preise von 10 Pfennig pro Lieferung auf diese hoch interessante und staunend billige Familienzeitschrift Abonnements entgegen. Die bisher erschienenen Nummern werden in beliebigen Zwischenräumen nachgeliefert. Auf Wunsch versendet auch die Verlagsbuchhandlung von Rich. Herm. Dietrich in Dresden Probenummern überallhin gänzlich kostenfrei. Oelgernälde - Jmitattoueu (Patentverfahren.) Ein interessantes Farbendruckverfahren, das bereits seitens des deutschen Patentamts geprüft ist, hat rin Münchner Künstler erfunden Das Verfahren ermöglicht es, in einfachster Weise Farbendruckbilder herzustellen, welche vollständig den Charakter von Oelgemälden tragen, und ist das Verfahren sowohl für Buch-, als auch für Steindruckmanier anwendbar. Die bei den seither üblichen Farbendruckverfahren benützten Druckplatten und Drucksteine können bei der neuen Erfindung gleichfalls benützt werden und ist lediglich die Anfertigung einer Ergänzungsplatte und eine entsprechende Borpräparkrung der Druckgrundfläche Leinwand, Pappe, Papier. Holz etc.) erforderlich. Die nach dem neuen Verfahren hergestellten Farbendruckbilder, von denen Proben dem Patentamt Vorlagen, tragen so vollständig den Typus von Oelgemälden, daß selbst Künstler und andere Kunstverständige erst nach Einweihung in das Herstellungsverfahren und auch dann nur bei genauester Prüfung ein solches Druckbild von wirklichen Gemälden zu unterscheiden vermögen. KunstanstaltSbesttzern oder Kapitalisten, welche die rationelle Berwerthung der Erfindung im In- und Auslande in die Hand nehmen wollen, ertheilt nähere Aufschlüsse das Patentbureau G. Dedreux in München. Die Erfindung wird seitens der Künstler, denen durch dieselbe die Reproduktion ihrer Werke in vollendetster Technik ermöglicht wird, lebhaft begrüßt.